Ins Netz geschoben und ab geht der Baum in die gute Stube.
Rodingersdorf/Niederösterreich
Am Christbaum-Hof von Ök.-Rat Franz Raith in Rodingersdorf bei Horn im Waldviertel wurde die heurige Christbaumsaison von Niederösterreichs Landesrat Dr. Stephan Pernkopf eröffnet, der hervorhob, dass ein heimischer Christbaum im Durchschnitt nur 40 km vom Wald zum Verkaufsstand zurücklegt, ein Baum aus Nordeuropa hingegen über 1000 km, was zulasten der Umwelt gehe. Franz Raith, der nicht nur Obmann der österreichischen, sondern auch der europäischen Christbaumproduzenten ist, schildert die Situation: "Die Arge NÖ Christbaum-und Schmuckreisigproduzenten, der größte bäuerliche Produzentenzusammenschluss Österreichs, ist branchenweiter Vorreiter in Sachen Qualitätsförderung . Die Arge wurde 1995 mit dem Ziel gegründet, Importbäume durch heimische Qualität zu ersetzen. 1995 wurden etwa 20 % der Weihnachtsbäume importiert, heute sind bereits fast 90 % aus heimischer Produktion. Von besonderer Bedeutung ist das Gütesiegel, das garantiert, dass der gekennzeichnete Baum nach ökologischen Kriterien von einem heimischen Bauern produziert wurde." Die Arge hat ein strenges Kontrollsystem. Bei Verstößen gegen die Qualitätsbestimmungen wird eine Pönale bis zu 10 000 Euro eingehoben, die einem karitativen Zweck zugutekommt. Vier Fünftel der in Österreich produzierten Christbäume werden auf als Christbaumkulturen gewidmeten landwirtschaftlichen Flächen gezogen, lediglich ein Fünftel kommt aus dem Wald. In Österreich gibt es etwa 1000 Christbaumbauern, die auf einer Fläche von 3300 ha Weihnachtsbäume aufziehen. Die Tendenz ist steigend wie die Statistik zeigt: 1990 umfasste die Produktionsfläche noch 930 ha, 2002 bei 2246 ha, die Christbaumfläche hat sich also in den zwei Jahrzehnten mehr als verdreifacht! 55,7 % der österreichischen Anbaufläche entfällt auf Niederösterreich, an zweiter Stelle liegt mit 16,9 % die Steiermark, gefolgt von Oberösterreich mit 10 %. Burgenland hält 7,2 %, Kärnten und Salzburg jeweils 3,4 %,Tirol 2,2 %,Vorarlberg 0,8 % und Wien 0,4 % der Christbaumkulturen. Die Christbaumbauern bewirtschaften im Schnitt vier Hektar Acker- oder Grünland mit Christbäumen. Die Felder sind durchschnittlich 0,7 Hektar groß. Auf dieser kleinen landwirtschaftlichen Flächenstruktur werden die Bäume nach ökologischen Grundsätzen produziert: Durch regelmäßiges händisches Beschneiden wachsen die Bäume gleichmäßig. Um Verunkrautung zu verhindern, die zu unregelmäßigen oder asymmetrischen Bäumen mit dürren Astreihen führt, verwenden die heimischen Christbaumbauern verstärkt kleine Mähmaschinen. Immer mehr Bauern setzen auch auf Schafe als ökologische Unkrautvernichter. Die englischen Shrop-Shire-Schafe weiden zwischen den Bäumen und halten so Gras und Unkraut kurz.
Franz Raith hat mit der Christbaumkultur in Rodingersdorf 1976 begonnen: Vor 25 Jahren hat er auf 25 ha Ackerland begonnen, mittlerweile erstrecken sich die Kulturen auf einer Fläche von rund acht Hektar und sind das Kerngeschäft des Betriebes, den Raith gemeinsam mit seiner Frau Maria führt. Der Verkauf von Christbäumen hat im Laufe der Jahre solche Ausmaße angenommen, dass sich der Hof heute stolz "Christbaumhof" nennen kann. Die Christbäume haben sich zu einem echten Standbein des Betriebes entwickelt, der neben den acht Hektar Christbäumen noch 30 ha Acker und 14 ha Wald umfasst. "Die Arbeit im Christbaumwald muss Freude bereiten und Freude bringen. Ich habe am Anfang 1500 Bäume gesetzt, die meisten sind rot geworden, ich habe mein Lehrgeld bezahlt. Man muss mähen und Formen schneiden, das ergibt pro Hektar 14 Arbeitstage, bei acht Hektar somit 112 Tage", erzählt Obmann Raith aus der täglichen Praxis. Dazukommen gewaltige Investitionen. So hat der Mäher allein 32 000 Euro gekostet. Auch einen eigenen "Triebregler" hat Raith entwickelt. Das ist nichts Anstößiges, sondern ein Werkzeug, das einzig und allein dazu dient, die Triebe der Bäume in die richtige Richtung zu lenken, wodurch die Formschönheit des Baumes gewährleistet wird. Die Kunden schätzen die Frische der Bäume von Franz Raith, die auf einem einfachen Geheimnis beruht: Gleich nach der Schlägerung drei Tage vor dem November-Vollmond stehen die Bäume in Wasserwannen bei 95 % Luftfeuchtigkeit, die der innovative Obmann in großen Lagerräumen extra angelegt hat. Und was kostet die Pracht? Obwohl es in Europa eine starke Unterversorgung mit Nordmanntannen gibt und Importbäume für Supermärkte wesentlich teurer werden, bleiben die Preise für Bäume aus Niederösterreich relativ stabil, versichert Obmann Raith: Fichten kosten zwischen vier und acht Euro pro Meter, Blaufichten siseben bis 14 und Tannen zehn bis 35 Euro pro Meter. Wobei es natürlich darauf ankommt, ob man seinen Baum vom Bauern direkt holt oder vom Stand im Schatten des Stephansdomes am Wiener Graben.
Prof. Mag. Gerd Rittenauer