Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) übt heftige Kritik an Peter Cornelius, Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen. Seine Aussagen zum Welthunger seien "zynisch und makaber".
Das für deutsche Milcherzeuger wichtigste Segment, der Käsemarkt, weist eine stabile Situation auf.
© Konstantin Fedorov
Cornelius hatte laut einem dpa-Bericht behauptet, die geplante Vorgabe der EU-Agrarpolitik zu einer umweltgerechten Nutzung von sieben Prozent der beihilfeberechtigten Ackerflächen führe zum Hungertod von vier Menschen in Übersee je "stillgelegtem Hektar" in Europa. Wenn Cornelius vor einer Verringerung der angelieferten Milchmenge und vor einem "Preisschub" warne, dann drücke sich darin vor allem die Sorge der Großmolkereien aus, eine verringerte Milchanlieferung der Milchbauern könnte zu einem Anstieg der Erzeugerpreise führen.
Die AbL bezeichnete es als abstrus, dass es immer noch Propagandisten
der Agrarindustrie mit der Behauptung gebe, man könne den Welthunger
durch das Anheizen der Überproduktion in Europa beseitigen. Ein
Hungernder, der arm sei, könne nicht dadurch satt werden, dass er die
Überschüsse aus der EU kaufe. Genau diese subventionierten
Dumping-Exporte zerstörten die Existenz vieler Bauern in den armen
Ländern. Der UN-Weltagrarbericht habe das sehr deutlich gemacht.
EU-Pläne falsch dargestellt
Cornelius dramatisiere unzulässigerweise die Pläne der EU, die weitere
Zahlung von Hektarprämien an die Bedingung zu knüpfen, dass die
Landwirte sieben Prozent ihrer beihilfefähigen Acker-Flächen als "im
Umweltinteresse genutzte Flächen" ausweisen. Es gehe dabei nicht nur
um "Stilllegung", wie Cornelius behaupte, sondern auch um extensiv
genutzte Blüh- und Randstreifen zum Schutz der Gewässer oder
gegebenenfalls auch um den Anbau von Eiweißfrüchten wie Kleegras oder
Futtererbsen. Letzteres könne sogar dazu beitragen, Gentech-Soja-Importe
durch heimisches Eiweiß zu ersetzen. Grünland-Flächen und die Flächen
von Biobauern seien von dieser EU-Regelung ohnehin nicht betroffen.
Auch Cornelius´ Behauptung, die umweltgerechte Nutzung dieser
Acker-Teilflächen bedrohe die Flächengrundlage von Milchbauern, sei
scheinheilig. Die Pachtflächen der Milchbauern seien vor allem dadurch
bedroht, dass viele Biogas-Erzeuger den Verpächtern horrende Pachtpreise
anbieten könnten. Es sei bezeichnend, dass Cornelius diese Tatsache in
seiner Presse-Äußerung nicht kritisiere. AbL-Sprecher Eckehard Niemann: "Solch schlimme
Parolen setzen die Akzeptanz der Landwirte und der dringend
erforderlichen EU-Flächenprämien aufs Spiel."