Donnerstag, 17.05.2012
Grüne Gentechnik sorgt für Diskussionen
Dresden/Brüssel - Sachsens Agrarminister Kupfer lehnt den Oppositionsantrag für einen völligen Verzicht auf Gentechnik ab. Auch die EU-Mitgliedstaaten sind sich weiter uneinig über den Einsatz der Technologie.
Kupfer: "Das hilft den Landwirten und verbessert die Möglichkeiten der Schwarzwildjagd"
© www.forsten.sachsen.de/smul/45.htm
"Die
Grüne Gentechnik pauschal abzulehnen, ist meiner Meinung nach der
falsche Weg", sagt Frank Kupfer (CDU). Er sei stattdessen für eine
verantwortungsbewusste Nutzung der Gentechnik, wobei dem Schutz von
Mensch und Umwelt Vorrang eingeräumt werde. "Ich widerspreche einer pauschalen Stigmatisierung dieser Technologie", so der Landwirtschaftsminister.
Die Staatsregierung lehne es aus mehreren Gründen ab, sich generell gegen die
Grüne Gentechnik auszusprechen: Diese Technologie könne bei der Optimierung und
Nutzung nachwachsender Rohstoffe einen wichtigen Beitrag leisten, ebenso bei der
Anpassung von Pflanzen an den Klimawandel, erklärt der Agrarminister. Nicht zu vergessen sei die Versorgung der
Weltbevölkerung, die 2050 neun Milliarden Menschen umfassen wird.
Vollständiges Verbot gefordert
Der Landwirtschaftsminister wandte sich damit gegen
einen entsprechenden Antrag der Linken, SPD und Grünen, die darin für ein Acht-Punkte-Programm gegen Gentechnik plädieren.
Für einen vollständigen Verzicht auf die Grüne Gentechnik gäbe es nach Kupfer weder
belastbare fachliche Gründe, noch seien die dazu vorgebrachten Vorschläge
hilfreich.
Die Parteien fordern in dem Antrag außerdem den Beitritt Sachsens in das europäische "Netzwerk gentechnikfreier Regionen". Frank Kupfer zeigt sich verärgert: "Dieser Punkt ist Unsinn." Der Beitritt hätte nur deklaratorischen Charakter ohne Rechtswirkung. Die Landwirte könnten immer noch selbst entscheiden,
welche Nutzpflanzen sie anbauen wollen.
"Ich habe fachliche und rechtliche Bedenken gegen den Antrag", sagt der Agrarminister. "Ich
setze auf Wahlfreiheit statt Bevormundung, auf Koexistenz statt Ausgrenzung, auf
Einzelfallbewertung statt auf generelle Verbote."
Kommissionsbericht zeigt sehr unterschiedliche Standpunkte auf
Ein Versuch der Annäherung zwischen den EU-Mitgliedstaaten im
umstrittenen Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) ist vorerst gescheitert. Die
EU-Länder haben ihre Erfahrungen über den GVO-Anbau sowie wirtschaftliche und soziale
Untersuchungen über die grüne Gentechnik an die Kommission weitergeleitet. Diese stellte das
Ergebnis am Freitag in Brüssel der Öffentlichkeit vor.
Die Befürworter unter den EU-Staaten sehen einen
wirtschaftlichen Nutzen von neuen GV-Sorten für die Landwirte. Die Gegner warnen vor den hohen
Kosten, die vor allem eine Trennung von GV-haltigen Agrarerzeugnissen und konventionellen
Produkten mit sich bringen.
pd/aiz
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