Duluth - Dank einem "starken Endspurt im vierten Quartal" konnte AGCO 2010 die kräftigen Umsatzeinbußen des Vorjahres zumindest teilweise wieder ausgleichen.
Wie aus der Jahrsbilanz 2010 des amerikanischen Landtechnikkonzerns hervorgeht, stieg der Umsatzerlös im Jahresvergleich um 5,8 Prozent auf rund 6,9 Milliarden US-Dollar (5,1 Milliarden Euro), wovon etwa 2,2 Milliarden US-Dollar (1,6 Milliarden Euro) allein im vierten Quartal 2010 erzielt worden seien, 18,7 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des vorangegangenen Jahres. Der ausgewiesene Gewinn je Aktie habe sich 2010 auf 2,29 US-Dollar (1,70 Euro) gegenüber 1,44 US-Dollar (1,00 Euro) ein Jahr zuvor erhöht.
AGCO-Vorstandschef Martin Richenhagen führte die positive Entwicklung der Unternehmenszahlen auf die ab Oktober 2010 verbesserte Auftragslage und Produktionssteigerungen in den nordamerikanischen und europäischen Werken zurück. "Damit konnten wir im vierten Quartal unseren Umsatzerlös nach Bereinigung um Währungseinüsse um mehr als 20 Prozent steigern und unsere operative Marge auf 6,6 Prozent verdoppeln", erläuterte Richenhagen. AGCO habe 2010 das Nettoumlaufvermögen streng kontrolliert und für das Gesamtjahr einen freien Cashow von mehr als 270 Millionen US-Dollar (200 Millionen Euro) erwirtschaftet.
Die erfolgreiche Bilanz ermögliche wichtige Investitionen in das Geschäft, unterstrich der Vorstandschef und verwies auf steigende Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie den Kauf der Firma Sparex Holdings im vergangenen Dezember. Anfang des laufenden Jahres werde der Konzern zwei bereits angekündigte Firmenakquisitionen durchführen. Für das Gesamtjahr 2011 erwartet AGCO einen Umsatzerlös im Bereich zwischen 7,6 Milliarden US-Dollar (5,6 Milliarden Euro) und 7,9 Milliarden US-Dollar (5,8 Milliarden Euro). Höhere Bruttomargen würden voraussichtlich durch höhere Kosten für neue Produkte und die Erschließung neuer Märkte teilweise aufgezehrt.
AGCO verzeichnete 2010 in den drei Kernregionen Europa, Afrika, Mittlerer Osten (EAME) sowie Nordamerika und Südamerika stark unterschiedliche Geschäftentwicklungen. Im wichtigsten Absatzgebiet EAME sank der Nettoumsatz gegenüber 2009 um 6,6 Prozent auf 3,36 Milliarden Euro (2,5 Milliarden Euro). Damit sei das Minus allerdings deutlich niedriger ausgefallen als 2009, als der Konzern eine Verringerung des Nettoumsatzes um 22,9 Prozent zu verkraften hatte.
Für 2010 meldete AGCO die größten Rückgänge aus Frankreich, Deutschland und Afrika. In Polen und Finnland stiegen dagegen die Umsätze. In Nordamerika entwickelten sich die Umsatzerlöse im vergangenen Jahr um 3,2 Prozent nach oben und erreichten insgesamt 1,5 Milliarden US-Dollar (1,1 Milliarden Euro). Höhere Margen dank neuer Produkte, ein günstiger Produktmix und Efzienzsteigerungen in den Fertigungsstätten seien teilweise durch gestiegene Entwicklungs- und Konstruktionskosten zunichte gemacht worden, betonte der Konzern.
Dank des Umsatzwachstums und besserer operativer Gewinnmargen in der zweiten Jahreshälfte 2010 habe die rückläuge Geschäftsentwicklung der ersten sechs Monate aber ausgeglichen werden können. So erhöhten sich die nordamerikanischen Umsatzerlöse im vierten Quartal 2010 um 48,6 Prozent. Für EAME und Südamerika ermittelte der Konzern Vergleichswerte von 19,5 Prozent und 2,6 Prozent. Die Umsatzerlöse im Gesamtjahr 2010 fielen für Südamerika mit einem Anstieg um 50,2 Prozent auf 1,8 Milliarden US-Dollar (1,3 Milliarden Euro) allerdings besonders kräftig aus. Als Gründe dafür nannte der Landtechnikhersteller das Umsatzwachstum und die Produktionssteigerungen sowie eine umfangreichere Produktpalette in Brasilien.
Wie AGCO zum Landmaschinenverkauf im Einzelnen berichtete, verzeichnete der nordamerikanische Traktorenmarkt für das Gesamtjahr 2010 einen leichten Anstieg gegenüber 2009. Dem kräftigen Zuwachs bei Großtraktoren habe ein leichter Rückgang bei Mittelklasse-Traktoren und Heugeräten gegenüber gestanden. Diese Segmente litten laut AGCO unter der anhaltenden Konjunkturschwäche in der Milch- und Viehwirtschaft. Am südamerikanischen Traktorenmarkt registrierte der Konzern 2010 ein kräftiges Plus gegenüber 2010. Gute Fundamentaldaten in der Landwirtschaft und günstige staatliche Finanzierungshilfen in Brasilien hätten die Nachfrage branchenweit beügelt, auch wenn diese in der zweiten Jahreshälfte wieder abgenommen habe.
Der Absatz an Traktoren in Westeuropa war 2010 laut AGCO für den gesamten Produktionszweig um etwa ein Zehntel niedriger als 2009, stabilisierte sich aber in der zweiten Jahreshälfte. Der zögerliche Konjunkturaufschwung, die gedrückte Stimmungslage in der Landwirtschaft und die geringe Nachfrage in der Milch- und Viehwirtschaft hätten zu der insgesamt rückläugen Entwicklung im vergangenen Jahr beigetragen.
Für 2011 prognostiziert AGCO eine unveränderte oder nur leicht ansteigende Nachfrage. Aufgrund höherer Erzeugerpreise für Getreide und Molkereiprodukte in Westeuropa sowie einer sich aufhellenden Stimmungslage in der dortigen Landwirtschaft sei ein "moderates Wachstum auf dem westeuropäischen Markt zu erwarten". In Nordamerika werde der branchenweite Absatz 2011 wohl auf dem hohen Niveau des Vorjahres verharren. Die Nachfrage in Brasilien dürfte aufgrund der Einschränkung staatlicher Finanzierungshilfen nicht mehr das Rekordniveau von 2010 erreichen. (Umrechnungskurs: 1 US-Dollar = 0,7398 Euro) (pd/AgE)