Berlin - Nach Analysen des DBV entwickelten sich im Jahr 2011 die Einkommen der Landwirte recht positiv, wurden aber durch Kostensteigerungen teilweise kompensiert.
Die höheren Preise für Agrarprodukte sicherten den deutschen Landwirten im Jahr 2011 durchschnittliche bis höhere Preise.
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Die Agrarmärkte entwickelten sich im Jahr 2011 bei vielen Produkten recht positiv und sicherten den deutschen Landwirten durchschnittliche bis höhere Preise.
Diese Preise führten jedoch nicht automatisch zu besseren Einnahmen, denn vielerorts war die Ernte bei Getreide und Raps unterdurchschnittlich. Die gestiegenen
Getreidepreise führten auch zu höheren Futterkosten bei den Tierhaltern. Eine deutlichere Verbesserung brachten die Märkte vor allem den Milchbauern, berichtet der Deutsche Bauernverband (DBV). Für 2012 hofft der Verband auf eine Wiederbelebung des Getreidehandels. Die Aussichten am Rindermarkt sind positiv, den Schweinemästern wird die Umstellung auf die Gruppenhaltung noch einiges abverlangen.
Milchmarkt dürfte heuer relativ stabil bleiben
Beim Rückblick auf das Jahr 2011 können die deutschen Milcherzeuger ein weitgehend positives Resümee ziehen. Die stabile Lage am Markt bewirkte eine Zunahme bei der Milchanlieferung auf rund 29,8 Millionen Tonnen. Für das Wirtschaftsjahr 2011/2012 ist eine Steigerung der Milchmenge möglich. Die Bauern konnten ein leichtes Plus bei den Erzeugerpreisen verbuchen. Der Jahrespreis liegt laut
DBV im Schnitt voraussichtlich bei rund 35 Cent je kg Milch. Parallel zu steigenden Erzeugerpreisen wächst auch der Kostenaufwand für die Milchproduktion. Für 2012 erwarten die DBV-Experten, dass der Aufwärtstrend bei der Erzeugung anhält und der Markt im In- und Ausland relativ stabil bleiben wird, auch wenn zu Beginn des Jahres mit einer leichten Delle der Auszahlungspreise gerechnet wird.
Schweineschlachtungen erreichten Rekordwert
Im Jahr 2011 dürften die Schweineschlachtungen in Deutschland mit voraussichtlich 59,3 Mio. Stück einen weiteren Rekordwert erreicht haben. Anders als in den Vorjahren wurden jedoch deutlich weniger schlachtreife Schweine nach Deutschland geliefert, dafür aber mehr Ferkel. Dieser Trend dürfte sich 2012 weiter fortsetzen. Der Durchschnittspreis für Schlachtschweine der Handelsklasse E wird für 2011 mit 1,53 Euro je kg Schlachtgewicht etwa 11 Cent über dem Vorjahr liegen. Die hohen Futterkosten sorgten jedoch dafür, dass trotz des guten Preisniveaus außerordentlich bescheidene Ergebnisse in der Schweinemast und katastrophale in der Ferkelerzeugung verzeichnet worden sind.
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Im Jahr 2012 brauchen die Schweinehalter dringend höhere Erzeugerpreise, damit die Anpassung an die gestiegenen Futterpreise nachhaltig gelingt", so der Bauernverband. Auf EU-Ebene sei ein deutlicher Rückgang der Sauenbestände zu verzeichnen. Halte diese Entwicklung an, so könnten die Betriebsaufgaben der Sauenhalter eine Größenordnung erreichen, die 2012 erheblichen Einfluss auf die gesamte EU-Schweineproduktion haben kann. Das heurige Jahr werde zudem geprägt von der Umstellung auf die Gruppenhaltung, die vielen Betrieben noch einiges an Investitionen abverlangen werde.
Rindermarkt: Preise entwickelten sich positiv
Bei Schlachtrindern haben sich 2011 die deutschen Erzeugerpreise gut entwickelt. Sie bewegten sich bei Jungstieren um mehr als 30 Cent und bei Schlachtkühen um mehr als 40 Cent über dem Vorjahr. Diese positive Tendenz übertrug sich zum Teil auch auf die Kälberpreise. Die Exportmöglichkeiten in die Türkei trugen zur festen Marktlage bei. Sogar die Weltmarktpreise von Rindfleisch nähern sich inzwischen den EU-Preisen an. Auf den Anstieg der Endverbraucherpreise bei Rindfleisch von rund 10% reagierten die Verbraucher mit einer moderaten Kaufzurückhaltung. Der Preiseinbruch zum Jahresende 2011 deutet aber laut
DBV darauf hin, dass jetzt eine gewisse Akzeptanzgrenze erreicht ist. Für 2012 sind die Aussichten dennoch positiv.
Geflügel-Produktion soll vermehrt im Export abgesetzt werden
Erstmals seit 2006 wird von den Marktexperten auf dem deutschen Geflügelmarkt kein weiterer Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs gesehen. Bei den Puten ist sowohl in der BRD wie auch in der EU ein leichter Rückgang zu verzeichnen. In Deutschland stieg der Verbrauch von Hühnerfleisch leicht an, allerdings deutlich schwächer als in den Vorjahren. In der EU beschleunigt sich der Verbrauch dagegen wieder. Analog zu diesen Zahlen wird auch die Entwicklung der Erzeugung bei Hühnern und Puten für Deutschland gesehen. Da der Selbstversorgungsgrad für Geflügelfleisch mittlerweile 104% erreicht hat, wird sich der Sektor im neuen Jahr verstärkt auf den Export konzentrieren müssen.
Eiermarkt: Käfigverbot führte zu geringerem Selbstversorgungsgrad
Durch das vorzeitige Verbot der Käfighaltung ist der Selbstversorgungsgrad 2010 in Deutschland bei Eiern auf knapp 55% zurückgegangen. Da das Käfigverbot ab 2012 auch in der übrigen EU gilt und viele Erzeuger in anderen Ländern noch nicht umgestellt haben, richtet sich die Hoffnung der deutschen Produzenten auf einen besseren Markt. Entscheidend hierfür aber ist, dass das Käfighaltungsverbot auch in den anderen EU-Mitgliedstaaten konsequent umgesetzt wird. Die Einstallungsstatistiken aus mehreren EU-Staaten weisen bereits auf deutliche Rückgänge hin.
Getreide- und Ölsaatenmarkt: Erzeuger hoffen auf Wiederbelebung des Handels
2011 war für die deutschen Ackerbaubetriebe witterungsmäßig erneut ein schwieriges Jahr. In Summe konnten 41,4 Millionen Tonnen Getreide geerntet werden, womit der mehrjährige Durchschnitt um mehr als 9 % unterschritten wurde. Auch die Ernte von Winterraps verzeichnete im abgelaufenen Jahr massive Einbrüche, auf einer geringeren Anbaufläche wurden nur etwa 3,86 Millionen Tonnen geerntet. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Minus von 32 %. Mit Blick auf das Jahr 2012 hoffen die Erzeuger auf eine Wiederbelebung des Handels, zumal laut
DBV nicht von einer ausreichenden Rohstoffdeckung der Mühlen bis zur Ernte 2012 ausgegangen werden kann. Langfristig könnte ein Aufwärtstrend der Notierungen auch aufgrund der weltweit steigenden Nachfrage erhalten bleiben.
Kartoffeln: Entwicklung der Erzeugerpreise nicht zufriedenstellend
Für die Kartoffelanbauer war 2011 ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Den guten Pflanzbedingungen im Frühjahr folgten Trockenheit im Frühsommer und Nässe während der Ernte. Mit einer Gesamtmenge von 11,9 Mio. t liegt die Erntemenge um 18% höher als im Vorjahr. Durch den geringen Knollenansatz brachten die gerodeten Kartoffeln insgesamt große Kaliber hervor, deren Absatz nicht ganz reibungslos verläuft. Im Bereich der Vermarktung begann der Absatz der Frühkartoffeln sehr spät, da Ware aus Südeuropa lange vom Lebensmitteleinzelhandel bevorzugt angeboten wurde. Die Entwicklung der Erzeugerpreise im Verlauf des Jahres verlief für die Anbauer nicht zufriedenstellend. Für 2012 ist von einer verhaltenen Anbauplanung auszugehen.
EHEC-Krise traf Obst- und Gemüsebauern hart
Mitte 2011 traf die EHEC-Krise die Gemüsebauern so hart wie zuletzt die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Bis zum Jahresende hatten sich die Märkte von dem Schock nicht wirklich erholt. Inzwischen stehen zumindest die Zeichen bei Lagergemüse wie Kohl, Karotten, Sellerie, Weiß- und Rotkohl recht freundlich. Durch die Witterung konnten vergleichsweise gute Ernten eingefahren werden und die Abverkäufe erfolgten mit durchschnittlichen Preisen. Lediglich bei Zwiebeln können die Preiserwartungen wegen der großen Erntemengen nicht befriedigen. Auch bei Lagerkarotten könnte sich zum Ende der Saison noch ein Überhang ergeben.
Bei Äpfeln ist die Vermarktungssaison zögerlich angelaufen, die Preise sind leicht niedriger als im Vorjahr. Für das neue Jahr wird bei Kernobst ein stärkerer Abverkauf erforderlich sein, wobei die Preiserwartungen leicht optimistisch eingeschätzt werden können. Gegenüber dem Vorjahr lagern zwar rund 20% mehr Äpfel in den Lagern, gegenüber 2007 und 2008 bedeutet das allerdings immer noch eine geringere Menge.
Biomarkt mit 10 % Umsatzplus
2011 war für den deutschen Öko- und Biomarkt wieder ein Boomjahr mit fast 10 % Umsatzzuwachs, nach zwei Jahren mit sehr geringem Wachstum. Damit wächst der Bio-Markt in einem ansonsten stagnierenden Lebensmittelmarkt weiter. Langfristig haben Bio-Landwirte aus der BRD jedoch Marktanteile verloren. Während sich der deutsche Markt von etwa 2 Milliarden Euro Umsatz auf über 6 Milliarden verdreifachte, hat sich die Anbaufläche nur verdoppelt. Eher schleppend verläuft die Umstellung auf biologische Wirtschaftsweise insbesondere bei guten Ackerstandorten. Da die Preisabstände von Bio zu konventioneller Rohware, außer bei Milch und Rindfleisch, seit 2011 wieder zunehmen, geht der
DBV für 2012 wieder von einer zunehmenden Umstellung auf Bio aus. Dafür müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. In einigen Bundesländern wird derzeit keine Prämie für neu umstellende Landwirte gewährt.