Donnerstag, 17.05.2012
Bundespräsident Wulff fordert "angemessene" Agrarpreise
Berlin - Bei der Überreichung der Erntekrone 2011 in Berlin forderte Bundespräsident Christian Wulff angemessene Preise für landwirtschaftliche Produkte.
Der Präsident des DBV, Gerd Sonnleitner, überreicht Bundespräsident Christian Wulff die Erntekrone 2011.
© dbv
Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, die Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes (DLV), Brigitte Scherb und die Vorsitzenden des Bundes der Landjugend (BDL), Katrin Biebighäuser und Matthias Daun überreichten Bundespräsident Christian Wulff am Dienstag die Erntekrone 2011. Die feierliche Übergabe fand in der Friedrichstadtkirche am
Gendarmenmarkt in Berlin im Beisein von 300 Gästen statt, darunter
Bundestagsabgeordnete, Landesminister, Landesbauernpräsidenten sowie
Persönlichkeiten der Kirchen und der Agrar- und Ernährungswirtschaft.
Herausforderungen mit Innovationen und Investitionen lösen
Wulff lobte nach DBV-Angaben "den Fleiß, die Akribie und Einsatzbereitschaft der deutschen Landwirte ". Bei seinen Auslandsreisen mache er immer wieder auf Innovationen der deutschen Landwirtschaft aufmerksam, die sich zu einer der fortschrittlichsten der Welt entwickelt habe, so der Bundespräsident. Wulff betonte, weltweit könnten nur über Innovationen und Investitionen die großen Herausforderungen gelöst werden, wie die Weltbevölkerung zu ernähren, das Klima und den Boden zu schützen und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern. Zukünftig müsste in der Landwirtschaft also aus weniger mehr gemacht
werden, auch vor dem Hintergrund, dass weltweit heute schon ein Drittel
des fruchtbaren Bodens durch Dürren, Wind oder Starkregen verloren
gegangen sei.
Nahrungsmittel werden keine Inflationstreiber
DBV-Präsident
Sonnleitner bilanzierte das äußerst schwierige Erntejahr. "Die deutschen Bauern haben eine bescheidene Getreide- und
Rapsernte im Vergleich zu den Vorjahren eingefahren, aber Mais, Zuckerrüben, Äpfel und Wein lassen auf eine hervorragende Ernte hoffen." Auch wenn einige Preise gestiegen seien, könne die Bevölkerung sicher sein, dass Nahrungsmittel nicht zum Inflationstreiber werden. Angesichts des Welttierschutztages, der ebenfalls auf den 4. Oktober datiert ist, sagte Sonnleitner: "Wir können und wir wollen beim Tierschutz und beim Umweltschutz noch besser werden. Wir müssen – wie es gute bäuerliche Tradition ist – in Generationen denken sowie Verantwortung für Mitgeschöpfe und unsere Umwelt übernehmen. Wir brauchen aber die gesellschaftliche Akzeptanz und Verankerung genauso wie den wirtschaftlichen Erfolg in unseren Betrieben."
Landwirtschaft braucht politisch höheren Stellenwert
Anlässlich des Erntedankfestes müssten auch die Bauernfamilien im Hinblick auf die Hungerproblematik in der Welt innehalten, stellte
Sonnleitner heraus. Hunger und Armut gebe es immer dann, wenn Menschen auf dem Land und in der Landwirtschaft vernachlässigt und unterdrückt würden. Vor allem die Bauernfamilien seien weltweit vom Hunger betroffen, das müsse jedermann nachdenklich machen. Fortschritt in den Entwicklungsländern gebe es nur, wenn Landwirtschaft politisch einen höheren Stellenwert bekäme, der Ausbau der ländlichen Infrastruktur höchste Priorität erhalte und rechtsstaatliche Prinzipien eingehalten würden.
Wertschätzung der Nahrungsmittel gefordert
Brigitte Scherb, Präsidentin des dlv, stellte in der Feierstunde heraus,
dass das traditionelle Binden der Erntekrone ein Zeichen des Dankes für
die eingebrachte Ernte sei. "Verbunden mit dem Dank, wird uns der Wert
der Feldfrüchte bewusst, die diese für die Sicherung unserer Ernährung
haben. Die gleiche Wertschätzung sollte auch der Leistung der Bäuerinnen
und Bauern sowie den verarbeitenden Betrieben entgegen gebracht werden,
die hochwertige Nahrungsmittel produzieren", sagte Scherb. Die Mengen
an einwandfreien Lebensmitteln, die im Müll landen würden, zeigten aber
auf, wie weit wir uns von dieser Wertschätzung unserer Nahrung entfernt
hätten. "Die Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen", nahm Scherb die
Verbraucher in die Pflicht.
aiz/dbv
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