Hannover - Was können Russland und die Ukraine zur Sicherung der Ernährung aus landtechnischer Sicht beitragen? Darum ging es in der Arbeitsgruppe "Agrarwirtschaft" auf der Agritechnica.
Die Osteuropakonferenz stieß auf reges Besucherinteresse.
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Die politische Wende 1989/90 und die spätere Osterweiterung der EU lösten in der Landwirtschaft zunächst große Skepsis wegen der dort schlummernden Produktionsreserven aus. Der Ost-Wettbewerb bleibt aufrecht, doch wird er vor dem Hintergrund der rasant wachsenden Weltbevölkerung heute anders gesehen. Die Arbeitsgruppe "Agrarwirtschaft " im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft unter Vorsitz von Franz-Georg von Busse befasste sich im Rahmen der
Agritechnica mit dem möglichen Beitrag Russlands und der Ukraine zur Sicherung der Ernährung aus landtechnischer Sicht.
Moderne, leistungsstarke Landtechnik wird insbesondere in Russland und
der Ukraine als Aus- und Nachrüstung einerseits benötigt, anderseits
wird von der westlichen Agrartechnik-Industrie, vornehmlich der
deutschen, die Lieferung dieser Maschinen intensiv angestrebt.
Erstmals
seit 2008 nimmt Russland im deutschen Landtechnik-Export heuer mit fast 600 Millionen Euro wieder die zweite Position hinter Frankreich ein.
Deutschland exportiert rund 70 Prozent seiner Landtechnik-Erzeugung.
Staat an Know-how interessiert
Russland ist jedoch keine glatte Autobahn für Westimporte an Agrar- und
Technikprodukten. Das Land verfügt bereits über sehr gut ausgebildetes
Personal, und der Staat ist diesbezüglich vorrangig an weiterem Know-how
interessiert. Zum Beispiel betreibt das Saatzucht-Unternehmen KWS dort
eine Versuchsstation und der Mähdrescher-Hersteller
Claas ein
praxisorientiertes Ausbildungszentrum. Auch ein Praktikantenaustausch
funktioniert schon seit 20 Jahren.
Trotzdem hängt vor allem über der
deutschen Landmaschinenindustrie das Damoklesschwert in Form von
diversen Hemmnissen, insbesondere von wirtschaftspolitischen und
rechtlichen Rahmenbedingungen sowie von Importzöllen, die nur mit
aufwendigen Produktionsanlagen vor Ort gemeistert werden können. So
produziert etwa
JohnDeere in Domodedovo, Eurotechnica in Samara und
Claas in Krasnodar.
Zwischen 2005 und 2010 wurden geschätzte 100 bis 200 Millionen Euro von
deutschen Firmen in Russland und 50 bis 70 Millionen Euro in der Ukraine
investiert.
Großes Wachstumsfeld
Die Unternehmen lassen sich durch Probleme nicht entmutigen,
denn der Markt ist groß: Die russische Landmaschinenbranche setzte 2010
umgerechnet rund drei Milliarden Euro um und davon fiel noch die Hälfte auf
Importe. Russland und die Ukraine zählen zu den global führenden
Getreideproduzenten; Experten schätzen die mögliche Steigerung der
Erzeugung im nächsten Jahrzehnt auf mehr als ein Drittel. Das Potenzial
Russlands und der Ukraine bei der Herstellung von ausreichenden,
hochwertigen und wettbewerbsfähigen Nahrungsmitteln zur Versorgung der
eigenen Bevölkerung, aber auch die Förderung der eigenen Produktion für
die Exportmärkte eröffnet laut Experten ein großes Wachstumsfeld für die
Akteure des Agribusiness.