Donnerstag, 17.05.2012
Bio
| 01.02.2012
Kreativität im Einklang mit der Natur
Berlin – Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner zeichnete im Rahmen der Grünen Woche, drei ökologisch wirtschaftende Betriebe mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau aus.
Feierliche Preisverleihung des Förderpreises ökologischer Landbau 2012: Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Mitte) mit einem der diesjährigen Preisträger, der Gärtnerei Obergrashof und dessen Belegschaft.
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Kreativität und innovative Konzepte kennzeichnen nach den Worten von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse
Aigner die diesjährigen Preisträger vom Förderpreis Ökologischer Landbau. „Mit dieser Auszeichnung möchten wir den Ideenreichtum honorieren, mit dem die Betriebe im Einklang mit den natürlichen Ressourcen tragfähige unternehmerische Konzepte entwickelt und umgesetzt haben“, erklärte die Ministerin bei der Preisverleihung im Rahmen der Internationalen Grünen Woche am vergangenen Freitag in Berlin.
Die Betriebe aus Bayern und Schleswig-Holstein hätten das Wirtschaften in Kreisläufen und eine nachhaltig ökologische Erzeugung besonders überzeugend umgesetzt. Ausgezeichnet wurden die Demeter-Gärtnerei Obergrashof in Bayern für ihre innovative gesamtbetriebliche Konzeption, der ebenfalls in Bayern ansässige Biokreis-Betrieb Gut Herrmannsdorf für die erfolgreiche Vermarktung eines ungewöhnlichen Projekts in der ökologischen Hühnerhaltung sowie der Bioland-Betrieb „De Fischer ut Grambek“ in Schleswig Holstein für seine besonders artgerechte Haltung, Zucht und Fütterung von Fischen. Der Förderpreis wird seit 2001 an Betriebe vergeben, die erfolgreich ökologisch wirtschaften und mit innovativen Konzepten überzeugen. Die diesjährigen Siegerbetriebe erhalten ein Preisgeld in gleicher Höhe von jeweils 7.500 Euro.
Vielfalt, Nachhaltigkeit und geschlossene Kreisläufe
Die Gärtnerei Obergrashof baut auf 55 Hektar Gemüse an. Die Betriebsleiter legen der Jury zufolge größten Wert auf Vielfalt, Nachhaltigkeit und geschlossene Kreisläufe. Das spiegele sich nicht zuletzt darin wider, dass sie mehr als 100 Sorten Feld- und Feingemüse anbauen. Um diese Vielfalt dauerhaft zu sichern, setze die Gärtnerei seit Jahren auf eigene Saatgutvermehrung und eigene Züchtungsarbeit zum Beispiel von Blumenkohl und Kohlrabi. Um die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten, habe der Obergrashof eine Rinder- und Schafherde mit über 100 Tieren aufgebaut. Durch eine sorgfältige Kompostierung des anfallenden Mists habe der Zukauf von Stickstoff auf 10 Kilogramm pro Hektar begrenzt werden können. Um das gesammelte Wissen weiterzugeben, bilde der Betrieb jedes Jahr fünf bis sechs Lehrlinge aus. Außerdem biete er regelmäßig Hofführungen und Seminare an.
Idee eines Landhuhn-Darlehens
Das Gut Herrmannsdorf setzt nach Angaben der Jury ganz bewusst auf eine Kreuzung der Rassen Les Bleues und der Sulmtaler, die als Zwei-Nutzungshühner weniger Eier produzieren. Dafür verzichte er auf wirtschaftlichere, hochspezialisierte Hybridrassen mit hohen Lege- oder Mastleistungen. Um dieses Projekt finanzieren zu können, hätten die Betriebsleiter die Idee eines Landhuhn-Darlehens entwickelt: Danach gewähren Verbraucher dem Betrieb ein Darlehen in Höhe von 300 Euro und erhalten dafür zehn Jahre lang Warengutscheine im Gesamtwert von 400 Euro. Diese Gutscheine können sie im Hofladen des Guts oder Geschäften in der Umgebung einlösen. Der Betrieb habe so in kürzester Zeit den Aufbau seines nachhaltig tierfreundlichen Haltungssystems unter finanzieller Beteiligung und Integration eines festen Kundenstammes finanziert. Auf der Internetseite des Betriebs könnten sich die Darlehensgeber regelmäßig über Entwicklungen rund um die neue Hühnerhaltung informieren und sich in einem Blog mit Fragen und Meinungen einbringen.
Ökologische Teichwirtschaft
In 44 naturnah gestalteten Teichen vom Betrieb „De Fischer ut Grambek“ wachsen laut Jury vorwiegend Karpfen, aber auch Schleien, Hechte und Welse heran. Dabei würden nur so viele Tiere in den Teichen gehalten, dass rund 80 Prozent des Nahrungsbedarfs aus dem natürlichen Angebot der Teiche gedeckt werden kann. In den Teichen lebten auch Enten wie die bedrohte Rasse der Orpingtonente, die zu einem möglichst hohen Anteil an Fischnährtieren beitragen. Als Ergänzung zum natürlichen Nahrungsangebot verfüttere der Betrieb im Rahmen einer wissenschaftlichen Versuchsreihe mit Erfolg Reinigungsreste von Getreide eines benachbarten Bio-Hofes. Diese Reste enthielten neben Bruch und Schmachtkörnern auch wertvolle Wildkräuterbestandteile und Insekten. Als Demonstrationsbetrieb im „Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft“ (BÖLN) vermittele „De Fischer ut Grambek“ seine Erfahrungen im Bereich der ökologischen Teichwirtschaft und nachhaltiger Fütterungsmethoden über Vorträge, Teichführungen und eine rege Mitarbeit in Verbänden.
Grüne Woche: Landwirtschaft zum Anfassen
AgE
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