Samstag, 11.02.2012
Aigner will keine Täuschung mit «Klebefleisch»
Berlin (dpa) - Bundesverbraucherministerin Ilse
Aigner (CSU) hat die Lebensmittelindustrie vor einer Täuschung mit sogenanntem Klebe- Schinken gewarnt. Mehrere Hersteller stehen im Verdacht, einfach mehrere Schinkenteile zusammenkleben, ohne dies zu kennzeichnen.
«Alle Lebensmittel in Deutschland müssen so gekennzeichnet sein, dass eine Irreführung der Verbraucher ausgeschlossen ist», sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch. Wenn Fleischstücke mit bestimmten Techniken zu größeren Stücken zusammengefügt würden, müssten Verbraucher darüber auch informiert werden. «Der aktuelle Vorgang bestätigt uns in der Haltung, dass der immer schärfer geführte Preiskampf insbesondere zwischen den großen Discountern langfristig zulasten der Qualität von Lebensmitteln zu gehen droht.»
Das NDR-Magazin Markt und die ARD-Sendung Plusminus hatten berichtet, dass mehrere Hersteller in Deutschland Schinkenteile mit Hilfe von Enzymen wie Transglutaminase zu einem größeren Stück zusammenkleben. Das Produkt sei aber nicht als Formschinken gekennzeichnet, sondern zum Beispiel als Nuss- oder Lachsschinken.
Der Hersteller Gutfried hatte am Dienstag erklärt, dass sein Schinken frei vom Enzym Transglutaminase und einwandfrei deklariert sei. Der NDR berichtete allerdings, das Enzym werde erst seit April nicht mehr eingesetzt.
Aigner hält eine Rechtsverschärfung nicht für notwendig. Das Ministerium wies darauf hin, bei vorsätzlichem Verstoß gegen die Vorschrift im Lebensmittelgesetzbuch drohten eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Eine Gesundheitsgefahr besteht bei dieser Täuschung nicht.
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