Ein überraschendes Ergebnis war der niedrige Importanteil von
Getreide mit 15 Prozent. Beim Weizen allerdings kamen 21 Prozent der
Partien aus dem Ausland. Der Anteil variiert je nach Menge und Qualität
der deutschen Ernte, jedoch besteht in Rumänien, Russland und der
Slowakei noch deutliches Steigerungspotenzial. Unerwartet hoch fiel mit
24 Prozent der Importanteil von Leguminosen, vor allem Futtererbsen,
aus. Die Importe werden eine noch größere Rolle spielen, wenn die
hundertprozentige Bio-Fütterung bei Bio-Schweinen und Bio-Geflügel
Gesetz sein wird. Hierbei spielen auch die Ölsaaten mit den Sojabohnen
hinein, die mit durchschnittlich 76 Prozent den größten Importanteil
aller untersuchten Produkte aufweisen. Der Anbau in Deutschland ist zwar
machbar, aber nicht ganz einfach, so dass hier noch deutliches
Ausbaupotenzial besteht.
Möhren: 48 Prozent Importware
Beim Gemüse sind Möhren das mit Abstand absatzstärkste Produkt; sie
werden auf 14 Prozent der deutschen Möhrenfläche angebaut. Da die
einzelnen Betriebe ihre Anbauflächen nicht mehr vergrößern können,
importiert Deutschland 48 Prozent der Möhren. Für eine höhere Produktion
in Deutschland müssten zusätzliche Betriebe Flächen hinzunehmen.
Die
sehr hohen Importraten von Fruchtgemüsen wie Tomaten (80 Prozent) und
Paprika (90 Prozent) sind der ganzjährigen Nachfrage von Produkten, die
in Deutschland nicht immer wachsen, geschuldet. Bei Unterglasgemüse ist
jedoch die Nachfrage nach regionaler Ware groß, so dass
Anbauausweitungen möglich sind.
Absatzstärkste Produkte: Äpfel und Bananen
Bio-Äpfel und Bio-Bananen sind die absatzstärksten Produkte beim
Bio-Obst. Bio-Bananen weisen natürlicherweise eine Importrate von 100
Prozent auf, bei den Bio-Äpfeln sind es immerhin noch 50 Prozent im
Wirtschaftsjahr 2009/10. Da genau in diesem Zeitraum die Bio-Apfelfläche
ausgeweitet wurde und nun mit 3.000 Hektar etwas mehr als neun Prozent der
gesamten Apfelfläche Deutschlands beträgt, ist bei entsprechenden
Witterungsbedingungen mit einer Zunahme der deutschen Produktion und
geringerem Importanteil zu rechnen.
32 Prozent der Trinkmilch importiert
Deutschland importiert 32 Prozent der Trinkmilch und 26 Prozent der
Butter vor allem aus Dänemark und Österreich. Käse dürfte einen ähnlich
hohen Importanteil haben. Andere Produkte wie Joghurt und Sahne dagegen
kommen nahezu 100 prozentig aus Deutschland. In Milchmengen umgerechnet
sind das, ohne die Käseimporte zu berücksichtigen, 16 Prozent der Milch.
Die wichtigsten Lieferländer
Die wichtigsten Lieferländer für Deutschland sind für Getreide Italien,
Russland, Kasachstan, Rumänien und die Slowakei. Bei Proteinpflanzen,
also Futtererbsen, Ackerbohnen, Lupinen, spielt Litauen mit Abstand die
größte Rolle. Für die Ölsaaten einschließlich Sojabohnen sind Rumänien
und Italien die wichtigsten Lieferländer, wobei bei Sojabohnen
außereuropäische Länder wie Kasachstan, Argentinien, Indien und
Brasilien eine zunehmende Rolle spielen. Die Bio-Kartoffelimporte kommen
vor allem aus Israel, Ägypten und Österreich. Die Niederlande sind
bedeutendster Lieferant von Möhren, Zwiebeln und Eiern. Aus Spanien und
Italien kommen vor allem Fruchtgemüse. Israel liefert neben Kartoffeln
und Möhren größere Mengen Paprika und Tomaten. Aus Italien kommt
außerdem ein gutes Drittel der in Deutschland verkauften Äpfel. Die
Bananen stammen vor allem aus der Dominikanischen Republik, Ecuador und
Costa Rica.
Fazit
In vielen genannten Ländern werden weiterhin Bio-Flächen umgestellt und
so können weitere Produkte für den internationalen Markt produziert
werden. Schon beim jetzigen Verbrauch ist Deutschland auf diese Importe
angewiesen, und das insbesondere bei Produkten, die hier schwer oder nur
zu einer bestimmten Saison zu produzieren sind. "Bei vielen tierischen
Produkten wie Eiern, Milch und Schweinefleisch übersteigt der Verbrauch
die deutsche Produktion und bei ausreichender und günstiger
Futterversorgung bestehen für deutsche Produzenten gute
Absatzmöglichkeiten", sagte die AMI-Projektleiterin Diana Schaack. "Denn
wenn wir den Verbrauchstrend aus den ersten drei Quartalen 2011
zugrunde legen, wird der deutsche Bio-Markt auch in den kommenden Jahren
noch deutliche Wachstumsraten verzeichnen."
Weitere Ergebnisse dieses Projektes, das im Rahmen des Bundesprogrammes
Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft
gefördert wurde, finden Sie hier ...