Pflanzenschutz Kommentar: Rote Karte für die Kartoffelanbauer

Erschienen in der Land&Forst

von , am

In den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim ist der Weiße Kartoffelzystennematode aus dem Ruder gelaufen. Dazu LAND & Forst-Redakteur Werner Raupert.

Bild auf Agrarheute.com © Philipp von Ditfurth Bild vergrößern
LAND & Forst-Redakteur Werner Raupert

Das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat in den beiden Hochburgen des Stärkekartoffelanbaus mit dem Vollzug des Pflanzenschutzgesetzes und der Verkündung der Allgemeinverfügung die Notbremse gezogen. Jahrelang haben trotz eindringlichster Warnungen der Offizialberatung viele Bauern die für sie bedrohliche Situation völlig missachtet. Jetzt erhalten sie dafür die Quittung.

Breite Masse der Kartoffelanbauer reagierte nicht

Durch das Nichtstun vieler Betriebsleiter hat sich der Weiße Kartoffelzystennematode nicht nur vermehrt. Viel gravierender ist, dass sich durch die viel zu engen Fruchtfolgen, den Anbau von Sorten ohne oder falsche Resistenz und die Ignoranz, eigene Flächen auf Nematodenbesatz untersuchen zu lassen, die Situation weiter verschärft hat: Es ist zu einer Verschiebung des Pathotyps von Pa2 zu Pa3 gekommen. Nur Sorten mit höchster Resistenzleistung hätten auf betroffenen Flächen angebaut werden dürfen. Das haben aber nur wenige Bauern umgesetzt. Die breite Masse hat nicht reagiert.

Weißer Kartoffelzystennematode spezialisierte sich weiter

Mit guter fachlicher Praxis hat das nichts zu tun. Jetzt müssen alle die Konsequenzen tragen, denn der Schaderreger hat sich weiter spezialisiert und einen völlig neuen Virulenztyp gebildet. Da helfen noch nicht einmal resistente Sorten, denn es gibt sie nicht. Auf 18 Flächen ist der neue Typ bereits im Emsland nachgewiesen worden. Dort ist der Kartoffelanbau vorerst verboten.

Osmers: Situation war vermeidbar

Dr. Karsten Osmers von der LWK-Bezirksstelle Emsland ist jetzt der Kragen geplatzt. Er wirft nicht nur den Kartoffelanbauern vor, das Problem nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. Auch die vor Ort tätige Erzeugergemeinschaft Industriekartoffeln und das Unternehmen Emslandstärke tragen seiner Einschätzung nach durch ihre Untätigkeit eine Mitschuld.

Rund 1.500 ha müssten eigentlich noch auf Nematodenbesatz untersucht werden, wenn dort 2017 Pflanzkartoffeln zum Zwecke des eigenen Nachbaus erzeugt werden sollen. Das wird nicht mehr zu schaffen sein. Die Situation, und das ist das Fatale, war vermeidbar. 40 % der Flächen in den beiden Landkreisen sind laut Osmers noch befallsfrei. Auch in angrenzenden Kreisen stehen unbelastete Flächen zur Verfügung. Die Suche nach Ersatzflächen hat aber bisher noch nicht eingesetzt.

Eine Mitschuld tragen auch die Verpächter. Sie profitieren zwar von hohen Pachtpreisen für die Kartoffelersatzflächen. Wegen möglicher finanzieller Einschnitte haben aber auch sie nicht auf die dringend notwendigen Flächenuntersuchungen gedrängt.


Aktuelle Technik im Kartoffelanbau
  • Die neue Bunkermaschine AR-4BX von Ploeger. Neu ist der Elevator, der um 90 Grad gedreht wurde und dadurch auf 1,2 m verbreitert werden konnte. Der Bunker fasst jetzt 14 t, der neue 450-PS-Motor von Scania erfüllt mit AdBlue die Abgasrichtlinie Tier 4 interim. Mit einer Breite von 3,5 m braucht die AR-4BX in Deutschland allerdings eine Sondergenehmigung.
  • SC und TIM heißen die neuen Features bei Grimme. Section Control gibt es u.a. in den Legemaschinen GB 430 und GL 860 Compacta. Das Tractor Implement Management findet man im Erntegerät SE 260 und der Legemaschine GL 420 Exacta. Die GB 430 gibt es seit kurzem mit einer neuen Achse für größere Wendigkeit. Eine neue Schwanenhalsanhängung über der Fräse ist noch im Versuchsstadium.
  • Der belgische Hersteller AVR ist Fullliner in der Kartoffeltechnik und produziert rund 200 Erntemaschinen im Jahr. Hier das neueste Modell aus der Spirit-Baureihe: der zweireihige Seitenbunkerroder 9200. Vergrößert wurden neben der Igelfläche auch der Verlesetisch (90 cm) und der Bunker (rund 8 t).
  • Im März 2014 stellte Dewulf den neuen zweireihigen Selbstfahrer RA3060 vor – der Erste, der mit seinem 350-PS-Motor von Scania und AdBlue die Abgasrichtlinie Tier 4 final erfüllt.
  • Andreas Heiß hat seinen All-In-One-Profi selbst entwickelt, um die Frühjahrsbestellung in einem Übergang zu erledigen: Die Kartoffeln werden ohne vorherige Bodenbearbeitung in das Feld gelegt. Das Dammfräsen erübrigt sich. Ein Miedema-Aufkleber auf Heiß' Maschinen zeigt inzwischen die Zugehörigkeit.
  • Der niederländische Hersteller Miedema wird von Dewulf übernommen. Hier zu sehen. die Riemenbett- Pflanzmaschine Structural MS 4000, kombiniert mit der Düngeeinheit FertiFlow, sowie die Dammbaumaschine CP42P, bei der Sensoren die Festigkeit der Dämme regeln.
  • Keiler 2 von ROPA: Der zweireihige, gezogene Kartoffelroder mit 7,5-t-Bunker wird vollhydraulisch angetrieben und ist ISOBUS-fähig. Über ein Touchdisplay können die drei Ableitwalzen, alle vier umlaufenden Fingerkämme und die vier Igelbänder in der Geschwindigkeit angepasst werden.
Landlive Kommentare