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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Geflügel » Antibiotika-Reaktionen ]
Montag, 21.05.2012
Geflügel | 16.11.2011 Redaktion agrarheute.com

Strengere Kontrollen gegen hohen Antibiotika-Einsatz gefordert

Düsseldorf/Berlin - Die Studie über den hohen Antibiotika-Einsatz in der heimischen Geflügelhaltung schlägt hohe Wellen. Vertreter der verschiedensten politischen Parteien fordern strengere Kontrollen.
Die Zahl der Küken für die Mast blieb relativ konstant.© Mühlhausen/landpixel
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Die Zahl der Küken für die Mast blieb relativ konstant.
© Mühlhausen/landpixel
Antibiotika ist in der Hähnchenzucht laut der von Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Grüne) am Dienstag vorgelegten Studie zufolge die Regel. Bei einer Untersuchung fast aller Hähnchenmastbestände in NRW entdeckten Gutachter, dass mehr als 96 Prozent der Tiere mit Antibiotika behandelt worden waren. Ein Zustand, den Remmel nicht hinnehmen möchte. Falls Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) nicht zügig handle, werde NRW "über den Bundesrat dafür sorgen, dass die notwendigen Gesetzesreformen in Angriff genommen werden".

Bundesagrarministerium: Ergebnisse sind besorgniserregend

Das Bundeslandwirtschaftsministerium nannte die Ergebnisse in einer Mitteilung besorgniserregend und forderte die Bundesländer auf, von ihren zahlreichen Überwachungs- und Sanktionsmöglichkeiten mit aller Konsequenz Gebrauch zu machen. Sollten die Instrumente im Kampf gegen unsachgemäßen Antibiotikaeinsatz nicht ausreichen, sei das Bundesministerium aber selbstverständlich bereit, mit den Ländern über Verbesserungen zu sprechen.
 
Laut Arzneimittelgesetz dürfen Antibiotika nur zur Behandlung kranker Tiere eingesetzt werden. Aigner hatte nach Bekanntwerden der ersten NRW-Ergebnisse bereits in der vergangenen Woche angekündigt, die Vergabe von Antibiotika besser zu erfassen, insgesamt einzuschränken und engmaschiger zu kontrollieren. Seit Anfang des Jahres wird in einer zentralen Datenbank die Arzneimittelverwendung bei Schweinen und Rindern erfasst, bislang aber nicht bei Geflügel.

CDU: Arzneimittel darf es nur in Ausnahmefällen geben

Zur Vorstellung der Ergebnisse der Untersuchung "Antibiotikaeinsatz in der Tierzucht" erklärte der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in NRW, Karl-Josef Laumann: "Der Arzneimitteleinsatz ist ein wichtiger Indikator dafür, ob die Rahmenbedingungen in einer Tierhaltung in Ordnung sind. Wenn mehr als 96 Prozent der Masthähnchen innerhalb ihrer kurzen Lebenszeit krank oder so anfällig sind, so dass sie zum Teil mehrfach mit Antibiotika behandelt werden, dann ist etwas nicht in Ordnung. Wir werden die Ergebnisse der LANUV-Studie genau prüfen.
 
Ich will keine pauschalen Urteile oder Verurteilungen. Wir müssen uns sehr genau anschauen, wie moderne Tierhaltung funktioniert und wie Tierärzte und Landwirte zusammenarbeiten. Hier brauchen wir mehr Transparenz. Wenn die Verantwortung des einzelnen Landwirts für das, was in seinem Betrieb mit den Tieren geschieht, eingeschränkt wird oder verloren geht, dann geraten wir auf eine schiefe Bahn. Arzneimittel darf es nur in Ausnahmefällen geben. Sollten bestehende Strukturen nicht stimmen, müssen wir sie ändern."

Grüne: Antibiotika wird zur Wachstumsförderung eingesetzt

Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen fordert von Ilse Aigner eine neue Antibiotikastrategie, die klare Maßnahmen definiert. Transparenz, Forschung, konkrete Regelungen im Arzneimittelgesetz und Kontrolle müssten her. Laut der Studie aus NRW wurden fast alle Tiere mit antimikrobiellen Substanzen behandelt (96,4 Prozent). 53 Prozent der Tiere wurden nur 1-2 Tage mit Antibiotika behandelt. "Das ist ein Verstoß gegen die Zulassungsbedingungen von Antibiotika und ein klarer Hinweis darauf, dass die Mittel zur Wachstumsförderung eingesetzt werden. Die Studie belegt, dass permanente Antibiotika-Gabe die Grundbedingung in enger industrieller Tierhaltung ist." Kleine Betriebe mit höherer Mastdauer wiesen eine deutlich geringere Behandlungsintensität aus.

FDP: Antibiotika in der Tierhaltung verantwortungsbewusst einsetzen

"Die Zahlen aus Nordrhein-Westfalen sind äußerst besorgniserregend. Es ist zu prüfen, ob dieses Ausmaß des Antibiotikaeinsatzes bundesweit zutrifft", sagt die agrarpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Christel Happach-Kasan. Die Haltungsbedingungen für Masthähnchen müssten so ausgestaltet werden, dass die antibiotikafreie Mast die Regel, der Einsatz von Antibiotika die Ausnahme werde. Schließlich lebten die Tiere kaum länger als einen Monat.
 
"Der enorme Preisdruck ist eine Ursache für den hohen Antibiotikaeinsatz. Es ist offensichtlich, dass die von der Bundesregierung 2008 beschlossene Deutsche Antibiotika Resistenzstrategie (DART) in der Hähnchenmast nicht gegriffen hat. Geflügelbetriebe müssen in die zentrale Datenbank zum Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung aufgenommen werden." Darüber hinaus seien die Geflügelhalter aufgefordert, Maßnahmen zur Antibiotikareduzierung vorzulegen.

DBV: Antibiotikaeinsatz weiter senken

Der Deutsche Bauernverband (DBV) lehnt in einer Pressemitteilung den wiederholten Einsatz von geringen Dosen Antibiotika zur Steigerung der Mastleistung oder zur Kompensierung schlechter Haltungsbedingungen entschieden ab und weist auf einen wachsenden Anteil von Landwirten hin, die keine Antibiotika einsetzen. Dies belege, dass tiergerechte Haltungsverfahren auch ohne diese Arzneimittel möglich sind. Ferne setze sich der DBV im Qualitätssicherungssystem der gesamten Produktionskette - QS - für ein kontinuierliches Monitoring des Antibiotikaeinsatzes ein, um deren Einsatz weiter zurückzuführen. Auf diese Weise werde auch dem Risiko von Resistenzbildungen bei Keimen Rechnung getragen.
dpa/pd
Fachbeitrag zum Thema:
Redaktion DLZ Paradies für Hühner
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Keywords Antibiotika | Arzneimittel | Geflügelzucht | Hähnchenmast | Keime | Remmel | Resistenz | Studie | Tierarzt | Veterinär | Wachstumsförderer
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