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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Leben » Ernährung und Gesundheit » Antibiotikaresistenz im Stall ]
Montag, 21.05.2012
Ernährung und Gesundheit | 14.02.2012 Redaktion agrarheute.com

Resistenzen in Klinik und Stall gleichermaßen bekämpfen

Berlin - Untersuchungen von Nutztierbeständen zeigen, dass antibiotikaresistente Keime zunehmen. Ihr Einsatz muss in Klinik und Tierhaltung auf ein notwendiges Maß reduziert werden.
Das war die erste Stallgenehmigung mit öffentlichem Erörterungstermin.© Mühlhausen/Landpixel
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Das war die erste Stallgenehmigung mit öffentlichem Erörterungstermin.
© Mühlhausen/Landpixel
Nicht nur in den Krankenhäusern, auch in Beständen von Nutztieren nehmen die Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika zu. Resistente Stämme sind dabei sowohl unter krankmachenden Keimen als auch unter nicht krankmachenden Bakterien zu beobachten. Diese Entwicklung überrascht nicht. Denn immer, wenn Antibiotika eingesetzt werden, entsteht ein Selektionsdruck. Bakterienstämme, die Abwehrmechanismen gegen die eingesetzten Antibiotika entwickelt haben, können sich ausbreiten. Das ist in den Tierställen nicht anders als in den Kliniken. Funde von resistenten Keimen sind keine neue Erkenntnis: Antibiotikaresistente Bakterien wurden sowohl in Nutztierbeständen als auch auf Lebensmittelproben von Schweinefleisch, Geflügelfleisch und Rohmilch, nachgewiesen.

Antibiotikaeinsatz auf ein notwendiges Maß reduzieren

"Sowohl in der Klinik als auch in der Tierhaltung muss der Einsatz von Antibiotika auf das therapeutisch notwendige Maß beschränkt werden", sagt der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. "Im Bereich der Nutztierbestände müssen wir durch die Aufzucht robuster Tiere und verbesserte Haltungsbedingungen, zu denen eine gute Impfprophylaxe, eine verbesserte Hygiene und gutes Stallmanagement gehören, dafür sorgen, dass die Tiere insgesamt gesünder sind und möglichst keine Antibiotikabehandlungen benötigen." Eine Untersuchung aus Nordrhein-Westfalen zeigt, dass ein genereller Zusammenhang zwischen Behandlungsintensität und Betriebsgröße nicht erkennbar ist.
 
Durch den Einsatz von Antibiotika entstehen nicht vorwiegend neue Antibiotikaresistenzen bei Bakterien. Vielmehr haben Bakterien, die meist zufällig durch Mutation resistent geworden sind, bei der Anwendung von Antibiotika einen Vorteil gegenüber nichtresistenten Stämmen und vermehren sich stärker als nichtresistente Keime. "Das Problem daran ist, dass Antibiotika, wie beispielsweise in der Geflügelhaltung, mittlerweile dauerhaft eingesetzt werden", sagt Dr. Bernd-Alois Tenhagen, Mitarbeiter des BfR. "Die Antibiotika bewirken, dass die nicht-resistenten Keime absterben und damit können sich die resistenten Keime vermehrt ausbreiten."

MRSA und ESBL-tragende Bakterien nehmen zu

Untersuchungen von Geflügel-, Schweine- und Rinderbeständen zeigen außerdem, dass in den letzten Jahren das Auftreten von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) und ESBL-tragenden Bakterien zunimmt. "Das besondere an diesen Keimen ist, dass sie ihre Resistenz auf andere Keime übertragen können. Es findet ein horizontaler Gentransfer statt“, erklärt Dr. Bernd-Alois Tenhagen. Die bei Nutztieren nachgewiesenen MRSA machen jedoch nur einen sehr kleinen Anteil der Erkrankungen des Menschen aus.
 
Betroffen davon sind überwiegend Personen, die beruflichen Kontakt zu Nutztieren haben. Bei den im Krankenhaus erworbenen Infektionen mit MRSA handelt es sich fast ausschließlich um Stämme, die nur beim Menschen vorkommen. In welchem Umfang die beim Menschen auftretenden Infektionen mit ESBL-bildenden Bakterien ihren Ursprung in der Tierproduktion haben, ist derzeit Gegenstand der Forschung. Bisher gibt es keine Belege für eine direkte Infektionskette. Aus molekularbiologischen Untersuchungen ist aber abzuleiten, dass ein Gesundheitsrisiko für den Menschen von ESBL-bildenden Bakterien aus der Tierhaltung ausgeht. Daher gilt es zu verhindern, dass die antibiotikaresistenten Keime aus dem Tierstall über Lebensmittel oder den Kontakt mit Tieren zum Problem für den Menschen werden.

Tiergesundheit verbessern

Aus diesem Grund wurde in einer konzertierten Aktion des Bundesministeriums für Gesundheit, des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bereits 2008 die Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie (DART) initiiert. Ziel ist es, durch ein Bündel von Maßnahmen sowohl in der Humanmedizin als auch in den Nutztierbeständen die Resistenzen gegen Antibiotika einzudämmen. Dazu werden im human- wie im veterinärmedizinischen Bereich Daten zur Antibiotikaresistenzsituation und -entwicklung bei bakteriellen Krankheitserregern erhoben. Auf Basis dieser Erkenntnisse sollen Ärzte und Tierärzte im Falle einer notwendigen Behandlung von Mensch und Tier gezielt die richtigen Wirkstoffe so effizient wie möglich einsetzen.
 
Im Bereich der Nutztierhaltung und Lebensmittelgewinnung geht es vor allem darum, durch vorbeugende Maßnahmen die Gesundheit der Nutztiere zu erhalten oder zu stärken, so dass Infektionen der Nutztiere verhindert werden. Dazu gehören unter anderem die konsequente Bekämpfung von Zoonoseerregern in den Beständen, eine gute Hygiene im Stall, eine gute Betreuung der Tiere und gezielte Impfprogramme. Durch die verbesserte Tiergesundheit kann die Antibiotikagabe zur Behandlung von Erkrankungen minimiert werden. Zugleich soll eine bessere Erfassung der Anwendung von Antibiotika im Veterinärwesen die Kontrolle des Einsatzes vereinfachen.

Risiko für Verbraucher derzeit gering

Derzeit ist nach Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung das Risiko für den Verbraucher gering, sich mit antibiotikaresistenten Keimen zu infizieren. Voraussetzung ist, dass die Regeln der Küchhygiene beachtet werden.
vm
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Keywords Antibiotika | Bakterien | ESBL | Gentransfer | Keime | Lebensmittelproben | MRSA | Nutztierhaltung | Resistenz | Stämme
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