Wie kürzlich im Unterland so wurde auch der Bäuerinnentag im Großen Walsertal als Festveranstaltung ohne Referat aufgezogen. Großen Spaß hatten die zahlreich bis weit über die Grenzen des Tales erschienenen Bäuerinnen mit dem Kabarett von zwei Schwarzwälder Bauern. Natürlich informierten auch die Vertreter aus
Landwirtschaft und Politik über Aktuelles. Stetige Veränderungen und Fremdbestimmung lassen es nicht zu, auf geschaffenem Erfolg auszuruhen; nur wer vorwärts blickt, bleibt auf der Erfolgsspur. Die Landesbäuerin kennt die Belastung ihrer Berufskolleginnen und warnt davor, den Bogen stetig zu überspannen, damit er nicht reißt. Alles unter einen Hut zu bringen erfordert Kraft und Nerven. Kleine Auszeiten im Alltag, beispielsweise dieser Bäuerinnentag, die hoffentlich nicht so seltenen Glücksmomente zu genießen, oder herzhaftes Lachen, wie es die beiden Kabarettisten herausforderten, seien Grundsteine, mit denen der Alltag besser bewältigt werden könne. Auf Angebote, die die Gemeinschaftspflege, Weiterbildung oder Lebensqualität betreffen, wird daher vonseiten der Bäuerinnenorganisation ständig Bedacht genommen. Regio-Obmann Josef Türtscher, selbst Walsertaler, skizzierte die Situation im Tal, nicht nur hinsichtlich der Landwirtschaft. "Unsere Gesellschaft wäre arm dran, wenn es nicht ganz viele Menschen gäbe, die sich über ihre Pflicht hinaus für die Gesellschaft einsetzten", würdigte er nicht nur die Bäuerinnen des Tales. Für Lebensmittelproduktion und Kulturlandschaftserhaltung sei die landwirtschaftliche Bevölkerung unverzichtbar. Aber auch Unternehmer in Tourismus und Gewerbe oder Pendler seien notwendig, um die Infrastruktur und den Lebensraum aufrecht zu erhalten. LK-Präsident Josef Moosbrugger schätzt die Öffnung des Festtages für andere Berufsgruppen. Sie habe Signalwirkung: "Wenn wir wollen, dass die Dörfer und das Großwalsertal lebendig bleiben, braucht es Jede und Jeden". Weil natürlich der bäuerliche Charakter der Veranstaltung überwiegt, sollen auch bäuerliche Fragen erörtert werden. Der LK-Chef erwartet in der neuen Programmplanungsperiode der EU Veränderungen, daher konzentriere sich der Einsatz der Interessensvertretung darauf, Verschlechterungen zu vermeiden. Bei der vom Land angeregten Überarbeitung der Agrarpolitik, mit dem zentralen Thema "Abgeltung der bäuerlichen Leistungen", müsse zunächst geklärt werden, welche
Landwirtschaft in Vorarlberg gewollt wird. Mehr Ökolandwirtschaft, Klima- und Umweltschutz? Bekennt man sich auch weiterhin zum Erhalt und zur Bewirtschaftung der extremsten Berggebiete? Nach den jüngsten Einkommenszahlungen sei besondere Unterstützung für die extremsten Berggebiete weiterhin notwendig. Insgesamt blickt Moosbrugger optimistisch in die Zukunft, Veränderungen seien allerdings gewiss. Am besten würden sie gemeistert, wenn man ihnen aktiv und flexibel begegnet, das heiße, immer die Augen offen halten für neue Einkommensmöglichkeiten. Unterstützung dazu biete das reichhaltige LFI-Programm. Hinsichtlich der Gesamtentwicklung habe das Land in den letzten Jahren auf den Grundsatz der vergleichbaren Lebensbedingungen im ländlichen Raum geschaut, um einen gewissen Ausgleich zu schaffen. "Das muss die Politik auch in Zukunft sehen", fordert Landesrat Erich Schwärzler. Für die künftige Agrarpolitik regte er an, Partnerschaften mit anderen Berufsgruppen bzw. dem Tourismus zu intensivieren. Dies sei gerade bei Lebensmitteln wichtig, damit nicht anonyme Billigprodukte zum Zug kommen, sondern Lebensmittel, die einen Wert und einen Namen haben. "Deshalb klare Produktdeklaration, das ist umsetzbar!"