Nostalgisches Ambiente im Schlosspark der historischen Ippenburg.
Foto: Peter Andryszak
Schokoladen-Minze? Tatsächlich, schmeckt wie After Eight! Gisela Reuter und ihre Freundin streifen durch den Küchengarten am Schloss Ippenburg, schnuppern an Kräutern und Rosenbögen, bewundern alte Gemüsesorten wie violette Tomaten oder schwarz gefleckte Stangenbohnen.
Die Lieblingsblumen gleich mitnehmen
Was man daraus machen kann, zeigt Michael Thürnau, beliebter und beleibter Radio-Moderator, der bereits im NDR-Garten beim Show-Kochen auf die Damen wartet. Hinterher geht’s auf ein „Käffchen" ins Schlosscafé. Und dann, entlang der kunstvoll inszenierten Wohngärten am Wasser in ein grünes Labyrinth von Heckenkabinetten und Themengärten. „Unglaublich, wie vielfältig und liebevoll gestaltet diese Ausstellung ist", schwärmen die Besucherinnen, die aus Emden angereist sind, „einfach wunder-wunderschön!"
Trotz verregnetem Mai, Fußball-Weltmeisterschaft und der Gluthitze im Juli haben sich bereits jetzt, zur Halbzeit, rund 250.000 Blumenfreunde aus ganz Deutschland von dieser „Gartenschau der Gärten" begeistern lassen. Allen voran die Landesprominenz. „Zuhause bin ich ein Fan von Gartenarbeit, bei der Erfolge schnell sichtbar werden", bekennt Bundespräsident Christian Wulff. Als ehemaliger Landesvater ist er Schirmherr der Veranstaltung. Schon deshalb lohne sich ein Besuch in Bad Essen, „weil man die Lieblingsblumen gleich mitnehmen, zuhause einpflanzen und sich sofort am Anblick erfreuen kann". Landwirtschaftsminister a.D., Hans-Heinrich Ehlen, der „alles liebt, was mit Obstbäumen zu tun hat", staunte als Pflanzen-Profi vor allem über die Vielfalt an Apfelsorten. „Wat den Herrn Ribbeck up Ribbeck ut’n Havelland sien Beern sünd, dat sünd för mi de Appel."
Nur knapp ein Jahr blieb der Gemeinde Bad Essen Zeit, um sich nach dem „Zuschlag" für die Landesgartenschau in ein Blütenmeer zu verwandeln. Die Kulissen könnten schöner kaum sein. Schloss Ippenburg, bekannt durch das von Schlossherrin Viktoria Freifrau von dem Bussche initiierte Festival „Gartenlust & Landvergnügen", ist Treffpunkt der internationalen Gartenszene. Im Schlosspark übertreffen sich mehr als fünfzig unterschiedliche Themengärten – vom lauschigen Schrebergarten samt Hühnervolk bis zur coolen „Black Box" mit Outdoor-Bar.
Landschaftsarchitekten, Pflanzenzüchter, Designer und Künstler aus ganz Europa ließen rund um die neugotische Wasserburg blühende Fantasien entstehen. Überhaupt ist Wasser ein Schwerpunktthema der Ausstellung. Die als „Pusteblume" bekannte Wasserskulptur „Tarax" des Künstlers Ugo Dossi gilt inzwischen fast schon als Wahrzeichen für Ippenburg.
Imagegewinn unbezahlbar
Tief Luft holen können Besucher im Bad Essener Kurpark, dem zweiten Standort der Landesgartenschau. Das Heilbad gründet auf Europas mineralreichster Solequelle. Eine Sole-Arena vernebelt das 220 Millionen alte, gesunde Urmeersalz aus meterhohen Reisigwänden. Üppig blühende Terrassengärten und floristische Trends im nostalgischen Ambiente einer Badeanstalt laden zum Staunen ein.
Rund 5 Millionen Euro ist der Gemeinde dieses „Blütenmeer" wert. Doch der Imagegewinn und die Impulse für den Tourismus sind unbezahlbar. Bürgermeister Günter Harmeyer wünscht sich, „dass der Besucheransturm kein Ende nimmt und dieses einmalige Ereignis in Bad Essen jedem viel Freude bereitet."