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Montag, 21.05.2012
Spezielles | 02.02.2012 Redaktion agrarheute.com

Wissenschaftler sehen große Chancen für regenerative Energien weltweit

München – Welche Chancen bieten die Nachwachsenden Rohstoffe für die Energieversorgung und wie steht es um die Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren Energien?
Professor Martin Faulstich, Lehrstuhl für Rohstoff- und Energietechnologie, TU München.© Gudrun Zercher
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Professor Martin Faulstich, Lehrstuhl für Rohstoff- und Energietechnologie, TU München.
© Gudrun Zercher
Diesen Fragen gingen Wissenschaftler verschiedener Fachdisziplinen beim zweitägigen Rundgespräch über die Zukunft der Energieversorgung, den Atomausstieg, die Versorgungssicherheit und den Klimawandel nach, zu dem die Bayerische Akademie der Wissenschaften Ende Januar eingeladen hatte. Dass dabei das Wirtschaftsforschungsinstituts ifo Mitveranstalter war, war deutlich zu hören. Zum einen kamen überwiegend Volkswirte zu Wort, zum anderen verengten die ihre Einschätzung auf die gesellschaftlichen Kosten, die die Erneuerbaren derzeit verursachen.

"Ausbau der NaWaRos ist in Deutschland nur begrenzt möglich"

Eine Ausnahme davon bildete Professor Martin Faulstich, der den Lehrstuhl für Rohstoff- und Energietechnologie an der TU München inne hat, obwohl auch er die Schwachstellen der Erneuerbaren in Deutschland benannte. Für die Photovoltaik schlug er vor, die Vergütung nicht zurückzuschrauben sondern zu deckeln. Auf die Biomasse ging er detaillierter ein: Ihr Ausbau sei begrenzt, weil die landwirtschaftliche Fläche in Deutschland ebenso limitiert sei. Für die Zukunft der Nachwachsenden Rohstoffe in Deutschland sehe er deshalb keine große Intensivierungsmöglichkeiten.

FAO rechnet bis 2020 mit Ausdehnung des Energiepflanzenanbaus weltweit

Für Deutschland sehe er keine Gefahr, dass Energiepflanzen die  Lebensmittelerzeugung gefährdeten, anders sehe dies im Rest der Welt aus. Global würden auf 65 % der Ackerfläche Nahrungsmitteln angebaut, berichtete Faulstich, auf 33 % Viehfutter und auf 2 % Energiepflanzen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) gehen davon aus, dass sich bis 2020 die weltweite Flächen für Energiepflanzen auf 60 bis 70 Millionen Hektar ausdehnt, heute sind es ca. 45 Millionen Hektar. Die wachsende Weltbevölkerung werde die Nachfrage nach Nahrungsmitteln ansteigen lassen, die Ackerfläche pro Kopf werde kleiner  und die Fruchtbarkeit der Böden nehme weltweit ab, prognostizierte der Wissenschaftler. Um diesen Problemen zu begegnen, empfiehlt er die Einführung von Nachhaltigkeitsstandards und die Zertifizierung der Land- und Forstwirtschaft.
 
"Wenn man Deutschland aus erneuerbaren Energien versorgen möchte, muss man die Onshore-Windkraft um 60 bis 70 Prozent ausbauen", sagte Ingenieur aus Straubing, der auch kein Problem darin sieht den Weltstrombedarf komplett aus regenerativen Energien zu decken, "wenn man sie an den optimalen Standorten einsetzt".

RWE-Vertreter kritisiert geringe Wettbewerbsfähigkeit der Erneuerbaren

Weniger optimistisch waren hingegen die Aussagen von Professor Fritz Vahrenholt, dem Geschäftsführer von RWE Innogy, einem RWE-Tochterunternehmen, das sich mit der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien beschäftigt. Er kritisierte die geringe Wettbewerbsfähigkeit der regenerativen Energien in Deutschland. "Die Photovoltaik ist die unwirtschaftlichste Form der Stromerzeugung in Deutschland, gleichzeitig ist sie aber auch die beliebteste". Die durchschnittliche Zahl von 750 Volllaststunden im "Sonnenland Deutschland" sei bescheiden, verglichen mit beispielsweise Spanien, das auf 1500 Volllaststunden im Jahr komme. Die Zahl der Volllaststunden gibt an, wie hoch die Ausnutzung einer Anlage ist.

"Bestehende Kohlekraftwerke mit Biomasse befeuern"

Der Biomasse bescheinigte Vahrenholt, dass ihre Technologie schon weitgehend ausgereift sei, "die Kosten werden sich nicht weiter nach unten bewegen". Er rechne damit, dass künftig viel Biomasse importiert werde und schlug vor, bestehende Kohlekraftwerke mit Biomasse zu befeuern. Auch die Stromerzeugung aus Wasserkraft sei nicht weiter ausbaufähig, vor allem aus Naturschutzgründen, bemängelte der Hamburger Professor.
 
Lediglich bei der Stromerzeugung aus Windkraft sah er noch Potenzial. "Die Technologie steht am Anfang ihrer Reifekurve. Wenn man die Rotorblätter vergrößert und die Nabenhöhe auf 180 bis 200 Meter erhöht, kann man die erzeugte Strommenge noch erheblich steigern, wodurch die Kosten im Laufe der kommenden Dekade sinken." Gleichzeitig wandte er jedoch ein: "Um die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten, reichen Windkraft und Photovoltaik nicht aus, weil sie zu unregelmäßig Strom liefern. Der Schlüssel der Energiewende liegt somit in der Speicherung. Pumpspeicherkraftwerke sind mit unter 10 Cent/KWh die erste Wahl für die Stromspeicherung, allerdings sind sie schwierig zu realisieren".

Wirtschaftlichkeit der Erneuerbaren hängt vom Ölpreis und Zertifikatepreis ab

Mit seiner Meinung, dass Strom aus erneuerbaren Energien derzeit nicht wettbewerbsfähig sei, lag Vahrenholt auf einer Linie mit Hans-Dieter Karl vom Wirtschaftsforschungsinstitut ifo, der die Produktionskosten für Wind (onshore) mit 8 ct/KWh und Photovoltaik 22 ct/KWh in Relation zum Strompreis, der an der Strombörse bezahlt wird (5 ct/KWh), stellte. Angesichts dieser großen Preisdifferenzen ging die Tatsache fast unter, dass die genannte Zahlen nur Augenblicksaufnahmen sind und die Wirtschaftlichkeit der Erneuerbaren steigt, wenn sich die Preise von Öl und CO2-Emmissionszertifikaten erhöhen.
 
Einen ausführlichen Bericht über die Veranstaltung finden Sie in der neuen Ausgabe der "Joule".

Biogassymposium: Herausforderungen durch das neue EEG meistern

Gudrun Zercher
Fachbeitrag zum Thema:
Redaktion Joule Zukünftiger Strommarkt
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Keywords Biomasse | EEG | Energie | Erneuerbar | Faulstich | NaWaRo | Solar | Wind | nachwachsende Rohstoffe
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