Montag, 21.05.2012
BDM kritisiert Vormachtsstellung des neuen Milchkontors DMK
Freising - Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM bemängelt, dass mit der Gründung des DMK der Rohmilch-Markt im Norden nahezu ausgeschaltet werde.
Die Milchkontor-Werke in Strückhausen und Magdeburg sollen bis Mitte 2013 geschlossen werden.
Nach Ansicht des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter
BDM e.V. zeige die Fusion der
Nordmilch AG und der Humana Milchunion GmbH zu Deutschlands größtem Molkereiunternehmen DMK Deutsches Milchkontor GmbH geradezu exemplarisch, wie der Markt um Rohmilch für die Milcherzeuger Schritt für Schritt ausgeschaltet werde. Für große Teile des nord- und ostdeutschen Raumes werde es noch weniger Wettbewerb um Rohmilch geben. Die in den DMK-Muttergesellschaften
Nordmilch eG und Humana Milchunion eG gebundenen 11.000 Milcherzeuger mit 6,7 Mrd. kg Milch hätten kaum noch eine Chance, ihre Milch zukünftig einem anderen Molkereiunternehmen als dem DMK anzubieten.
"Mitbestimmungsrecht reduziert sich auf ein Minimum"
Schon in den vergangenen Jahren habe sich die Marktmacht der
Nordmilch AG deutlich gezeigt: Ein Großteil der Mitglieder, die sich
2007 wegen unterdurchschnittlicher Bezahlung in Kündigung befanden,
konnten keinen anderen Marktpartner finden.
Das auf dem Papier bestehende Mitbestimmungsrecht der Milcherzeuger im
DMK sei Makulatur, meint der
BDM. Durch die komplette Auslagerung des
operativen Geschäftes in ein als GmbH geführtes
Milchverarbeitungsunternehmen reduziere sich ihr direktes
Mitbestimmungsrecht auf ein Minimum. Die durch die Milchveredelung
erzielten Wertschöpfungserlöse stünden nicht mehr direkt den
Milcherzeugern zur Verfügung. Die Milcherzeuger blieben weiterhin
Restgeldempfänger, was bedeute, dass sie auch zukünftig bei der
Ablieferung der Milch nicht wissen, welchen Preis sie dafür bekommen.
Gibt es eigenständige Marktorganisationen der Erzeuger?
Vor diesem Hintergrund müssten die Äußerungen der Milchindustrie
sehr kritisch gesehen werden, dass es keine eigenständige
Marktorganisation der Erzeuger brauche, weil diese ja ohnehin in den
genossenschaftlichen Molkereien gebündelt seien. "Die
Nordmilch eG und
die Humana Milchunion eG als unabhängig agierende
Erzeugerorganisationen bezeichnen zu wollen, ist geradezu vermessen",
kritisiert
BDM-Vorsitzender Romuald Schaber. "Als Muttergesellschaften
des DMK werden diese die Rohmilch ihrer Mitglieder unabhängig von sich
bietenden Marktmöglichkeiten immer dem DMK zufließen lassen."
Wurden bei der Fusion die Humana-Mitglieder übergangen?
Die hohe Zustimmung der Genossenschaftsvertreter zu dieser Fusion
habe einen schalen Beigeschmack: Die 200 abstimmungsberechtigten
Vertreter der Humana Milchunion eG wurden erst wenige Tage vor der
Abstimmung informiert. Die offiziellen Mitgliederversammlungen der
Humana, zu denen alle 7.000 Mitglieder geladen wären, wurden aus
"terminlichen Gründen" verschoben. Sie finde offensichtlich erst statt,
wenn die Fusion in trockenen Tüchern sei, meint der
BDM.
Die Braut hat sich für die Hochzeit mit hohen Milchpreisen hübsch gemacht
Nicht ganz zufällig dürfte die
Nordmilch AG, die jahrelang vor
allem mit unterdurchschnittlich niedrigen Milchpreisen das
Milchpreisniveau in ganz Norddeutschland bestimmt habe, derzeit einen
der höchsten Milchpreise in ganz Deutschland auszahlen, meint der
BDM. "Hat sich die
Braut für die Hochzeit hübsch gemacht?" Die Milcherzeuger
dürften gespannt sein, wie sich die Milchpreise unter dem DMK künftig
entwickeln werden. (pd)
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