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[ » LAND & Forst » Content » Management » Betriebsführung » Beratung ]
Montag, 21.05.2012
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Betriebsführung | 07.09.2011

Auf der Suche nach Perspektiven

In Deutschland geht der Trend hin zu immer größeren Betrieben, wobei der Bau von Biogasanlagen mit entsprechender Maisproduktion die Veredlungs- und Futterbaubetriebe über die Flächenkonkurrenz stark belastet. Wie sieht es in Österreich und der Schweiz aus? Wir sprachen mit drei Beratern.

 
Foto: Preugschat© Preugschat
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Foto: Preugschat
© Preugschat
Welche Anliegen berührt die Landwirte, die Sie beraten?


Ruth Beverborg:
Eines der Hauptanliegen der Bauern in unserer betriebswirtschaftlichen Beratung ist, Perspektiven und Entwicklungskonzepte zu finden und diese für die finanzierenden Banken vorzubereiten. Dabei steht oftmals die Frage im Raum: Sollen die Landwirte weiter auf die traditionelle landwirtschaftliche Produktion setzen oder diversifizieren und sich zum Beispiel den erneuerbaren Energien zuwenden? Die niedersächsischen Landwirte haben das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) sehr gut angenommen und setzen dabei neben Photovoltaik auf Biogasanlagen, denn Anlagen bis zu  500 kW sind baurechtlich privilegiert und erhalten nach dem derzeitigen EEG bis Ende 2011 eine vergleichsweise hohe Förderung.

Johann Tober:
Wir unterstützen die Bauern in der Abwicklung ihrer EU-Förderanträge. Zweimal im Jahr haben wir deshalb engen Kontakt zu den Bauern und Hand in Hand werden weitere anstehende Beratungsfragen geregelt. Eine wichtige Aufgabenstellung ergibt sich aus der Betriebs-übergabe, denn die jungen Hofübernehmer benötigen ein zukunftsgerichtetes Betriebskonzept, um Investitionsförderung zu erhalten.

In welche Richtung gehen denn künftig die Betriebskonzepte?

Johann Tober:
Erwerbskombinationen oder Direktvermarktung sind keine Schwerpunkte mehr. Das ist im Prinzip ein gesättigter Markt. Heute geht die Nachfrage eher Richtung Nutzung der Ressourcen im Wald. Den Wald nutzt man bei uns bisher eher als die Sparkasse des Betriebes und dort sehen wir noch ein wichtiges Wachstumspotenzial.  

Peter Weber:
Die Entwicklung der Betriebe ist auch bei uns ein großes Thema, vor allem im Generationenwechsel. Hier werden Weichen für die Zukunft gestellt. Momentan haben vor allem Betriebsleiter von Milchwirtschaftsbetrieben mit einem Milchlieferrecht um die 100.000 kg oder weniger einen großen Beratungsbedarf. Sie sind aufgrund der schwankenden Milchpreise  verunsichert.

Johann Tober:
Schwierig sind die Preisschwankungen, nicht nur bei der Milch, sondern auch beim Getreide. Deshalb sind die Prämien oder Direktzahlungen wichtig. Diese Zuschüsse machen bei uns in den benachteiligten Gebieten 50 bis 80 % des Gesamteinkommens aus. Auch wenn diese Zuschüsse mit bürokratischem Aufwand verbunden sind, sind sie ein sicheres und kalkulierbares Einkommen. Schwer zu ertragen ist dann jeweils der Spardruck der öffentlichen Hand.

Ruth Beverborg:
Auch bei uns ist der Milchpreis in den Wirtschaftsjahren 2008/2009 und 2009/2010 eingebrochen. Das hatte erhebliche Einkommensverluste zur Folge. Betriebsleiter, die damit nicht zu Recht kamen, haben zunehmend die sozioökonomische Beratung in Anspruch genommen. Die sozioökonomische Beratung hat sich auf finanzgefährdete Betriebe spezialisiert. Momentan hat sich der Milchpreis erholt, dann wird die Unternehmensberatung wieder mehr nachgefragt. Im Zentrum steht „Wie wachse ich weiter?“
Es gibt riesige Entwicklungsschritte und ein Ende ist nicht abzusehen. Zunehmend gibt es Betriebe mit 400 bis 600 Kühen und mehr. Der Investitionsbedarf übersteigt schnell einmal 1 Mio. €, was zum größten Teil über die Banken finanziert wird. Wenn in diesem Umfang investiert wird, sind Unternehmereigenschaften und starke Nerven gefragt.

Welche Bedeutung haben die Direktzahlungen?

Ruth Beverborg:
Die Abhängigkeit ist da. Als Begleitmaßnahme zum Ausstieg aus der Quotenregelung wurde bei uns eine Milchprämie eingeführt. Diese sowie die Prämien aus den Bullen-, Mutterkuh- und Mutterschafprämien werden  bis 2013 auf eine einheitliche Flächenprämie in Höhe von 366 € je Hektar abgeschmolzen.

Peter Weber:
Eine finanzielle Schieflage aufzuholen, das ist schwierig. Es gibt Betriebe, die wirtschaften in älteren Gebäuden und Produktionsanlagen und sind fast bis unters Dach verschuldet. Einige überschätzen sich bei Landkäufen.

In welchen Bereichen kann der Landwirt noch sein Einkommen verdienen?
 
 

Peter Weber:
Mit der Milch kann, auch bei niedrigen Milchpreisen, gleichwohl eine hohe Wertschöpfung pro ha erreicht werden, abgesehen von den Spezialkulturen.

Ruth Beverborg:
Die klassischen  Betriebszweige wie Ackerbau, Schweinehaltung und Milchwirtschaft rechnen sich schon, aber um einiges weniger als momentan der Betriebszweig Biogas. Beim Pachtland steht der Milchviehhalter in Konkurrenz zum Biogasbetreiber. Bei unseren Vergleichsrechnungen schneidet die Legehennenhaltung für Freiland- und Bio-Eier aufgrund des Verbots der Käfighaltung besonders gut ab.

Niedersachsen ist die Schweinehochburg in Deutschland. Wo liegen die  Probleme?

Ruth Beverborg:
Die Kosten der Schweinehaltung sind hoch. Die Futterkosten sind  gestiegen, weil die Getreidepreise zurzeit hoch sind. Ein wichtiger Faktor ist die Einstufung, ob ein Betrieb landwirtschaftlich oder gewerblich ist. Betriebe erreichen zum Beispiel bei 80 ha und 1.500 Mastplätzen eine Grenze, wo sie steuerlich als gewerblich betrachtet werden, was insbesondere umsatzsteuerlich mit Nachteilen verbunden ist. Die Negativfaktoren wie Biofilter oder kostenpflichtige, überbetriebliche Nährstoffverbringung bei einem Stallneubau in einer Veredlungsregion sind enorm, so dass die Schweinehaltung und vor allen Dingen die Ferkelproduktion gegen-über den anderen Produktionsrichtungen, vor allem gegenüber den Biogasanlagen, zurzeit stark abfällt.

Johann Tober:
Biogas wird bei uns nicht so bevorzugt gefördert und rechnet sich nur, wenn die Abwärme auch gut verkauft werden kann. Das bremst die Weiterentwicklung der Biogasanlagen.
Peter Weber: In der Schweiz sind die Schweinepreise momentan im Keller. Der Tiefpunkt ist erreicht. Die Futterkosten schwanken nicht so stark, weil das Importsystem mit dem Schwellenpreis einen ausgleichenden Effekt hat. Schwierig sind Investitionen in Schweineställe. Wir haben eine Höchsttierbegrenzung auf die Stallplätze und aufgrund der Immissionen sind im Mittelland neue Ställe kaum mehr zu realisieren, weil es Einsprüche hagelt.

Wie reagiert in Niedersachsen die Bevölkerung auf große Veredlungsbetriebe?
 
Ruth Beverborg:
Es entstehen bei vielen Bauvorhaben in den Bereichen Geflügel, Schweine oder Biogas zunehmend Bürgerinitiativen. Es kommt auch nicht nur auf die Größe an. Auch ein 500er-Maststall wird schon als „Agrarfabrik“ bezeichnet. Militante Tierschützer schrecken vor nichts zurück, auch nicht vor Brandanschlägen.

Johann Tober:
Die Interessenskonflikte nehmen zu, das lässt sich leicht beobachten. Überall dort, wo es Wachstums- und Entwicklungsschritte gibt, dort gibt es Widerstand in der Bevölkerung. Ich habe das hautnah miterlebt in einer Hochwasserschutzzone. Dort können die ausgesiedelten Bauern keinen Schweinemaststall bauen. Wenn sie einen Stall bauen wollen, müssen sie das weit weg von den landwirtschaftlichen Flächen tun und das ist arbeitswirtschaftlich nicht mehr zu machen.

In Holland gibt es die so genannte Typenberatung, wo die Bauern eingeteilt werden in den Wachstumstyp, den Leistungstyp, Allroundtyp, den Kostenoptimierer oder Einkommensoptimiertyp. Geht die Beratung bei Ihnen auch in diese Richtung?

Peter Weber:
Der holländische Ansatz ist interessant, aber ich kann mir das bei uns kaum vorstellen. Wir setzen auf regionale Arbeitskreise, die sich auf Milchwirtschaft und Mutterkuhhaltung spezialisieren.

Johann Tober:
Diese Typenberatung kann ich mir bei uns auch nicht vorstellen. Wir versuchen, die betrieblichen Möglichkeiten und Optimierungen von Bauer zu Bauer zu vermitteln. Dabei werden eine Reihe von Exkursionsbetrieben gemeinsam besucht. Vermittelt wird, wie Betriebsleiter ihre Situation meistern. Es steht nicht nur das Wachsen im Zentrum, sondern auch die Verringerung der Arbeitsbelastung und die Steigerung der Lebensqualität.

Ruth Beverborg:
Ich höre zum ersten Mal von solch einer strukturierten Typen-Beratung. Unbewusst machen wir das wahrscheinlich gleichwohl. Denn einerseits haben wir eine Unternehmensberatung für Landwirte, die vorwärts gehen, und andererseits die sozioökonomische Beratung für finanzgefährdete Betriebe. Auch haben sich die Unternehmensberater spezialisiert, der eine auf Rind, Schwein, Geflügel oder Erneuerbare Energien, und zwar kombiniert mit der Betriebswirtschaft.

Machen Sie in den Arbeitskreisen Vollkostenauswertungen?

Ruth Beverborg:
Ja, das ist Standard in den unternehmerischen Arbeitskreisen. Aber man muss nicht jedes Jahr eine Vollkostenauswertung machen. Mit den Vollkosten wird neben den Direktkosten auch der Block der Gemeinkosten abgebildet, letztere ändern sich von Jahr zu Jahr eher wenig. Jährlich wichtig sind die Teilkostenrechnungen, wo auf der Stufe Betriebszweig die direktkostenfreie Leistung ermittelt wird.

Peter Weber:
Ich teile diese Einschätzung. Der Aufwand für die Vollkostenauswertung ist zudem enorm; oft macht der Berater über 50 % der Arbeit, manchmal bis zu 100 %.

Ruth Beverborg:
 Ja, die Bauern sind damit überfordert. Viele Bauern haben ja nicht nur einen Jahresabschluss, sondern mehrere. Zum Beispiel einen für die Biogasanlage, einen oder mehrere Abschlüsse für die gewerbliche Tierhaltung etc. Diese müssen zu einem konsolidierten Abschluss zusammengeführt werden.

Johann Tober:
Bei uns machen die wenigsten Betriebe die Buchhaltung und haben dadurch keine Aufzeichnungen für eine Vollkostenrechnung, in den Arbeitskreisen werden diese Aufzeichnungen aber auch gemacht.

Besteht von den Steuern her keine Buchführungspflicht?

Johann Tober:
 
Nein, wir haben eine Vollpauschalierung. Unser Werkzeug für Betriebsplanungen sind Standarddeckungsbeiträge, die auf Basis der Ergebnisse von freiwillig buchführenden Betrieben beruhen. Dies stellt große Anforderungen sowohl an die Berater als auch an die Betriebsleiter, vor allem bei betrieblichen Investitionen und dem damit verbundenen notwendigen Eigenkapitaleinsatz bei gleichzeitig möglichst geringer Neuverschuldung.

Ruth Beverborg:
Ich warne vor der Nutzung von Standarddaten; dabei kann man ganz falsch liegen. Große Investitionen sind in der Regel mit 70 % fremdfinanziert und die Banken verlangen, dass mit realen Daten gerechnet wird.
 
 
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