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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Rind » Milchproduktion » Jahrestagung_Milchindustrie ]
Montag, 21.05.2012
Milchproduktion | 23.10.2009

Bessere Marktlage in Sicht

München/Berlin - Die deutsche Molkereiwirtschaft hat großes Verständnis für die Nöte der Milcherzeuger in den derzeit turbulenten Zeiten. Politische Maßnahmen werden begrüßt, künftigen Herausforderungen blickt man positiv entgegen.

© Biehl
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© Biehl

Die schlechten Milchpreise der vergangenen Monate bedrohen die Existenz vieler Betriebe. Die Konsequenzen der politischen Entscheidungen aus den Jahren 2000 und 2003 für mehr Marktwirtschaft auch bei Milch sind in Form schwankender Preise deutlich spürbar.

"Wir befinden uns in turbulenten Zeiten. Ein Auf und Ab bei den Milchpreisen, ähnlich wie bei Getreide und Schweinefleisch, wird es auch in Zukunft geben", stellt der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes e.V. (MIV), Dr. Karl-Heinz Engel, am Rande der diesjährigen Jahrestagung der Milchindustrie in München fest. "Derzeit stabilisieren sich die Produktpreise deutlich, was sich mittelfristig positiv auf den Milchpreis auswirken dürfte", so Dr. Engel.

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Der größte Bereich der deutschen Ernährungsindustrie konnte für 2008 noch einen leichten Umsatzzuwachs auf 22,3 Milliarden Euro verbuchen, in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres brach dieser jedoch um fast 17 Prozent ein. Auch der Exportwert von rund 4,8 Milliarden Euro aus den Vorjahren dürfte in 2009 bei einem bereits bis Juli aufgelaufenen Rückgang um rund 15 Prozent nicht mehr aufzuholen sein, obgleich die Mengenentwicklungen (z. B. Käse + 7,3 Prozent) in Teilen des Sortiments nach oben zeigen.

Einen weiteren Grund für den Rückgang der Umsätze sieht der Verband in der schlechten Nachfrage der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie nach Milcherzeugnissen. Nach der Preisrallye der Jahre 2007 und 2008 sind die Märkte den ökonomischen Grundprinzipien gefolgt und in 2009 regelrecht abgestürzt. "Hier müssen auch seitens der Milchindustrie Instrumente geschaffen werden, um einen besseren Ausgleich zwischen Hoch- und Tiefstpreisphase zu ermöglichen. Dem Risikomanagement wird in der Zukunft besondere Bedeutung zufallen, nachdem die Brüsseler Kommission viele Marktordnungselemente gestrichen hatte", so Dr. Engel.

Rückgang des Konsums von Milchprodukten

Verschärft wurde die Situation durch die Wirtschaftskrise, die die internationale Nachfrage als wesentliche Antriebsfeder für die deutsche Milchindustrie stark absinken ließ. Gleichzeitig stieg die Milchanlieferung im ersten Halbjahr 2009 um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum an. Ergebnis: Günstige Milchprodukte für die Verbraucher sowie niedrige Auszahlungspreise für die Milcherzeuger.

Dennoch waren Milchprodukte bei den Konsumenten bis zum Sommer dieses Jahres nicht sehr hoch im Kurs. Bis auf Butter wurde je nach Produkt zwischen 0,5 Prozent und knapp fünf Prozent weniger Milch, Käse, Quark & Co. verzehrt als die Jahre vorher. "Schwache Absatzmengen multipliziert mit Dauertiefstpreisen können keine hohen Milchpreise ergeben", stellt MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser fest. "Für die nächsten Monate sind wir leicht optimistisch, Euphorie ist allerdings nicht angesagt, dafür ist die Situation noch zu labil", so Heuser weiter.

Bisherige Maßnahmen der Politik werden begrüßt

Die EU-Politik hat während dieser schwierigen Marktphase nach Auffassung des MIV die richtigen Maßnahmen zur Abfederung der Talfahrt in Form von Erstattungen und Interventionstätigkeit ergriffen. "Derzeit liegen rund zwei Prozent der EU-Milch in den Lagern. Die EU-Kommission muss nunmehr Fingerspitzengefühl bei der Auslagerung beweisen, indem die Rückführung dieser Mengen ohne Marktstörung erfolgt", fordert der MIV-Vorsitzende Dr. Engel von der Brüsseler Agrarverwaltung. Auch die Stützungsmaßnahmen für die Milcherzeuger werden vom MIV begrüßt. "Das Festhalten am beschlossenen Ausstieg aus der Milchquote gibt den zukunftsorientierten Milcherzeugern Planungssicherheit.

Richtig war es insbesondere, durch niedrige Milchpreise entstandene Liquiditätsengpässe zu überbrücken", so Dr. Engel weiter. "Dieser Weg darf von der Politik nicht verlassen werden. Für eine erfolgreiche Arbeit in unseren Molkereien sind eindeutige und gelebte politische Rahmenbedingungen mit marktwirtschaftlicher Prägung hilfreicher als die Auseinandersetzung mit rückwärts gerichteten Diskussionen, die Ansätze einer Renationalisierung und Rückkehr zur gerade aufgegebenen Planwirtschaft in sich tragen", fordert der MIV-Vorsitzende.

Quotenfrage ist Erzeugerfrage

Anerkennung zollte er in diesem Zusammenhang sowohl Bundeskanzlerin Merkel als auch EU-Kommissarin Fischer-Boel für deren klares Bekenntnis zur Umsetzung der politischen Weichenstellung bei Milch. Dr. Engel: "Derartig eindeutige Stellungnahmen in der Öffentlichkeit seitens der Politik wären in den letzten beiden Jahren öfters von Nöten gewesen, nicht zuletzt auch um nicht erfüllbaren Erwarten keinen Nährboden zu geben. Wir haben alle zusammen viel Zeit mit der Diskussion um nicht erfüllbare Vorschläge verloren. Die Entscheidungen zum europäischen Quotensystem haben die Milcherzeuger selber getroffen. Die Quotenfrage ist Erzeugerfrage und sollte nicht nur von einer Minderheit der Milcherzeuger beantwortet werden."

Stabilität und Verlässlichkeit von der neuen Regierung gefordert

Für die Zukunft erhoffen sich die Unternehmen der deutschen Milchindustrie insbesondere von der neuen Bundesregierung und der EU-Kommission Stabilität und Verlässlichkeit und keine nationalen Alleingänge Deutschlands: "Durch die enge europäische Einbindung der Milchwirtschaft würden derartige Sonderwege Deutschlands unsere Wirtschaftskraft zu Gunsten der Mitbewerber aus den EU-Nachbarländern schwächen", stellt der MIV-Vorsitzende nochmals deutlich heraus. Strukturanpassung auf Erzeuger- und Verarbeiterebene hat mit und ohne Mengenregelung stattgefunden und wird auch weitergehen. Die Herausforderung besteht darin, die Ausschläge der Volatilität einzudämmen und längerfristig an der positiven Entwicklung der Märkte teilzuhaben.

Deutschland ist und bleibt Milchland Nummer eins

Die deutsche Molkereiindustrie hat sich diesen Herausforderungen in der Vergangenheit erfolgreich gestellt und wird dies auch weiterhin tun. "Deutschland ist und bleibt Milchland Nummer eins in Europa. Durch unser starkes Know-How werden wir die Schwankungen der Märkte bewältigen und auch am kommenden Marktwachstum teilnehmen können. Das gilt für Milcherzeuger und uns als Milchindustrie gleichermaßen!", zeigt sich der MIV-Vorsitzende Dr. Engel zuversichtlich. (pd)

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