Dienstag, 18.06.2013
Weniger als 300.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland
Hannover/Wiesbaden - Nach dem neuesten statistischen Maßstab ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland unter die Marke von 300.000 gefallen.
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ist gegenüber 2007 um 22.500 gesunken.
© Europa.eu
Laut den endgültigen Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2010, die das Statistische Bundesamt am Dienstag vergangener Woche vorstellte, waren im März vorigen Jahres bundesweit noch rund 299.100 landwirtschaftliche Betriebe tätig; das waren etwa 22.500 weniger als 2007. Erfasst wurden unter anderem Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) von mindestens 5 Hektar (ha) oder eine Sonderkulturfläche von wenigsten 0,5 ha beziehungsweise Höfe mit mindestens zehn Rindern oder 50 Schweinen oder zehn Zuchtsauen oder jeweils 20 Schafen oder Ziegen oder 1.000 Stück Geflügel.
Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, erklärte vor Journalisten, dass die Erfassungsschwellen, die eine Auskunftspflicht begründeten, heraufgesetzt worden seien. Damit seien von den ursprünglich 375.000 Betrieben der Agrarstrukturerhebung im Jahr 2007 etwa 53.000 Betriebe unter die neuen Erfassungsgrenzen gefallen. Allerdings hätten sich dadurch die erfassten Produktionsgrundlagen, die LF und die Viehbestände nur um weniger als 1 Prozent (%) verringert. So wurden von den erfassten Betrieben im März 2010 nahezu unverändert zu 2007 insgesamt 16,7 Millionen Hektar bewirtschaftet, davon gut 60 % Pachtflächen. Rund 46 % aller Höfe bewirtschaften weniger als 20 ha, etwa 43 % zwischen 20 ha und 100 ha. Rund jeder neunte Betrieb verfügt über mehr als 100 ha, gut 1 % über mehr als 500 ha und 0,5 % über mehr als 1 000 ha. Weiter zugenommen hat in den vergangenen Jahren die durchschnittliche Betriebsgröße, und zwar von 52 ha im Jahr 2007 auf zuletzt 56 ha.
Weit über dem EU-Durchschnitt
Gemessen an der Fläche finden sich die größten landwirtschaftlichen
Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit einer
mittleren Größe von 286 ha sowie 278 ha. In Schleswig-Holstein
bewirtschaftete ein Betrieb im März 2010 durchschnittlich 71 ha, in
Niedersachsen 62 ha. Dagegen brachten es die Höfe in Bayern und
Baden-Württemberg im Schnitt auf nur rund 32 ha. Egeler erklärte dazu,
dass die Unterschiede in den Betriebsgrößen oft auf die sehr
verschiedenen natürlichen Produktionsgrundlagen zurückzuführen, aber
auch durch historische Einflüsse bedingt seien. Im früheren Bundesgebiet
zeigten sich die Folgen der verschiedenen Erbgewohnheiten in der
Vergangenheit noch immer. Im Süden wiesen die Betriebe deshalb nur eine
durchschnittliche Fläche von gut 33 ha auf; im Norden seien es im Mittel
55 ha.
Hohe Flächenausstattung in den neuen Bundesländern
Dagegen habe die historische Entwicklung in den neuen Ländern zu
einer Agrarstruktur geführt, die durch eine hohe Flächenausstattung pro
Betrieb geprägt sei. Die nach dem Landwirtschaftsanpassungsgesetz
gegründeten Agrargenossenschaften, GmbH oder Aktiengesellschaften
verfügten im Schnitt über 807 ha. Aber auch die vor 20 Jahren in
Ostdeutschland als "Wiedereinrichter" gestarteten Landwirte
bewirtschafteten mit 83 ha im Mittel immer noch ein mehr als zweimal so
großes Areal wie ihre Berufskollegen im früheren Bundesgebiet. Die
durchschnittliche Flächenausstattung der Betriebe in Ostdeutschland mit
226 ha stellt laut Egeler auch im EU-Vergleich eine Größe dar, die eine
hohe Effizienz bei der Bewirtschaftung zulässt. Aber selbst die in der
Regel deutlich kleineren Betriebe in Bayern und Baden-Württemberg lägen
im Mittel noch über dem EU-Schnitt von 14 ha. Einschränkend wies der
Bundesamtspräsident darauf hin, dass die Mitgliedstaaten die
Erfassungsgrenzen für die Landwirtschaftszählung innerhalb einer
vorgegebenen Spanne selbst festlegen könnten.
Die Hälfte Haupterwerbsbetriebe
Bei 91 % der Landwirtschaftsbetriebe im Bundesgebiet handelt es sich
nach den Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2010 um
Einzelunternehmen, die zusammen zwei Drittel der gesamten Agrarfläche
auf sich vereinen. Lediglich 7 % der Betriebe werden als
Personengesellschaften organisiert und 2 % in der Rechtsform
juristischer Personen geführt. Rund die Hälfte aller
landwirtschaftlichen Einzelnunternehmen wirtschaftet im Haupterwerb,
wobei dies aber auf nur gut ein Drittel der Höfe mit weniger als 50 ha
zutrifft. Während in Schleswig-Holstein, den Stadtstaaten und in
Niedersachsen fast zwei Drittel der Einzelunternehmer ihr
Jahresnettoeinkommen überwiegend aus der
Landwirtschaft beziehen, gilt
dies in Hessen und im Saarland nur für etwa ein Drittel der Landwirte.
In Bayern halten sich Haupterwerbsbetriebe auf der einen und Neben-
sowie Zuerwerbsbetriebe auf der anderen Seite die Waage.
Im Schnitt 87 Rinder und 459 Schweine
Insgesamt 216.100 Landwirte in Deutschland hielten zum
Erhebungszeitpunkt Nutztiere; dabei hat sich gut die Hälfte aller
Tierhalter auf eine Nutztierart spezialisiert. Erfasst wurden zum 1.
März 2010 insgesamt 144.900 Betriebe mit Rinderhaltung mit zusammen 12,5
Millionen Tieren, womit im Mittel 87 Rinder gehalten wurden. Rund 70 %
der Betriebe mit Milchvieh hatten Bestände von weniger als 50 Kühen; auf
sie entfielen 34 % aller bundesweit gehaltenen Milchkühe. Bestände mit
100 und mehr Milchkühen hielten nur 8 % der Betriebe; aber auch sie
brachten es in der Summe auf ein Drittel aller Milchkühe in Deutschland.
Schweine wurden am 1. März 2010 von 60 100 landwirtschaftlichen
Betrieben gehalten. Der Gesamtbestand belief sich auf 27,6 Millionen
Schweine; das waren je Betrieb durchschnittlich 459 Tiere. In den 19.800
Betrieben, die ausschließlich Schweine als Nutzvieh hielten, standen
mit 851 Stück im Mittel deutlich mehr Tiere. Der Anteil der Betriebe mit
1.000 und mehr Schweinen lag 2010 bei etwa 15 %; sie brachten es
zusammen auf einen Bestand von 17,5 Millionen Schweinen. Im Gegensatz
dazu kamen die 42 % der Höfe, die weniger als 50 Schweine hielten, nur
auf einen Anteil von 1 % am Gesamtbestand.
Geflügelbestand viermal so hoch
Geflügelhaltung wurde in
Deutschland zum Zeitpunkt der Erhebung von 60.500 Landwirten betrieben.
Ihre durchschnittliche Tieranzahl lag bei 2.100 Stück. In reinen
Geflügelbetrieben war der Bestand im Mittel viermal so hoch. Fast die
Hälfte des gesamten Legehennenbestands wurde im März 2010 von Betrieben
mit 100.000 oder mehr Tieren gehalten.
Bayern zählt die meisten Biobauern
An Bedeutung gewonnen hat der Ökolandbau: 2010 gab es deutschlandweit
rund 16.500 Ökobetriebe; das waren 19 % mehr als 2007. Die meisten
Biobauern finden sich in Bayern, nämlich 5.700. Relativ betrachtet liegt
Mecklenburg-Vorpommern mit einem Anteil von 15 % vorn; bundesweit sind
es 6 % der landwirtschaftlichen Betriebe, die ökologisch wirtschaften.
Von der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche wurden im März 2010
rund 5 % ökologisch bewirtschaftet; weitere 0,5 % befanden sich damals
in der Umstellung. Zusammen entsprach das einem Areal von 941.500 ha.
Immer mehr Energiewirte
Wie die Erhebung außerdem zeigte, sind die deutschen Landwirte zunehmend
auch als Energiewirte tätig. Bereits 37.400 Betriebe haben dieses
Zukunftsfeld für sich entdeckt. Der Schwerpunkt für diesen Betriebszweig
liegt laut Statistischem Bundesamt im Nordwesten und im Süden
Deutschlands. Am häufigsten waren dabei Investitionen in die
Solartechnik; weniger häufig anzutreffen sind in der Hand der Landwirte
Windkraft- und Biogasanlagen.
Zahl der Arbeitskräfte weiter gesunken
Von März 2009 bis Februar 2010 waren dem Statistischen Bundesamt zufolge
rund 1,1 Millionen Arbeitskräfte in der heimischen Landwirtschaft
tätig. Im Vergleich zu 2007 ist ihre Anzahl um 6 % zurückgegangen. Mit
einem Anteil von 52 % stellten Familienarbeitskräfte nach wie vor klar
den Hauptteil; ihre Anzahl sank allerdings um 14 %. Zu 31 % wurde der
Arbeitskräftebedarf im genannten Zeitraum von Saisonarbeitern gedeckt,
deren Zahl sich um 1 % erhöhte. Spürbar zugenommen hat gemäß der
amtlichen Statistik die Zahl der dauerhaft angestellten Arbeitskräfte,
nämlich um 6 %. Allerdings waren anteilsmäßig im März 2010 nur 18 %
Arbeitskräfte in der
Landwirtschaft dauerhaft angestellt. Die
Arbeitsleistung der voll- und teilzeitbeschäftigten Arbeitskräfte
entsprach insgesamt 545.500 Arbeitskräfte-Einheiten, wovon 61 % auf
Familienarbeitskräfte, 29 % auf ständig angestellte Beschäftigte und 10 %
auf die Saisonarbeitskräfte entfielen.
AgE
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