Sonntag, 26.05.2013
BfR: Antibiotikaeinsatz in Tierproduktion bedenklich
Das Bundesinstitut für Risikobewertung ist von Funden antibiotikaresistenter Keime auf Hähnchenfleisch nicht überrascht. Dennoch empfiehlt es, den Einsatz von Humanantibiotika in der Tierproduktion zu überprüfen.
Nachdem die Grillsaison nicht zufriedenstellend verlaufen ist, hofft man jetzt auf den Absatz auf Volksfesten.
© siepmannH/pixelio
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat bei einer Stichprobe auf zehn von 20 gekauften Fleischproben ESBL-Keime gefunden, zwei Proben waren mit MRSA-Keimen belastet. "Der Fund von derartigen resistenten Keimen auf Hähnchenfleisch ist keine neue Erkenntnis", erklärt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).
Bereits 2009 sei im Rahmen des Zoonosen-Monitoring auf 22,3 Prozent der
Hähnchenfleischproben und auf 42,2 Prozent der Putenfleischproben MRSA
nachgewiesen worden. Auch Fleisch von Schweinen (15,8 Prozent) und
Kälbern (12,9 Prozent) war mit MRSA belastet.
Infektion von Menschen über Lebensmittel möglich
Da
ESBL-bildende Bakterien auch in Nutztierbeständen nachgewiesen wurden,
ist eine Infektion von Menschen mit ESBL-bildenden Erregern über
Lebensmittel nach Ansicht des BfR möglich. (ESBL-bildende Bakterien können einige Antibiotika, wie Penicilline und
Cephalosporine der 3. und 4. Generation durch Enzyme zerstören und sind
dadurch gegen diese Wirkstoffe unempfindlich. )Wie bedeutend der Beitrag der
Infektionsquellen Lebensmittel, Nutz- und Haustiere sowie der Bereich
Nutztierbestände in der
Landwirtschaft für die ESBL-Problematik bei
Erkrankungen des Menschen ist, lässt sich aus den bisher vorliegenden
Daten nicht abschätzen.
Aus den vorliegenden molekularbiologischen
Erkenntnissen ist aber bereits jetzt abzuleiten, dass ein
Gesundheitsrisiko für den Menschen von ESBL-bildender Bakterien aus der
Tierhaltung besteht. Eine besondere Problematik liegt in der
Übertragbarkeit der Gene für die Antibiotikaresistenz zwischen
verschiedenen Bakteriengruppen. Resistenzgene, die über harmlose
Darmbewohner in den Darm des Menschen gelangen, können dort auf andere
Keime übertragen werden, die dann im Falle von Infektionen schwerer zu
behandeln sind.
Anwendung von Human-Antibiotika in der Tierproduktion hinterfragen
Das BfR begrüßt das Maßnahmenpaket, das von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner
vorgestellt wurde und empfiehlt die Anwendung von Antibiotika,
insbesondere von Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die
Humanmedizin, in der Tierproduktion kritisch zu hinterfragen. Haltung
und Management der Tierbestände müssen so verbessert werden, dass die
Tiere gesund bleiben und eine Behandlung nicht erforderlich ist. Die
Methoden der Schlachtung müssen so weiterentwickelt werden, dass die
Übertragung von Keimen von den Tieren auf die Lebensmittel verringert
wird.
Den Verbrauchern empfiehlt das BfR, Fleisch nur gut durcherhitzt
zu verzehren und durch Beachtung der Regeln der Küchenhygiene eine
Übertragung von Keimen auf andere Lebensmittel zu verhindern.
Verbände weisen darauf hin, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung bereits stark rückläufig sei. Mehr Reaktionen lesen Sie hier ...
pd
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