Putenfleisch ist häufig mit antibiotikarestistenten Keimen belastet. Das war das Ergebnis des Zoonosen-Monitorings von 2010. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Ergebnisse bewertet.
In Putenfleisch wurde ein Erreger entdeckt, der bereits in mehreren europäischen Staaten zu Erkrankungen bei Menschen geführt hat.
© landpixel.de
Im Zoonosen-Monitoring 2010 lag der Schwerpunkt auf Puten und Putenfleisch. Das Ergebnis: Antibiotikaresistente Bakterien kommen häufig entlang der Lebensmittelkette vor. Putenfleisch war mit Salmonellen, Campylobacter und Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) belastet, die häufig resistent gegen Antibiotika waren.
"Die Keime stammen ursprünglich aus der Tierhaltung und werden während des Schlachtprozesses und der Weiterverarbeitung auf das Fleisch übertragen", erklärt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.
Das BfR hat 3.748 Isolate von Proben aus Puten-, Hähnchen- und
Mastkälberbeständen sowie Putenfleisch, Rohmilch und Eiern untersucht.
Bei der Resistenztestung der Keime wurde deutlich, dass es große
Unterschiede zwischen den Tiergruppen und Lebensmitteln hinsichtlich der
Belastung mit antibiotikaresistenten Bakterien gibt:
Mehr als 90 Prozent der
E. coli-Isolate aus Puten-, Hähnchen- oder Mastkälberbeständen sowie aus
Putenfleisch waren gegen mindestens eine, häufig auch mehrere
Antibiotikasubstanzklassen resistent.
Dagegen waren E. coli aus Rohmilch
oder aus Legehennenbeständen seltener resistent (24 bzw. 40 Prozent). Ebenso
waren Salmonellenisolate aus Masthähnchenbeständen im Vergleich zu denen
aus Putenbeständen seltener resistent.
Im Vergleich zum Vorjahr wurde für E. coli und Salmonellen bei
Legehennen-, Masthähnchen- und Mastkälberbeständen und Putenfleisch ein
Anstieg oder zumindest gleichbleibende Resistenzraten gegenüber bestimmten Antibiotika ermittelt.
Im Putenfleisch wurde zudem ein besonders
resistenter Stamm von Salmonella Kentucky gefunden.
Dieser Stamm hat in mehreren europäischen Mitgliedstaaten zu
Erkrankungen bei Menschen geführt und weist eine hochgradige und stabile
Resistenz auf.
Die Ausbreitung einiger dieser Keime kann erhebliche Auswirkungen auf das Gesundheitsweisen haben, weil sie für die menschliche Therapie eingesetzt werden.
MRSA bei Tieren: Geringe Rolle bei der Ausbreitung
Das Vorkommen von
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) in den Tierbeständen
führt insbesondere für Beschäftigte in der Tierhaltung zu einer
häufigen Besiedlung mit MRSA. Die Rolle der aus diesen Tieren erzeugten
Lebensmittel für die Ausbreitung der nutztierassoziierten MRSA ist nach
derzeitiger Einschätzung des BfR jedoch aufgrund der meist niedrigen
Keimzahlen gering.
Resistente Erreger in der Tierproduktion können vor allem über den
Kontakt mit Tieren sowie über kontaminierte Lebensmittel tierischen und
pflanzlichen Ursprungs zum Verbraucher gelangen.
Zoonosen: Vom Tier auf den Menschen und umgekehrt
Zoonosen sind Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragen
werden können oder umgekehrt. Im Zoonosen-Monitoring werden nach einem
Stichprobenplan in jährlich wechselnden Programmen gezielt wichtige
Bereiche der Lebensmittelproduktion auf das Vorkommen von
Zoonoseerregern untersucht. Der Plan für das seit 2009 jährlich
stattfindende Monitoringprogramm wird vom BfR erstellt und mit den
Behörden des Bundes und der Länder abgestimmt. Er schreibt neben Art und
Umfang der Probennahme auch die anzuwendenden Untersuchungsverfahren
vor, so dass ein Höchstmaß an Vergleichbarkeit zwischen den
Bundesländern und über die Jahre erzielt wird.