Dienstag, 22.05.2012
Bio
| 20.02.2011
Alle deutschen Bio-Anbauverbände im Überblick
München - Die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland wuchs 2010 um 5,7 Prozent auf über eine Million Hektar. Die Zahl der Betriebe stieg um 5,4 Prozent auf 22.200, davon waren über die Hälfe im Verband.
Was kommt alles auf einen zu, wenn man auf Bio umstellen möchte? Diese Fragen beantwortet der Anbauverband Bioland in vier Seminaren.
© Mühlhausen/landpixel
1. Bioland (Mainz)
5.443 Betriebe, 267.144 Hektar Anbaufläche
Bioland ist der größte Bio-Anbauverband in Deutschland, sowohl was die
Zahl der Betriebe angeht als auch die Größe der Anbaufläche. 1971
gründeten zwölf Gleichgesinnte den Verein bio-gemüse e.V., den
Vorläufer von Bioland. Schon früh wurden die Schwerpunkte "geschlossene
Produktionskreisläufe" und "Vermarktungsstrategien" gelegt. Bei Bioland
sind Betriebe aller Produktionsrichtungen vertreten. Neben
5.443 Biobauern arbeiten auch 922 Lebensmittel-Verarbeiter wie Bäckereien,
Metzgereien, Molkereien, Brauereien, Mühlen, Restaurants,
Safthersteller nach den Bioland-Richtlinien. Bioland-Produkte sind in
Hofläden, auf Wochenmärkten, in Naturkostgeschäften, in Supermärkten
und über Lieferservice erhältlich. Der Verband hat über 70 Berater, die
vor Ort bei Fragen der Betriebsentwicklung, Umstellung und
Spezialfragen zur Verfügung stehen sowie Unterstützung bei
Antragstellung, betrieblicher Dokumentation, Einhaltung Cross
Compliance Vorschriften oder den GlobalGap Auflagen bieten. Der
Erfahrungsaustausch der Mitglieder findet in bundesweit ca. 200
Regional- und Fachgruppen statt. Bioland hat Ansprechpartner in acht Bundesländern sowie Interessenvertretungen in
Berlin und Brüssel.
Präsident: Thomas Dosch
Webseite: www.bioland.de
2. Biopark (Güstrow)
571 Betriebe, 133.055 Hektar Anbaufläche
Biopark e.V. ist der größte Bio-Anbauverband in
Mecklenburg-Vorpommern, woe er 1991 von 16 Betrieben gegründet wurde.
Inzwischen gehören ihm fast 700 Mitglieder in 15 Bundesländern an.
Neben den knappe 600 landwirtschaftlichen Unternehmen zählen auch 100
verarbeitende Betriebe (Fleischer, Bäcker, Molkereien etc.) dazu. Die Biopark-Richtlinien - die identisch
sind mit denen von Bioland oder Naturland - sehen vor, dass nur
ökologisches Saatgut verwendet wird. Die Bodenfruchtbarkeit soll durch
den Einsatz betriebseigenen Düngers sowie vielfältige Fruchtfolgen und
Leguminosenanbau erhöht werden. Die Anwendung gentechnisch veränderter
Organismen (GVO) und GVO Derivate ist nicht erlaubt.
Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel (Fungizide, Pestizide,
Insektizide, Herbizide) sind ebenfalls nicht gestattet. Die artgerechte
Tierhaltung wird groß geschrieben: Tiere bekommen Weidegang und
betriebseigenes Futter, hingegen sind Leistungsförderer und
Futtermittel tierischer Herkunft nicht zugelassen. Die
Hauptproduktionsrichtungen der Biopark-Betriebe sind: Mutterkuh- und
Mutterschafhaltung, Schweine- und Geflügelmast, Landschaftspflege mit
Nutztieren und Anbau von Marktfrüchten. Die Bio-Anerkennung der
Unternehmen erfolgt nach zweijähriger Umstellungszeit, wenn alle
Voraussetzungen erfüllt sind. Zu den Besonderheiten dieses Verbandes
gehört die enge Partnerschaft mit dem NABU und dem BUND. Auf Initiative
von Biopark wurde die erste Gentechnik freie Region in Deutschland
gegründet.
Geschäftsführerin: Dr. Delia Micklich
Webseite: www.biopark.de
3. Naturland (Gräfelfing bei München)
2.441 Betriebe, 125.504 Hektar Anbaufläche
Naturland gehört zu den größten ökologischen
Anbauverbänden weltweit, über 55.000 Bauern gehören ihm an und bewirtschaften knapp 462.000 Hektar Fläche. Seine
Wurzeln liegen in Gräfelfing bei München, wo sich Naturland 1982 gegründet
hat. Seither gab der bayerische Verband Impulse in den verschiedensten Bereichen: ökologische Aquakultur, Forstwirtschaft,
Textil- und Kosmetikherstellung, Entwicklung von Sozialstandards und faire Handelspartnerschaften.
Ökologischer
Landbau nach den Naturland-Richtlinien beruht auf einer ganzheitlichen
systemorientierten Betrachtung. Das internationale Engagement von Naturland begann 1986. Ein wichtiger Impuls kam vom gepa
Fairhandelshaus, das für seine Projekte in Entwicklungsländern einen
kompetenten Öko-Anbauverband suchte und sich für Naturland entschied.
Heute arbeiten Bauern in Afrika, Amerika oder Asien nach den Naturland
Richtlinien. Naturland mischt in verschiedenen Gremien mit: von den Ländesvereinigungen des Öko-Landbaus in Deutschland bis hin zu
Arbeitsgruppen der Welternährungsorganisation (FAO) im Bereich der
ökologischen Aquakultur. Der Verband verfügt über ein bundesweites und
teilweise internationales Beratungsnetzes.
Geschäftsführer: Steffen Reese
Webseite: www.naturland.de
4. Demeter (Darmstadt)
1.387 Betriebe, 66.247 Hektar Anbaufläche
Der Anbauverband steht für die biologisch-dynamische
Landbewirtschaftung, die als älteste ökologische und nachhaltigste Form
des Landbaus gilt. Selbst hergestellte, feinstofflich wirkende
Präparate aus Mist, Heilpflanzen und Mineralien sollen dazubeitragen, dass die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig gefördert wird und die
Humusschicht kontinuierlich wächst. Die biologisch-dynamische
Landbewirtschaftung gibt es seit 85 Jahren und geht auf Impulse des Antroposophen
Rudolf Steiner zurück. In Deutschland bewirtschaften knapp 1.400
Landwirte über 60.000 Hektar Fläche auf diese Weise. Zum Demeter e. V.
gehören noch etwa 330 Demeter-Hersteller und –Verarbeiter sowie
Vertragspartner aus dem Naturkost- und Reformwaren-Großhandel. Als
internationale Bio-Marke ist Demeter auf allen Kontinenten vertreten.
Von Argentinien bis Ungarn wird in über 40 Ländern von etwa 4.300
Bauern auf rund 130.000 Hektarn Fläche nach den konsequenten
Demeter-Richtlinien anerkannt biologisch-dynamisch gewirtschaftet. Der
weltweite Umsatz mit Demeter-Produkten wird auf rund 220 Millionen Euro
geschätzt. Wer auf bio-dynamisch umstellen will, bekommt Beratung und Unterstützung in den
Landesarbeitsgemeinschaften und hat gerade im Bereich Milch und
Getreide gute Vermarktungsmöglichkeiten.
Geschäftsführer: Stephan Illi
Webseite: www.demeter.de
5. Gäa (Dresden)
342 Betriebe, 33.799 Hektar Anbaufläche
Gäa (altgriechisch "Urmutter Erde") hat sich kurz vor der Wende 1989
aus einer alternativen Umweltbewegung heraus in Dresden gegründet. Im
Juni 2009 wurde in Vachdorf/Thüringen – im Ökozentrum Werratal - das
20jährige Jubiläum gefeiert. Der Verband, der großen Wert auf
Regionalität legt, hat sich bis heute insbesondere in Ostdeutschland
für den Strukturaufbau im Öko-Landbau eingesetzt. Gäa ist Mitglied bei
EkoConnect, dem Internationalen Zentrum für Mittel- und Osteuropa und
setzt sich für den Know-How Transfer der ökologischen Landwirtschaft
auch in diesen Gebieten ein. Dem Verband sind über 300
landwirtschaftliche Unternehmen sowie etwa 20 Unternehmen aus
Verarbeitung und Handel angeschlossen. Die strengen Richtlinien
beinhalten auch Auflagen zum Naturschutz und soziale Kriterien, die
jährlich auf jedem Betrieb mit kontrolliert werden. Gäa-Berater
betreuen die Mitgliedsbetriebe und beraten während der Umstellungszeit.
Bundesvorsitzende: Kornelie Blumenschein
Webseite: www.gaea.de
6. Biokreis (Passau)
872 Betriebe, 35.304 Hektar Anbaufläche
Der Biokreis entstand 1979 aus einer Verbraucherbewegung heraus im
ostbayerischen Passau. Gründer des Verbandes waren neben Heinz Jacob
einige engagierte und ernährungsbewusste Verbraucher, die sich mit den
Themen "gesunde Ernährung" und "Ökologischer Landbau" befassten. Mit
der Idee, Landwirte und später auch Verarbeiter zu einer ökologischen
Betriebsweise zu motivieren und sich mit diesen gemeinsam in einem
Verband zu organisieren, war der Grundstein für den Biokreis gelegt.
Aktuell sind 872 landwirtschaftliche Betriebe, 80 Verarbeiter und
200 Verbraucher hier organisiert. Der Verband setzt auf Regionalität, d.h. in überschaubaren Dimensionen soll die Zusammenarbeit aller Beteiligter
nach ökologischen Grundsätzen gefördert und die ursprünglich bäuerliche
Landwirtschaft auf der Basis des ökologischen Landbaus lebensfähig
erhalten werden. Ein weiteres Anliegen des Verbandes: Verbraucher über
ökologischen Landbau, gesunde Ernährung und Lebensweise informieren.
Der Biokreis orientiert sich an einer ökologischen, standortangepassten
und bäuerlichen Landwirtschaft, artgerechten Haltungsformen sowie einer
nachhaltigen und naturnahen Wirtschaftsweise.
Geschäftsführer: Sepp Brunnbauer
Webseite: www.biokreis.de
7. Verbund Ökohöfe (Wanzleben bei Magdeburg)
162 Betriebe, 19.334 Hektar Anbaufläche
Den Verbund Ökohöfe gibt es seit 1989. Anfangs gehörte er für kurze
Zeit zu Gäa, heute arbeitet der sachsen-anhaltinische Verbund eng mit Demeter zusammen. Die
Ökohöfe haben strenge Auflagen für ihre landwirtschaftlich und gärtnerisch arbeitenden Mitglieder: Im Gemüsebau ist beispielsweise die
Verwendung von Kupfer untersagt - ein Anliegen, dass der Verbund auch
auf großer politischer Ebene durchsetzen möchte. Bei gärtnerischen Kulturen muss der Abstand zu einer
Autobahn mindestens 100 Meter betragen, zu einer Landstraße 30 Meter.
Ferner darf kein Stalldung aus konventioneller Landwirtschaft
ausgebracht werden, da dort Rinder häufig mit gentechnisch
verändertem Soja gefüttert werden. Siedlungskomposte sind ebenfalls
ausgeschlossen. Darüber hinaus ist der Einsatz der Nano-Technologie
ebenso untersagt, wie die Aussaat von Roggen-, Weizen- und
Gerstenhybriden - darin sieht der Verbund eine Art kleine Gentechnik.
Um die Imkerei in
Deutschland zu sichern, hat der Verbund einen Forderungskatalog
entwickelt. Die Ökohöfe sind bundesweit vertreten, hauptsächlich jedoch in den
neuen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Zusätzlich zu seinem regulären Richtlinien bietet der
Verbund die Zertifizierung "Gentechnik frei" an. Die Grundlage der Arbeit von Verbund Ökohöfe bilden die jeweils aktuellen Richtlinien für Erzeugung, Verarbeitung und besondere Bereiche der Landwirtschaft, wie z.B. Imkerei, Pilzzucht und Teichwirtschaft.
Geschäftsführer: Jürgen Hartmann
Webseite: www.verbund-oekohoefe.de
8. Ecoland (Wolpertshausen)
41 Betriebe, 2.074 Hektar Anbaufläche
Im Jahr 1997 wurde Ecoland von Hohenloher Bio-Bauern gegründet. Ziel
war es, einen ökologischen Anbauverband zu schaffen, der naturgemäßen
Landbau im Sinne des Natur- und Umweltschutzes, des Erhaltes der
Kulturlandschaft und der Stärkung des ländlichen Raumes fördert. Von
Anfang an ging es darum, ohne Ideologien und Dogmen zu arbeiten,
stattdessen standen der Praxisbezug, der Dialog mit den Bauern und die
Offenheit für wissenschaftliche Erkenntnisse im Vordergrund. Ziel von
Ecoland: Nicht der Ertrag soll maximiert, sondern die Gesamtleistung
des Betriebes optimiert werden. Für tierische Produkte bietet der
Verband Absatzmöglichkeiten über die Bäuerliche
Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und für pflanzliche Produkte über
die Erzeugergemeinschaft Hohenloher Höfe an. Für seine Mitglieder
stehen fachliche Beratung und Betreuung sowie Weiterbildung auf dem
Gebiet des ökologischen Landbaues auf dem Programm. Leitbild ist ein
möglichst geschlossener Betriebskreislauf. Das heißt:
Ackerbau und
Viehhaltung sind aneinander gekoppelt und die Tierzahl flächenabhängig
begrenzt. Pflanzenschutzmittel und mineralischer Stickstoffdünger sind
nicht erlaubt. Gentechnik ist verboten. Seit mehreren Jahren gibt es auch die Ecoland Herbs & Spices GmbH, sie bieten Kräuter und Gewürze aus vier unterschiedlichen Klimazonen der Welt in ökologischer Qualität an. Dazu wurden lokale Erzeugergruppen gegründet, bestehend aus bäuerlichen Familienbetrieben und Kleinbauernkooperativen, die in weitgehend unberührten Regionen, fernab der großen Industriezentren, Kräuter und Gewürze nach alten traditionellen Methoden anbauen und aufbereiten. Für den Anbau werden ausschließlich die aromatischen, traditionellen Landsorten verwendet, die ansonsten oftmals vom Aussterben bedroht sind. Ecoland hat einen Webshop, über
den Fleisch, Wurst und Schinken, Naturgewürze, Senf und Geschenkkörbe
bestellt werden können.
Vorstand: Rudolf Bühler
Webseiten: www.ecoland-verband.de, http://shop.besh.de/
9. Ecovin (Oppenheim)
215 Betriebe, 1.450 Hektar Anbaufläche
Ecovin ist der größte ökologische Wein-Anbauverband weltweit. Gegründet wurde er 1985 von 35 Gleichgesinnten. Heute ist
er mit 215 Mitgliedsbetrieben, die 1.450 Hektar Rebfläche in 10
deutschen Anbaugebieten bewirtschaften, der größte Zusammenschluss
ökologisch arbeitender Weingüter in Deutschland. 2002 erreichte Ecovin ein
Erntevolumen von rund 6 Millionen Liter. Der Bundesverband hat
seinen Sitz in Oppenheim, darüberhinaus gibt es noch Regionalverbände
in den Anbaugebieten. Chemisch-synthetische Spritzmittel (Fungizide,
Herbizide, Insektizide) und Düngemittel sind nicht erlaubt. Gedüngt
wird mit Kompost und Grünsaaten. Groß geschrieben wird die Erziehung
gesunder, widerstandsfähiger Pflanzen. Darüberhinaus sollen
schadstoffarme Rohstoffe verwendet und geschlossene
Produktionskreisläufe angestrebt werden. Genmanipulierte Pflanzen
werden abgelehnt. Ökologisch arbeitende Winzer müssen durch den
erhöhten Arbeitsaufwand und die geringeren Ernteerträge mit rund 30
Prozent Mehrkosten rechnen. Erzeuger, die ihre landwirtschaftlichen
Produkte als Bio-Produkte bezeichnen und vermarkten wollen, müssen sich
einem Kontrollverfahren nach der EG-Öko-Verordnung 2092/91 unterziehen.
Bei Zugehörigkeit zu einem Öko-Anbauverband kommt eine weiterführende
Kontrolle auf Einhaltung der gültigen, noch strengeren
Verbands-Richtlinien hinzu.
Vorsitzende: Lotte Pfeffer-Müller, Geschäftsführer: Ralph Dejas
Webseite: www.ecovin.de
Diese Aufstellung basiert auf der Veröffentlichung "Zahlen, Daten,
Fakten: Die Bio-Branche 2011" des BÖLW - Bund ökologische
Lebensmittelwirtschaft, der die Betriebszahlen zum 1. Januar 2011
abfragte. Weitere Quellen: Verbands-Webseiten. (Gudrun Zercher)
Die Chefs der deutschen Bio-Anbauverbände 2011 (17.02.2011)
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