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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Wirtschaft » Bio-Diesel ]
Dienstag, 22.05.2012
Wirtschaft | 30.12.2011 Redaktion agrarheute.com

Keine rosigen Aussichten für die EU-Biodieselindustrie

Berlin - Die Aussichten für die europäische Biodieselindustrie sind alles andere als rosig; der Branche dürfte eine schmerzhafte Anpassung ihrer Kapazitäten an die realen Absatzmöglichkeiten bevorstehen.
Drei Prozent der weltweiten Ackerfläche wird für die Produktion von Energiepflanzen genutzt.© Mühlhausen/landpixel
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Drei Prozent der weltweiten Ackerfläche wird für die Produktion von Energiepflanzen genutzt.
© Mühlhausen/landpixel
Diese Schlussfolgerung geht aus einem Bericht des Beratungsunternehmens Ecofys zu den internationalen Biodieselmärkten hervor, der im Auftrag der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) erstellt worden ist und der im Wesentlichen auf den Ergebnissen einer Studie des Bioenergieexperten Patrick Lamers zum Zusammenspiel der Politik- und Marktfaktoren auf den internationalen Bioenergiemärkten basiert.
 
In dem Ecofys-UFOP-Bericht stellen die Autoren fest, dass sich die Biodieselherstellung in der EU-27 von 4,89 Mio t im Jahr 2006 auf 9,57 Mio t im Jahr 2010 fast verdoppelt hat, sich die zugrunde liegenden Produktionskapazitäten aber seit 2006 mehr als verdreifachten, und zwar auf 22,12 Mio t.

Trotz der schlechten Auslastung wächst der Angebotsdruck

Hochrechnungen zufolge dürfte die Gemeinschaft dieses Jahr gut 2,4 Mio t Biodiesel aus Drittstaaten beziehen, darunter fast 1,25 Mio t aus Argentinien und etwa 900 000 t aus Indonesien. Die Experten gehen davon aus, dass die Lieferungen von Biodiesel in die EU noch zunehmen werden. Die Margen der europäischen Biodieselhersteller dürften deshalb unter den bestehenden Politiken - überwiegend Beimischungsverpflichtungen - gering bleiben, so dass komparative Kostenvorteile in Zukunft genutzt werden müssten. Dies werde zu einer Zunahme von Produktionskapazitäten an strategisch günstigen Standorten führen, die eine breite Basis an preiswerteren Inputstoffen einschließlich der Arbeitslöhne böten. Eine volle Ausnutzung der derzeitigen Produktionskapazitäten in der EU bleibe daher unwahrscheinlich.

Hafennähe entscheidend

Mögliche zukünftige Investitionen in die Infrastruktur und technische Ausrüstung in Osteuropa, sowohl in EU-Mitgliedstaaten als auch in Anrainerstaaten, könnten nach Ansicht der Fachleute aber dazu beitragen, die Versorgung mit wettbewerbsfähigen, in Europa angebauten Ölsaaten für die Biodieselherstellung zu steigern. In der Vergangenheit habe das größte Wachstum an Produktionskapazitäten in der EU entlang der Nordsee und den daran angeschlossenen Binnenschifffahrtswegen, insbesondere in Frankreich, Belgien, Deutschland und Großbritannien, festgestellt werden können. Diese Entwicklung habe im Wesentlichen auf den bereits bestehenden Strukturen der Ölsaatenverarbeitungsindustrie basiert, die ihre Biodieselanlagen direkt neben den Ölmühlen installiert hätten.
 
Im Laufe der Jahre habe diese Entwicklung dazu geführt, dass sich viele europäische Häfen, zum Beispiel Antwerpen in Belgien, Rotterdam und Amsterdam in den Niederlanden - verbunden mit Biokraftstoffanlagen entlang des Rheins - oder Hamburg in Deutschland zu strategischen Knotenpunkten für den Handel und die Produktion von Biokraftstoffen entwickelt hätten. Die Knotenpunkte deckten hierbei den Berichtsautoren zufolge den Import, die Mahlung, Produktion, Beimischung und den Reexport von Biokraftstoffen und ihrer Produktionsstoffe ab. Obwohl Reexporte grundsätzlich weltweite Destinationen haben könnten, dienten diese Zentren weitestgehend als Umschlagplätze zur Verteilung internationaler Importe innerhalb der EU.

Konsolidierung schon in Gang

Wie in dem Bericht außerdem dargelegt wird, zeigt das Biodieselproduktionsvolumen in der EU einen deutlichen Rückgang in der Anlagenauslastung von durchschnittlich noch rund 81 % im Jahr 2006 auf nur noch etwa 43 % im vergangenen Kalenderjahr. Als mögliche Ursachen für diese Überkapazitäten gelten nach Darstellung der Berichtsautoren die sehr attraktiven Marktbedingungen und die nur geringfügige Konkurrenz durch Biodieselimporte aus Übersee zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidungen, die Weiterentwicklungen beziehungsweise Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen im Laufe der Zeit, das relativ langsame Verbrauchswachstum - teilweise beeinflusst durch Nachhaltigkeitsabwägungen - und schließlich die Probleme bei der Wirtschaftlichkeit der Anlagen aufgrund einer zunehmenden Kluft zwischen Biodieselpreisen und Produktionskosten.
 
Die Überkapazitäten hätten in der EU bereits zu einer Konsolidierung der Branche geführt. Die Wettbewerbsintensivierung habe sich vor allem auf kleinere, weniger vertikal integrierte und potentiell weniger effiziente, weiter verstreute Biodieselanlagen unter anderem in Deutschland, Österreich und Großbritannien ausgewirkt.

Iberische Biodieselindustrie destabilisiert

Die Biodiesel-Handelsbilanzen der einzelnen Mitgliedstaaten bezüglich der außer- und innereuropäischen Einfuhrmengen gestalten sich dem Ecofys-UFOP-Bericht zufolge sehr unterschiedlich. So bestehe die Biodieselversorgung in den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, Portugal und Italien zu einem großen Teil aus EU-externen Importen, wohingegen diese in der deutschen und französischen Handelsbilanz eine eher marginale Rolle spielten. Die Niederlande seien aufgrund der großen Raffineriekapazitäten für fossile Brennstoffe in Rotterdam und Amsterdam einer der größten Umschlagsplätze für Biokraftstoffe.
 
In den vergangenen Jahren hätten Importe aus Argentinien zu Preisen deutlich unterhalb der Gestehungskosten in Spanien und Portugal die dortige Biodieselindustrie destabilisiert, so die Autoren. Großbritannien habe traditionell eine liberale Handelspolitik und eine begrenzte inländische Produktion von Biodiesel. Die italienische Biodiesel-Politik verlange EU-weite Ausschreibungsverfahren, was die inländische Produktion einem EU-weiten Preiswettbewerb aussetze. In Frankreich sei die Ausschreibung beschränkt, was die Importströme bislang habe deutlich begrenzen können.
AgE
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