Im Energieforschungszentrum Niedersachsen in Goslar wurden am Montag die diesjährigen Förderpreise für die besten regionalen Konzepte zum Thema „Energie vom Acker“ übergeben. Veranstalter dieses bereits zum dritten Mal ausgelobten bundesweiten Wettbewerbes sind die Fachzeitschrift dlz agrarmagazin aus dem Deutschen Landwirtschaftsverlag und die Firma BayerCropSience Deutschland.
Die Teilnahme am Wettbewerb hat sich gelohnt: Landwirt Clemens von König aus Schladen-Beuchte (Landkreis Wolfenbüttel) nimmt symbolisch den 5.000-Euro-Scheck von dlz-Redakteur Karl Bockolt (2. von rechts) entgegen.
Was tun, wenn fast eine gesamte Gemeinde auf Abwärme aus einer Biogasanlage setzen will, die Bürger auch schon teilweise die Häuser umgerüstet haben, die Wärme aber nicht zur Verfügung gestellt werden kann? So geschehen in Schladen-Beuchte am südlichsten Rand des Landkreises Wolfenbüttel.
Ursache dieses Problems waren Differenzen zwischen einem Biogasanlagen-Investor und dem Gutsbesitzer Clemens von König. Die Biogasanlage steht bis heute nicht. Der Streit um viel Agrarkapital wird derzeit vor einem Gericht in Münster ausgetragen.
Kurzfristig umdisponiert
Der 38-jährige Ackerbauer (500 ha) sah sich gegenüber der Bevölkerung in der Verantwortung, disponierte kurzfristig um, gründete eine GmbH, setzte statt auf Biogas auf Holzhackschnitzel, ging hier ein Engagement mit der Deutschen Holz-energie Nord GmbH (Deho) ein und investierte 150.000 Euro in ein Holzheizkraftwerk. Auch das Nahwärmenetz berappte er aus eigener Tasche, insgesamt 650.000 Euro. Fast die Hälfte der 400 Einwohner des Dorfes im Vorharzgebiet bezieht die Wärme nun aus der Hackschnitzelheizung. Falls die Anlage bei tiefen Frostgraden nicht für genügend Wärme sorgt, springt eine Ölheizung an.
Das Engagement hat dem
Landwirt nicht nur viel Schulterklopfen und Anerkennung im Vorharzgebiet eingebracht, sondern er gewann zudem beim dlz-Bayer-Wettbewerb den zweiten Platz und bekommt neben einer Urkunde noch 5.000 Euro Preisgeld. Erster Gratulant war Samtgemeindebürgermeister Andreas Memmert: „Damit wird das Engagement des ganzen Dorfes gewürdigt, denn Beuchte soll nicht nur Bioenergiedorf werden, sondern sogar Zukunftsdorf. Nur so trotzen wir dem demographischen Wandel, nur so kann hier das Gemeindeleben aufrechterhalten werden.“
Bioenergie spielt auf dem Gutsbetrieb von König eine immer wichtigere Rolle. Auf den großen Dächern wird mittels einer 230-kW-Photovoltaik-anlage Strom produziert. Stolz ist der
Landwirt auch auf seine Kurz-Umtriebs-Plantagen. Das eine Pappel-Feld will er in ein paar Jahren beernten, auf dem anderen führt er selbst Versuche durch. „Ich habe ja auch etwas mehr Zeit, denn aus der Mastschweineproduktion im 1.000er Stall sind wir nach drei Jahren Minusgeschäft endgültig ausgestiegen“, zwinkert der hochgewachsene Landmann.
Die 700-kW-Biogasanlage
baut jetzt ein anderes Unternehmen. Sie wird vermutlich im Frühjahr 2010 ans Netz gehen und soll mit jährlich 5.000 m³ Schweinegülle aus einem Betrieb im nahen Sachsen-Anhalt sowie 8.000 t eigener Maissilage gefüttert werden. Dem Energiewirt schwebt allerdings auch schon vor, hier einen Teil seiner
Zuckerrüben zu verwerten.
Als Sieger aus dem Wettbewerb „Energie vom Acker“ ist der Junglandwirt Melf Hansen aus dem schleswig-holsteinischen Jerrishoe bei Flensburg hervorgegangen. In seiner Arbeit untersuchte er die Frage, ob der elterliche Hof mit derzeit 120 Kühen um 200 vergrößert werden oder ein Engagement in Biogas gesucht werden soll. Er entschied sich bei Milchpreisen von 18 Cent und vor allem aus arbeitswirtschaftlichen Gründen für Letzteres. Den dritten Platz belegte die Fachschule Rottalmünster aus dem Bayerischen Wald. Deren Schüler stellten ihr Projekt „Betriebsplanung Holzvergasungs- oder Hackschnitzelanlage“ vor.
Wer konnte teilnehmen?
An dem Wettbewerb beteiligen konnten sich Meisteranwärter sowie Schüler und Studenten, die den Abschluss staatlich geprüfte Landwirte/Agrarbetriebswirte anstreben oder eine Höhere Landbau- bzw. Technikerschulen absolvieren.
In der Jury wirkten außer Redakteuren des Monatsmagazins dlz agrarmagazin und Bayer-Mitarbeiter auch der
Landwirt und Strohpellets-Pionier Claus Meyer aus Hilgermissen bei Hoya mit, sowie Dr. Armin Vetter, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft und der Ökonom Prof. Dr. Friedrich Kuhlmann von der Uni Gießen.