Dienstag, 22.05.2012
Bio
| 15.12.2011
Bioskandal: Wieviel wusste das italienische Agrarministerium?
Raps und Soja sind nach bisherigen Erkenntnissen von italienischen Fälschern nach Deutschland geliefert worden. Es drängt sich der Verdacht auf, dass das italienische Landwirtschaftsministerium informiert war.
Biobauern, die ihre Tiere unwissentlich mit der falsch deklarierten Ware gefüttert haben, müssen mit wirtschaftlichen Einbußen rechnen.
© agrarpress
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sei das Landwirtschaftsministerium in Rom schon länger über den regen Handel mit gefälschter Bioware informiert gewesen, habe jedoch nichts dagegen unternommen.
Paolo Carnemolla, Chef des Ökoverbandes Federbio, sagt, dass das Ministerium mindestens seit vergangenem Herbst (2010) Bescheid gewusst habe. Dann nämlich, als die zuständige Ökokontrollstelle ihre Zertifizierung für das Bio-Unternehmen Sunny Land zurückgezogen habe. Trotz mehrfacher Anfragen des Bioverbandes sei kein Gespräch mit dem Landwirtschaftsministerium möglich gewesen. Pikant: Die Staatsanwaltschaft Palermo wirft dem damaligen Landwirtschaftsminister Francesco Saverio Begünstigung der Mafia vor. Ermittlungen laufen.
Umdeklarierter Raps und Soja geliefert
In dem Betrugsfall mit gefälschten Bioprodukten aus Italien sind
nach derzeitigem Kenntnisstand mehrere hundert Tonnen umdeklarierte
Soja- und Rapsfuttermittel geliefert worden.
Davon geht die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
(BLE) in Bonn aufgrund erster polizeilicher Auskünfte aus. Wie die BLE
mitteilte, liegen dazu noch keine abschließenden Daten aus dem
italienischen Agrarressort vor.
Für deutsche Biobauern, die für den Betrugsfall nichts können, könnte der Fall unangenehme Folgen haben: Schlimm genug, dass der Fall ein schlechtes Licht auf die Branche wirft und Verbraucherreaktionen zu befürchten sind. Mindestens genauso gravierend ist, dass Landwirte, die ihre Tiere mit dem entsprechenden Raps oder Soja gefüttert haben, ihre Waren nicht mehr als Bio verkaufen können. Wirtschaftliche Einbußen wären die Folge.
EU-Ausschuss berät über Konsequenzen
Auf
Druck mehrerer Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, wird sich
der Ständige EU-Ausschuss für den Ökologischen Landbau während seiner
Sitzung am kommenden Montag und Dienstag in Brüssel mit der Problematik
befassen. Ministerin
Aigner bekräftigte ihre Forderung, an die Zulassung
von Öko-Kontrollstellen höhere Anforderungen zu stellen. Hierzulande
soll der Bundesrat in Kürze über eine entsprechende Verschärfung der
Vorschriften beraten.
Wissenschafter der Universität Hohenheim hatten
erst vorige Woche anlässlich der Aufdeckung des Fälscherrings strengere,
einheitliche Kontrollen der Kontrollstellen empfohlen. Im Jahr 2010
wurde in Europa nach Branchenangaben ein Umsatz von 18,4 Milliarden Euro
mit Biowaren erzielt. Größter Markt war Deutschland mit fast sechs
Milliarden Euro vor Frankreich und Großbritannien
ez/pd/aiz
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