Dienstag, 22.05.2012
Landwirtschaft der Schlüssel für die Entwicklung Afrikas
Addis Abeba - Nur mit Hilfe einer verbesserten, angepassten Landwirtschaft lässt sich langfristig der Kampf gegen den immer wiederkehrenden Hunger in Afrika gewinnen.
Video: Ungenutzte Potenziale freilegen
"Wenn sich die Krisenregionen in Afrika wirtschaftlich erfolgreich und friedlich entwickeln sollen, ist die Landwirtschaft dafür der Schlüssel", sagte der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundeslandwirtschaftsministerin, Peter
Bleser bei der Geberkonferenz der Afrikanischen Union (AU) in der letzten Woche in Addis Abeba.
Die AU hatte zu dieser Konferenz eingeladen, um ihre Mitgliedsstaaten zur solidarischen Unterstützung von Hilfsmaßnahmen am Horn von Afrika aufzurufen. Die Bundesregierung habe zur Bewältigung der humanitären Katastrophe laut
Bleser frühzeitig und kontinuierlich Hilfen in Höhe von bisher mehr als 151 Millionen Euro bereitgestellt.
Die Soforthilfen zur Überlebenssicherung müssten mittel- und langfristig mit Maßnahmen der landwirtschaftlichen und ländlichen Entwicklung verbunden werden, um auf künftige Dürren besser vorbereitet zu sein und den Menschen eine wirtschaftliche Perspektive zu geben, sagte
Bleser vor den afrikanischen Regierungschefs. Landwirtschaftlich gebe es ein enormes Potential in Afrika, das noch weitgehend unausgeschöpft sei.
Landwirtschaft im Mittelpunkt
Bleser besuchte die Konferenz der AU im Rahmen einer Afrikareise, die
ihn nach Südafrika und Äthiopien führte. Er wurde von den Abgeordneten
des Deutschen Bundestages Johannes Singhammer (CSU) und Georg Schirmbeck
(CDU), von der Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe Bärbel
Dieckmann sowie einer deutschen Wirtschaftsdelegation begleitet. In
Äthiopien führte er Gespräche mit Premierminister Meles Zenawi, der
Kommissarin für Landwirtschaft der AU, Frau Rhodea Peace Tumusiime sowie
Vizelandwirtschaftsminister Mitiku Kassa.
Im Mittelpunkt der Reise stand die Eröffnung des durch das
Bundeslandwirtschaftsministerium geförderten landwirtschaftlichen
Weiterbildungsprojekts in Kulumsa.
In dem Land am Horn von Afrika arbeiten rund 85 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft.
Viele kleinbäuerlich mit Betriebsflächen von teils weniger als einem Hektar. 12,5 Millionen Hektar Ackerfläche werden bewirtschaftet - das Potenzial liegt bei 50 Millionen Hektar.
Um mitzuhelfen, das brachliegende Land nutzbar zu machen, legte das deutsche Landwirtschaftsministerium im Rahmen der Afrikareise den Grundstein für ein Agrarausbildungszentrum. Rund zwei Millionen Euro werden vom Bund in das Projekt investiert.
Ausbildung im Blickpunkt
In Kulumsa, rund 200 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Addis Abeba
sollen künftig äthiopische Fachkräfte in modernen landwirtschaftlichen
Produktionsverfahren, der Maschinenanwendung und in der
Unternehmensführung geschult werden. Technisches und fachliches Know-How
stellen acht namhafte Unternehmen, darunter Bayer Crop Science und
AGCO. Da im Moment nur eine Million Hektar der landwirtschaftlichen
Nutzfläche teilmechanisiert sind, liegt auch hier Potenzial für die
deutschen Unternehmen.
Mehr als 80 Prozent der äthiopischen Ausfuhren sind landwirtschaftliche
Produkte. Deutschland ist der wichtigste Exportmarkt, den Löwenanteil
der 108 Millionen Euro macht Kaffee aus. Der landwirtschaftliche Sektor
weist in den letzten Jahren Wachstumsraten von acht Prozent auf, soll
aber noch deutlich zulegen. Auch um Hungersnöten wie im Moment im Süden
des Landes besser vorbeugen zu können.
Chancen für beide Seiten
Zum Ende des Besuchs empfing der äthiopische Regierungschef Meles
Zenawi
die deutsche Delegation und diskutierte über eine Stunde lang über die
Zusammenarbeit der beiden Länder. Premierminister Zenawi unterstrich die
Bedeutung der bestehenden wirtschaftlichen Kooperation mit Deutschland
und hob insbesondere das Interesse am Ausbau der Zusammenarbeit im
Bereich Aus- und Weiterbildung sowie im Bereich erneuerbare Energien
hervor.
Äthiopien unternehme große Anstrengungen zur Wiederaufforstung, die
zum Klimaschutz und zur Erneuerung von Biomasse für die energetische
Nutzung beitragen soll. Er zeigte sich besonders interessiert an den
deutschen Know-how im Bereich der nachhaltigen Forstwirtschaft. Die
Kommissarin für Landwirtschaft der Afrikanischen Union lobte die große
deutsche Unterstützung für das afrikanische landwirtschaftliche
Entwicklungsprogramm (CAADP). Die deutsche Delegation wurde am Horn
von Afrika mit offenen Armen empfangen. Der politische und
wirtschaftliche Austausch birgt für beide Seiten Chancen und
Möglichkeiten.
hek/BMELV
BMELV-Delegation besucht Äthiopien (01.09.2011)
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