Bernburg-Strenzfeld - Wie wichtig die Fruchtbarkeit der Böden für einen erfolgreichen Ackerbau ist, kann man in diesem Jahr sehr gut an den extremen Witterungsbedingungen beobachten.
Auf vielen Standorten droht der Boden aus dem Gleichgewicht zu geraten und schleichend sein Ertragspotential zu verlieren. Das wurde auf der traditionellen Pflanzenbautagung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in Bernburg-Strenzfeld deutlich, bei der sich alles um das Thema "Humus und Bodenfruchtbarkeit" drehte. DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer hob hervor, dass man Abweichungen in den Beständen nicht nur als Folge verschiedener Produktionstechniken finde, sondern in gnadenloser Deutlichkeit auch durch Unterschiede in der Bodenfruchtbarkeit. Ganz entscheidend seien hier die Langfristwirkungen der Bodenbearbeitung, der Humuswirtschaft, der Fruchtfolgegestaltung und der Nährstoffversorgung. Bartmer machte deutlich, dass es jetzt gelte, mitunter "verschüttetes Wissen" zur Bodenfruchtbarkeit aufzuarbeiten und ungeklärte Sachverhalte intensiv zu untersuchen. Dazu werde auch das DLG-Pflanzenbauzentrum beitragen.
Anforderungen des Marktes für enge Fruchtfolgen verantwortlich
Der Landwirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Dr. Hermann Onko Aeikens, sieht in der Bodenfruchtbarkeit einen essenziellen Baustein zur Ertragssicherung. Sie sei schon deshalb zwingend notwendig, um die wachsende Weltbevölkerung ausreichend ernähren zu können. Als Risikofaktor für die Bodenfruchtbarkeit sieht der Präsident der Hochschule-Anhalt, Prof. Dieter Orzessek, die heute oft verengten Fruchtfolgen. In der Ausbildung der Ackerbauern werde immer wieder davor gewarnt, doch in der Praxis stünden oft die Anforderungen des Marktes und damit die Ökonomie und die Zukunftssicherung der Betriebe dagegen.
Enorme Flächenverluste
Prof. Olaf Christen von der Universität Halle-Wittenberg wies darauf hin, dass weltweit jährlich etwa 10 Mllionen Hektar Ackerfläche unter anderem durch Siedlungsbau und Verkehr verlorengingen. Auch gebe es deutliche Verluste durch Wind- und Wassererosion. Darüber hinaus gefährdeten Schadverdichtungen, eine mangelhafte Grunddüngung sowie der Abbau von Humus die Fruchtbarkeit der Böden. Christen bedauerte, dass der Humusgehalt im Boden nach wie vor nur schwer messbar sei und keine flächendeckenden Daten zur Verfügung stünden. Hier bestehe weiterhin enormer Forschungsbedarf. Nach den Worten des Wissenschaftlers muss man bei der Entwicklung von Böden in Jahrzehnten rechnen. Umso wichtiger sei es, die langfristigen Auswirkungen des Handelns zu erkennen und kritisch zu hinterfragen. Besondere Probleme sieht Christen dabei auf leichten und mittleren Standorten bei ausschließlicher mineralischer Düngung, einem hohen Hackfruchtanteil und flächendeckendem Strohverkauf.
Noch viele Unsicherheiten im Biogasbereich
Theodor Remmersmann von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen widmete sich der Humusreproduktion im Umfeld großer Biogasanlagen. Er räumte ein, dass die Humusbilanzierung nur ein grobes Hilfsmittel zur Einschätzung der Humusentwicklung sein könne. Im Hinblick auf das Bilanzierungsergebnis von Biogasfruchtfolgen seien durch die geringe Anzahl an Versuchsergebnissen immer noch Unsicherheiten vorhanden. Remmersmann warnte vor kritischen Humussalden beim alleinigen Anbau von Biogasmais. Erst ab Silomaiserträgen von mehr als 750 Dezitonnen je Hektar (dt/ha) werde ein positiver Beitrag zur Humusbilanz geleistet. Bei geringeren Erträgen finde hingegen meist ein Humusabbau statt.
Mit Zwischen- und Zweitfrüchten sowie Untersaaten könne die Situation aber deutlich entschärft werden. Gärreste könnten im Gegensatz zu Rinder- und Schweinegülle in ihrer Humuswirkung aufgrund ihrer Inhomogenität und fehlender Daten noch nicht abgeschätzt werden, betonte der Experte. Versuche hätten gezeigt, dass sie nach 100 Tagen erst zu 22 Prozent abgebaut seien. Dies bedeute, dass kurzfristig weniger organische Masse umgesetzt werde und dadurch langfristig mehr zur Verfügung stehe als bei Rinder- oder Schweinegülle. Diese These müsse jedoch noch durch weitere Versuche belegt werden.