Dienstag, 22.05.2012
Deutscher Bodenmarkt: Großinvestoren nur lokal tätig
Braunschweig - Die Aktivitäten nichtlandwirtschaftlicher Investoren auf dem deutschen Bodenmarkt haben in jüngerer Zeit nicht erkennbar zugenommen.
Das geht aus einer
Studie des Johann-Heinrich-von-Thünen-Instituts (vTI)
im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervor.
Darin kommen die Braunschweiger Wissenschaftler zu dem
Schluss, dass die meisten Investoren bereits in den neunziger
Jahren auf dem ostdeutschen Bodenmarkt aufgetreten seien.
Über neue Investoren gebe es kaum Erkenntnisse. Als "zahlenmäßig
sehr klein" charakterisieren die Autoren die Gruppe
der überregional ausgerichteten Investoren. Eine dominante
Stellung auf dem Bodenmarkt sei allenfalls lokal
festzustellen.
Große Heterogenität
Keine Rolle auf dem hiesigen Bodenmarkt spielten Fondsgesellschaften oder international agierende Großunternehmen. Eigenen Angaben zufolge haben die Wissenschaftler allerdings keine Informationen über dieVerbreitung von stillen Beteiligungen oder Anteilskäufen gewinnen können. Von der jeweiligen Interessenlage hängt laut Studie ab, wie das Engagement nichtlandwirtschaftlicher Investoren vor Ort bewertet wird.
Während ortsansässige Landwirte angesichts neuer Konkurrenz auf dem Bodenmarkt vielfach skeptisch seien, sähen die Verwaltungen den Kapitalzufluss zumeist positiv. Insgesamt erlaubt die Studie den Wissenschaftlern zufolge aufgrund der großen Heterogenität nichtlandwirtschaftlicher und überregional ausgerichteter Investoren und deren Verhalten nicht die Ableitung einfacher, pauschalisierender Aussagen. Dies gelte umso mehr, als die längerfristigen Auswirkungen auf Produktion, Beschäftigung, Agrarstruktur und dörfliche Entwicklung nicht klar bestimmbar seien.
KTG Agrar AG und Tonkens Agrar AG größte "Agrarinvestoren"
Die größten, auch überregional aktiven Investoren sind gemäß
vTI-Studie zum einen solche mit industrieller Herkunft wie die
Steinhoff Holding oder die JLW Holding AG. Zum anderen
zählten dazu Investoren mit landwirtschaftlichem Hintergrund,
die Kapital am Aktienmarkt aquirierten. Beispiele dafür seien
die KTG Agrar AG und die Tonkens Agrar AG. Nach eigenen
Informationen habe die KTG Agrar ihren Flächenbestand seit
2006 von 13.900 ha auf rund 35.000 ha landwirtschaftlich genutzte
Fläche (LF) aufgestockt. Davon seien allerdings nur rund
7.300 ha Eigentumsfläche. Von der Gesamtfläche entfielen rund
28. 000 ha auf Ostdeutschland und etwa 7.000 ha auf Litauen.
Für
die Zukunft sei ein Flächenwachstum von rund zehn Prozen bei konstantem
Eigenlandanteil von 20 Prozent geplant. Erfolgen werde das
Flächenwachstum nahezu ausschließlich durch den Kauf ganzer
Betriebe. Anders als KTG Agrar sei die seit 2010 börsennotierte
Tonkens Agrar bislang ausschließlich auf Deutschland und hier
nur auf die neuen Länder beschränkt. Die bewirtschaftete Fläche
umfasse derzeit rund 2.900 ha. Die Strategie des Unternehmens
mit seinen sieben Tochtergesellschaften sei auf Wachstum durch
Übernahme weiterer Agrarbetriebe sowie Kauf und Pacht von
Flächen und weitere Diversifizierung angelegt.
Landwirtschaftliche Nutzfläche schrumpft
Die deutsche Landwirtschaft hat seit 1995 rund 500.000 Hektar Nutzfläche verloren. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) in Wiesbaden hervor. Wie das Statistikamt anlässlich des gestrigen Welternährungstages mitteilte, ging die landwirtschaftlich genutzte Fläche von rund 17,3 Millionen Hektar in 1995 um gut drei Prozent auf heuer noch 16,8 Millionen Hektar zurück. Der Anteil der Landwirtschaft an der Gesamtfläche Deutschlands sank auf 47 Prozent.
Ackerland hat mit 11,9 Millionen Hektar den größten Anteil an der Agrarfläche und blieb im Zeitverlauf relativ konstant. Allerdings werden die deutschen Äcker in zunehmendem Maß für den Anbau von Energiepflanzen genutzt. Die Silomaisfläche wuchs seit 1995 um 63 Prozent auf rund zwei Millionen Hektar. Die Verwendung von Silomais als Gärsubstrat in Biogasanlagen hat daran erheblichen Anteil.
Der Kartoffelanbau schrumpfte im selben Zeitraum hingegen um fast ein Fünftel auf noch 259.000 Hektar. Durch eine deutliche Ertragssteigerung nahm die Kartoffelerzeugung dennoch zu.
FNL-Hoftag: Geld verdienen und den Boden achten (22. Juni 2011)
AgE/aiz
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