Dienstag, 22.05.2012
Bodenpreise ziehen auf breiter Front an
Hannover - Die Geldanlage in Agrarflächen wird wegen der immer knapper werdenden Ressource Boden und der aktuellen Schuldenkrise immer interessanter und verteuert die Bodenpreise.
Der DBV ist sehr zufrieden mit der Ernte 2011.
© walter dannehl/aboutpixel.de
Agrarflächen werden inzwischen weltweit rege nachgefragt, auch von nichtlandwirtschaftlichen
Investoren. In Niedersachsen sind vor allem in Weser-Ems deutliche Preisanstiege zu verzeichnen.
Nach der neuesten Kaufwertestatistik des
Landesbetriebes für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) für 2010 lag der
durchschnittliche niedersächsische Kaufpreis für einen Hektar Ackerland mit 20.318 Euro erstmals über
der Marke von 20.000. Und der Grünlandpreis überschritt mit durchschnittlich 11.622 Euro je Hektar (€/ha) erstmals
und gleich sehr deutlich die Marke von 10.000. Gegenüber dem Durchschnitt der Kaufpreise in der
Zeit von 1996 - 2009 hat sich damit Ackerland um 3.771 und Grünland um 2.214 €/ha landesweit
verteuert.
Geringste Preise in Lüneburg
Traditionell auf hohem Preisniveau hat sich schon lange die Region des ehemaligen Regierungsbezirks
Hannover befunden, ist aber dem überproportionalen Preisanstieg in der Weser-Ems Region
nicht gefolgt. Die durchschnittlichen Acker- und Grünlandpreise liegen bei 20.000 bzw. 10.000 €/ha.
Das Braunschweiger Kaufpreisniveau für Ackerland tendiert durchschnittlich 5.000 €/ha niedriger als
das Hannoversche driftet aber in dieser Ackerbauregion je nach Bonität weit auseinander. Grünland
ist dort kaum vorhanden und wird auch nur mit durchschnittlich 7.685 €/ha ausgewiesen. Nach den
Kurvenverläufen haben sich die durchschnittlichen Preise für Acker- und Grünland nur gering bewegt.
Schlusslicht bei der Betrachtung der durchschnittlichen Kaufpreise in den Regionen ist nach wie vor
Lüneburg. Allerdings zeichnet sich hier seit 4 Jahren in fast allen Landkreisen sowohl bei Acker- als
auch bei Grünland ein klarer Aufwärtstrend ab. Gegenüber der Zeitperiode 1996 - 2010 hat Ackerland
um 3.423 €/ha und Grünland um 1.138 €/ha zugelegt.
Fazit: Regional sehr unterschiedliches Preisniveau
Fazit: Die Kaufpreise für landwirtschaftliche Grundstücke legen in Niedersachsen auf breiter Front zu.
Regional besteht aber weiterhin ein sehr unterschiedliches Preisniveau. Von besonderem Interesse
dürften dabei die Entwicklungen in den ehemaligen Regierungsbezirken Lüneburg und Weser-Ems
sein. Die Zeit, dass Land in den Lüneburger Landkreisen sehr preisgünstig erworben werden konnte,
scheint abgelaufen zu sein. Die Preissituation in Weser-Ems, wo bereits seit Jahren eine erhebliche
Verteuerung zu verzeichnen war, und die Preise geradezu explodiert sind, hat eine geringe
Bodenwertigkeit bei gleichzeitig kleinen Betriebsstrukturen zum Hintergrund.
Diese Nachteile haben
zu einer dynamisch wachsenden Veredelungswirtschaft mit stark zunehmendem Flächenbedarf
geführt. Insoweit bestimmt sich das dortige Kaufpreisniveau weniger nach der Bodengüte als vielmehr
fast ausschließlich nach Angebot und Nachfrage. Dem Vernehmen nach hat sich der Trend steigender
Kaufpreise für Acker- aber auch für Grünland inzwischen noch ganz erheblich verstärkt. An der
starken Landnachfrage sind seit der Wirtschaftskrise 2009 in allen Regionen nichtlandwirtschaftliche
Investoren in bislang noch nicht vorgekommener Anzahl beteiligt und heizen den Markt zusätzlich an.
Die Fälle, in denen die Niedersächsische Landgesellschaft ihr Vorkaufsrecht wegen ungesunder
Verteilung von Grund und Boden ausgeübt hat, haben sich in dieser Zeit verdoppelt.
Weitere Informationen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen über die Preisentwicklung von Boden in Niedersachsen finden Sie hier:
Hohe Pachtpreise durch Biogasanlagen: Das muss nicht sein - ein Beispiel
Viel investiert - doch sind jetzt bald die Flächen weg?
Rainer Schütte, LWK Niedersachsen
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