Dienstag, 22.05.2012
Europa verliert zuviel fruchtbaren Boden
Brüssel - In Europa geht zuviel fruchtbarer Boden verloren. Zwei Berichte, die am Montag von der EU-Kommission präsentiert wurden, belegen das.
In den kommenden Tagen gestaltet sich das Wetter wechselhaft und zunehmend wärmer. Es muss gebietsweise mit Schauern und Gewittern gerechnet werden.
© Mühlhausen/landpixel
Demnach gingen zwischen 1990 und 2006 durch Flächenversiegelung, also das Abdecken von fruchtbarem Boden durch undurchlässiges Material, täglich mindestens 275 Hekar (ha) dauerhaft verloren. Alle zehn Jahre verliert Europa damit fruchtbaren Boden in der Größe Zyperns. Außerden sind schätzungsweise 1,3 Millionen Quadratkilometer von Bodenerosion durch Wasser betroffen, was dem 2,5-Fachen der Fläche Frankreichs entspricht.
Negativer Trend
"Diese Berichte belegen, wie wichtig es ist, unsere Böden zu schützen,
wenn wir die Verfügbarkeit von hochwertigen Nahrungsmitteln und sauberem
Grundwasser sichern, gesunde Erholungsgebiete erhalten und die
Treibhausgasemissionen verringern wollen. Wir müssen die Ressourcen aus
unseren Böden nachhaltiger nutzen, was am besten durch ein gemeinsames
europäisches Konzept zu bewerkstelligen wäre. Die Kommission hat
Rechtsvorschläge vorgelegt, und ich hoffe, dass unsere neuen Berichte
den Rat und das Parlament veranlassen werden, zu handeln", erklärte der
zuständige Umweltkommissar Janez Potocnik.
Erosion, Bodenversiegelung und Versauerung haben in den vergangenen zehn
Jahren zugenommen. Ein Trend, der sich den Berichten zufolge fortsetzen
wird, sofern Problemen wie der zunehmenden Flächennutzung und der
ineffizienten Verwendung natürlicher Ressourcen nicht entgegengetreten
wird und keine Bemühungen zur Erhaltung der organischen Stoffe im Boden
unternommen werden.
Systematik fehlt noch
Angemerkt wird auch, dass es fünf Jahre nach Annahme
der thematischen Strategie noch keine systematische Überwachung und
entsprechenden Schutz der Bodenqualität in Europa gibt. Dabei hat die
Kommission zur Vorbereitung von Maßnahmen auf EU-Ebene Initiativen zur
Förderung des Bodenbewusstseins, Forschungs- und Überwachungsprojekte
(zum Beispiel Eurostat-Erhebung über Bodenbedeckungs-, Flächennutzungs-
und Agrarumweltindikatoren) unterstützt. Außerdem wurde das gemeinsame
Ziel in andere gemeinsame Politikbereiche, einschließlich Landwirtschaft
und Entwicklung des Ländlichen Raumes, einbezogen.
Initiative boden:ständig: Weniger Erosion, mehr Gewässerschutz
Bodenrahmenrichtlinie bereits 2006 vorgeschlagen
Neben den laufenden Schritten sollen auch
- Forschungstätigkeiten und
Bodenüberwachung unterstützt,
- Leitlinien für Bodenversiegelung
fertiggestellt und
- Aspekte im Zusammenhang mit den Böden stärker in die
bevorstehende Überprüfung der Richtlinie über
Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) einbezogen werden.
Außerdem will
die Kommission die Berücksichtigung von Emissionen aus Landnutzung,
Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) im Rahmen der
Klimaschutzverpflichtungen für 2020 vorschlagen und auf internationaler
Ebene bodenbezogene Initiativen fördern.
Die Kommission hat bereits 2006 eine Bodenrahmenrichtlinie
vorgeschlagen. Sie soll die
- Bodenproduktivität insbesondere mit Blick
auf die Nahrungsmittelerzeugung sichern,
- Risiken für die menschliche
Gesundheit und die Umwelt mindern,
- Möglichkeiten für den Klimaschutz und
die Anpassung an den Klimawandel schaffen und
- Geschäftsmöglichkeiten im
Bereich Bodensanierung eröffnen.
Diese Vorschläge werden im
EU-Parlament und von den Mitgliedstaaten im Rat beraten.
aiz
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