Lüneburg - Hähnchenmästern bläst derzeit starker Wind entgegen: Militante Gruppen verüben Brandanschläge, Anwohner wollen keine Neubauten. Trotzdem steigt die Nachfrage nach Hähnchenfleisch.
Erneut ist ein Brandanschlag auf eine Hähnchenmastanlage verübt worden, die noch im Bau ist. Diesmal war ein Gebäude in Schnega im Kreis Lüchow-Dannenberg das Ziel, meldete die Polizei heute. Dort drangen unbekannte Täter ein und legten in dem fast fertiggestellten Gebäude an mehreren Stellen Feuer.
Obwohl die Flammen wegen der feuchten Witterung von selbst erloschen, entstand ein Sachschaden von mehreren zehntausend Euro.
Der umstrittene Hähnchenmaststall für fast 40.000 Tiere war erst im Mai genehmigt worden. Die Polizei geht von einer politisch motivierten Tat aus. Sie prüft auch einen möglichen Zusammenhang mit ähnlichen Bränden in Sprötze im Kreis Harburg sowie in Alvesse und Mehrum im Kreis Peine.
Bei zwei Brandanschlägen im Landkreis Peine, die in den letzten Monaten verübt wurden, liegt ein Bekennerschreiben der so genannten Animal Liberation Front vor. Diese Gruppe wird in den USA vom FBI als "terroristische Vereinigung" eingestuft. Diese Brandanschläge waren nicht die einzigen in den letzten Monaten. Während des Drehs zu unserem aktuellen Video (siehe oben) erhielt Rainer Wendt, Hähnchenmäster und Präsident des Bundesverbandes bäuerlicher Hähnchenerzeuger, einen Anruf, dass wieder versucht wurde, einen Stall in Brand zu setzen - ganz in der Nähe. Es war der Brandanschlag, über den die Polizei heute berichtet.
Mäster verunsichert
"Die Mäster sind in hohem Maße verunsichert", berichtet Rainer Wendt im Gespräch mit agrarheute.com. Teilweise erhielten Landwirte sogar Morddrohungen, auch Familien und Kinder würden angegriffen. Wendt: "Das ist ein Punkt den ich verabscheue. Ich bin durchaus bereit, mich mit Leuten, die anders denken, auseinanderzusetzen. Aber ich bin nicht bereit, zu tolerieren, dass Ställe angezündet und Mensch und Tier gefährdet wird."
Anwohner gegen neue Anlage, Konsum wächst
Durch neue Großschlachthöfe, die auf der Suche nach Lieferanten sind, wird die Hähnchenmast immer attraktiver. Zudem ist in einigen ackerbaulich geprägten Regionen die Wachstumsgrenze für Betriebe erreicht. Landwirte sind auf der Suche nach neuen Einkommensmöglichkeiten. Obwohl viele Anwohner den Bau neuer, moderner Hähnchenmastanlagen ablehnen, steigt die Nachfrage der Verbraucher nach Hähnchenfleisch weiter: Nach Berechnungen der Bonner Geflügelmarktexperten
von der
MEG ist ein Anstieg der Bruttoeigenerzeugung
um fast fünf Prozent auf 1,07 Millionen Tonnen zu erwarten. Unter Berücksichtigung
aller vorliegenden Daten errechne sich eine Zunahme
des durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauchs um 100 Gramm auf
11,5 Kilo, so die MEG.
Brandanschläge auf Hähnchenmastanlagen: Staatsanwaltschaft ermittelt (11.11.2011)