Die Braugersten-Gemeinschaft hat ihren Abschlussbericht zur diesjährigen Ernte vorgelegt. Die Qualitäten fielen derart unterschiedlich aus, dass die Auswertung erstmals aufgeschlüsselt erfolgte.
Ein Teil der Braugerste ist aufgrund der schlechten Qualitäten möglicherweise bereits im Futtertrog gelandet.
© agrarpress
"Wir haben dieses Jahr definitiv ein Mengenproblem. Die Frage ist nur noch, wie groß es ausfällt", sagt Walter König, Geschäftsführer des Bayerischen Braubunds gegenüber agrarheute.com. Aufgrund der diffizilen Lage wurden die gewichteten Mittelwerte für die Qualitätsdaten, sowie die Menge der geschätzten Braugerstenablieferung erstmals nicht mehr für Deutschland aufsummiert dargestellt, sondern lediglich die Einzelergebnisse aus den Bundesländern aufgeführt.
Außerdem wird - auf Grund der Heterogenität der Ernte - neben dem Durchschnittswert des Eiweißgehaltes, die Bandbreite der Streuung sowie der Anteil der Sommergerstenmenge, die einen Eiweißgehalt von unter 11,5 Prozent aufweist, gesondert ausgewiesen.
Damit weicht die Darstellung des Ernteergebnisses von der üblichen
Darstellung ab. Hintergrund ist die Befürchtung, dass
falsche Schlüsse über die Versorgungssituation und Verfügbarkeit mit
qualitativ hochwertiger
Braugerste aus der Ernte 2011 getroffen werden.
Schwierigkeiten mit der Qualität
Braugerstenernte 2011: 'Wir haben ein Mengenproblem'
Die in der Tabelle genannten Braugerstenmengen mit den dazugehörigen
Qualitätsdaten sind zwar physisch vorhanden, Branchenexperten gehen
jedoch davon aus, dass große Teile dieser Mengen nicht den Weg in die
Mälzerei finden werden. Die größtenteils unter Zeitdruck und schwierigen
Witterungsverhältnissen eingebrachte Ernte zeigt bereits vier Monate nach
der Ernte erhebliche Ausfälle in der Keimenergie, Trocknungsschäden
sowie vereinzelt Befall von Mikroorganismen. Der erhöhte Eiweißgehalt
trägt zudem dazu bei, dass Partien als
Braugerste abgelehnt werden,
obwohl die Versorgungssituation knapp ist und Unsicherheit über die
Qualitäten der in den Lagern liegenden Braugerstenmengen besteht. "Hier bleibt abzuwarten, ob Brauerein den Mälzern Zugeständnisse machen oder nicht", so Walter König.
Grenzqualitäten bereits im Futtertrog
Es bleibt abzuwarten, ob sich auf Grund der Einlagerung von
Sommergerstenpartien mit Wassergehalten im Bereich von 14 bis 14,5 H2O beziehungsweise bei getrockneten Partien noch Qualitätseinbußen ergeben. Die über
die Datenbasis der repräsentativen Stichproben aus der Ernte sowie über
die "Besondere Ernteermittlung" festgestellten Braugerstenqualitäten und
Braugerstenmengen entsprechen somit nicht der aktuell auf dem Markt
befindlichen marktfähigen Braugerste.
Braugerstenpartien mit Grenzqualitäten könnten bereits in den Futtertrog gewandert sein,
da der Futtergerstenpreis sehr nahe an einem mit Qualitätsmalus
belegten Braugerstenpreis liegt.
Grundlage der Auswertung waren repräsentative Praxisstichproben aus den Ämtern für Landwirtschaft und aus den Bereichen der Fördervereine für Braugerste.