Dienstag, 22.05.2012
Braugerstenanbauer warten auf belastbare Zahlen zur Ernte
Bad Kreuznach - Die Braugerste in Rheinland-Pfalz ist gut in die Vegetation gestartet. Doch die lang anhaltende Trockenheit hat deutlich Spuren auf den Feldern hinterlassen.
Argentinische Landwirte bauen mittlerweile lieber Gerste an.
© landpixel.de
Die insgesamt sehr dünn stehenden Bestände haben sich so unterschiedlich
entwickelt, dass derzeit eine Ertragsprognose
schwierig erscheint. Dies gilt auch für die zu erwartenden Einüsse der Bestandsdichte, des Zwiewuchses und der erst spät
mobilisierten N-Düngung auf die Qualität der Gerste. Darauf hat
der Vorsitzende der Fördergemeinschaft
Braugerste Rheinland-
Pfalz und Vizepräsident der dortigen Landwirtschaftskammer,
Heribert Metternich, bei der diesjährigen Braugerstenfahrt
hingewiesen, die mehr als 70 Teilnehmer aus der gesamten Wertschöpfungskette
sowie aus Politik, Verbänden und Erzeugergemeinschaften
in die Region Hunsrück führte. Da aber die Entwicklung
des Braugerstenmarktes und der Preise sehr stark von
den regionalen, nationalen und internationalen Ernteergebnissen
hinsichtlich Menge und Qualität abhängt, warten Landwirte,
aber auch der Handel und die Verarbeiter momentan gespannt
auf belastbare Zahlen.
Ernte entscheidet auch über die Zukunft des Braugerstenanbaus
Der Vorsitzende des Kreisverbandes
Rhein-Hunsrück im Bauern- und Winzerverband Rheinland-
Nassau (BWV), Wilfried Berg, zeigte sich überzeugt, dass die
Rahmenbedingungen der Vermarktung dieser in Menge und
Qualität sicherlich vom langjährigen Mittel abweichenden Ernte
auch über die weitere Zukunft des Braugerstenanbaus - vor allem
in den Mittelgebirgsregionen - entscheiden dürften. Dass
sowohl die Landwirtschaft wie auch die Malzindustrie und die
Brauwirtschaft in Rheinland-Pfalz bedeutende Wirtschaftsfaktoren
sind, betonte Christof Wiesner vom Mainzer Landwirtschaftsministerium.
Wiesner bekräftigte, dass die Landesregierung
auch zukünftig die
Braugerste als ökologisch wertvolle
Kultur sowohl im Versuchswesen als auch über die Arbeit der
Fördergemeinschaft unterstützen werde.
Kommt eine Trendwende?
Der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft Hunsrück-Nahe, Jörg
Müller, wies darauf hin, dass der Braugerstenanbau im Rhein-
Hunsrück-Kreis von knapp 9 000 ha im Jahr 1991 auf gut
4 000 ha in 2010 gesunken sei. Die Hauptgründe für den Ausstieg
aus der Braugerstenproduktion waren nach seiner Einschätzung
die sehr stark schwankenden Erzeugerpreise, der geringe Züchtungsfortschritt
im Ertrag, aber auch der Rückgang der Nebenerwerbsbetriebe,
die traditionell zu den Braugerstenanbauern zählen.
Ein weiterer Faktor sei die starke Wettbewerbsposition von
Raps und Weizen.
Um diese Entwicklung wieder etwas umzukehren,
bedürfe es leistungsfähigerer Sorten, einer attraktiven
Vertrags- und Preisgestaltung, rechtzeitiger Preissignale, aber
auch Modizierungen in den Qualitätsanforderungen, die das
Marktwarenrisiko reduzierten. Die für den Anbau notwendigen
günstigen klimatischen Voraussetzungen, aber auch gute Erfassungs-
und Vermarktungsstrukturen sieht Müller in der Region
gegeben. Laut Darstellung der Landwirtschaftskammer vermittelte
die Braugerstenfahrt in einer für den Anbau eher schwierigen
Zeit einen recht positiven Eindruck. Für eine Trendwende in
der Entwicklung der Anbauäche müsse dieser Eindruck aber
durch die Markt- und vor allem Preisentwicklung zur und nach der diesjährigen Ernte bestätigt werden.
AgE
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