Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Rainer Brüderle hat gestern die Amflora-Ernte in Zepkow, Mecklenburg-Vorpommern gestartet. Zusammen mit dem BASF-Vorstandsvorsitzenden Dr. Jürgen Hambrecht und dem für die Pflanzenbiotechnologie zuständigen Vorstandsmitglied Dr. Stefan Marcinowski holte er die ersten Knollen der gentechnisch verbesserten Stärkekartoffeln aus der Erde. Auf 14 Hektar hat BASF in diesem Jahr dort erfolgreich angebaut. Brüderle betonte, dass Pflanzenbiotechnologie einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der europäischen Landwirtschaft leisten kann.
„Heute ist ein ganz besonderer Tag für die Grüne Gentechnik in Deutschland. In der Zukunft verspricht die Pflanzenbiotechnologie Lösungen für viele große Herausforderungen, wie zum Beispiel die ausreichende Bereitstellung nachwachsender Rohstoffe. Die deutsche Industrie spielt dabei international in der ersten Liga mit. Auch in Zukunft wollen wir mit diesen innovativen Technologien an der Weltspitze bleiben“, sagte Bundesminister Brüderle.
„Wir erreichen gleich zwei Meilensteine. Heute beginnen wir mit der Ernte unserer Amflora-Kartoffel. Außerdem haben wir gestern in Brüssel die Zulassung für unsere nächste Stärkekartoffel, Amadea, beantragt“, sagte Hambrecht. „Ich hoffe sehr, dass Amadea den europäischen Landwirten in naher Zukunft zur Verfügung stehen wird. Die Stärkekartoffel Amadea liefert wie Amflora reine Amylopektin-Stärke. Sie wurde in jahrelangen Feldversuchen auf ihre agronomischen Eigenschaften und ihre Sicherheit getestet. Nach einer positiven Sicherheitsbewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) rechnet BASF mit einer Markteinführung ab 2013/14. Amadea soll dann den Amflora-Anbau zunächst ergänzen und später ersetzen.
Begleitet wurde die Amflora-Ernte von zahlreichen Landwirten und vom „Forum Grüne Vernunft e.V.“. „Der Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen wird in Deutschland extrem emotional diskutiert. Unser Anliegen ist es, für einen sachlichen und wissenschaftlich fundierten Dialog zu sorgen“, sagte der Vorsitzende des Forums, Dr. Uwe Schrader. „Nur so können wir ergebnisoffen die besten Lösungen für die Landwirtschaft in Deutschland identifizieren.“
Hintergrund: Amflora und Amadea sind zwei gentechnisch veränderte Kartoffelsorten, die reine Amylopektinstärke bilden. Herkömmliche Kartoffeln produzieren ein Stärkegemisch aus Amylopektin und Amylose. In vielen Anwendungsgebieten von Kartoffelstärke, wie in der Papier-, Klebstoff- und Lebensmittelindustrie, wird nur Amylopektin benötigt; eine Trennung des Stärkegemischs ist jedoch unwirtschaftlich. Amflora und Amadea bilden reine Amylopektinstärke und helfen so Material, Energie und Kosten zu sparen.
Mit Amylopektinstärke beschichtetes Papier erhält mehr Glanz, Beton und Klebstoffe bleiben durch den Zusatz von Amylopektinstärke länger verarbeitungsfähig. Bei Amflora hat sich die BASF Plant Science zusammen mit Partnern aus der Stärkeindustrie dazu entschieden, sich auf die industriellen Anwendungen zu konzentrieren. Da es für Amylopektinstärke auch im Nahrungsmittelbereich eine Nachfrage gibt, wird die BASF Plant Science die Einsatzmöglichkeiten für die Amadea-Kartoffel in diesem Bereich zusammen mit ihren Partnern evaluieren, berichtet das Unternehmen.