Dienstag, 22.05.2012
Nordeuropa: Butter nicht wirklich knapp
Berlin - Die Meldungen über eine knappe Butterversorgung in Nordeuropa reißen nicht ab. Dabei unterscheiden sich Versorgungslage und Marktsituation in den einzelnen Ländern erheblich.
Seit dem 1. März vergab die EU-Kommission für 16.000 Tonnen Butter Beihilfen für die Private Lagerhaltung.
© robynmac/fotolia
So sind Schweden, Finnland und Dänemark Teil des EU-Binnenmarktes und können im Rahmen des Intrahandels vergleichsweise schnell auf Veränderungen der Marktsituation und auf Versorgungsengpässe reagieren. Anders ist die Situation in Norwegen. Bei diesem nicht zur EU gehörenden skandinavischen Land, ist der Milchmarkt nach außen durch hohe Zölle abgeschottet und nach innen ebenfalls stark reguliert. In der EU selbst ist Butter in diesem Jahr nicht wirklich knapp, auch wenn die Preise im historischen Vergleich hoch sind. Die EU-Butterproduktion hat im in diesem Jahr von Januar bis September um 1,7 Prozent (%) auf 1,43 Millionen Tonnen zugenommen.
Norwegen: Probleme eines abgeschotteten Marktes
Der norwegische Milchmarkt wird durch das Molkereiunternehmen Tine
dominiert. Der weitaus größte Teil der in Norwegen erzeugten rund 1,55
Millionen Tonnen Kuhmilch wird von diesem Molkereiunternehmen aufgekauft und zu
Milchprodukten verarbeitet. Dabei wird die norwegische Milcherzeugung
über ein Quotensystem reguliert, deren Durchsetzung und Kontrolle
ebenfalls die Aufgabe von Tine ist. Üblicherweise fließt etwa die Hälfte
der erzeugten Milch in die Frischmilchproduktion. Ein weiterer großer
Anteil wird zu Käse (etwa 83.000 Tonnen) verarbeitet. Die jährlich
produzierte Buttermenge liegt bei rund 12.000 Tonnen und ist üblicherweise
für die Versorgung des heimischen Marktes gedacht. In diesem Jahr haben
die norwegischen Milchbauern jedoch rund 20.000 Tonnen Milch (- 13 %) bzw.
weniger erzeugt und diese Menge fehlte dann auch für Herstellung von
Butter.
Nach Angaben von Tine liegt die Fehlmenge zwischen 500 und 1.000 Tonnen. Die Folge sind leere Regale, denn gerade zu Weihnachten steigt die
Nachfrage nach Butter auch in Norwegen steil an. Die Lücke mit Butter
aus den Nachbarländern zu füllen, ist jedoch nicht so einfach, denn
gerade in Schweden und Finnland ist Butter in diesem Jahr ebenfalls
knapp und zudem war der Marktzugang bislang durch hohe Importzölle
versperrt. Nun haben die norwegischen Behörden die Zölle für den Monat
Dezember zwar deutlich gesenkt, diese Maßnahme kommt für das
Weihnachtgeschäft jedoch etwas zu spät. Im neuen Jahr dürfte sich die
Situation ohnehin wieder entspannen.
Schweden: Weniger Butter jedoch mehr Milchpulver
In Schweden wurden von Januar bis September rund 2,17 Millionen Tonnen Milch
erzeugt. Dies waren in etwa so viel wie im letzten Jahr (-0,6 %).
Allerdings haben die schwedischen Molkereien die angelieferte Milch zum
Teil deutlich anders verwendet als 2010. So wurde die Butterproduktion
um fast 14 % auf 15.600 Tonnen zurückgefahren. Dagegen hat man die
Herstellung von Magermilchpulver um 15 % auf 21.800 Tonnen ausgeweitet.
Relativ stabil blieb die Herstellung von Vollmilchpulver, Sahne und
Sauermilchprodukten und die Produktion von Käse und Trinkmilch ging
moderat zurück. Ursache für das knappe Butterangebot in Schweden ist
also weniger eine zu geringe Milchproduktion als vielmehr veränderte
Präferenzen bei der Verwendung der Rohmilch. Schweden exportierte in den
ersten 10 Monaten des Jahres rund 90 % des produzierten
Vollmilchpulvers (18.200 Tonnen) und ein Drittel des Magermilchpulvers
(5.700 Tonnen) in Drittländer.
Finnland: Butter reicht sogar für den Export
Die finnischen Milcherzeuger produzierten in den ersten 9 Monaten des
Jahres 1,74 Millionen Tonnen Milch und damit eine geringfügig kleinere Menge
(-1,5 %) als im Vorjahr. Auch die finnischen Molkereien haben die
angelieferte Rohmilch anders verwendet als 2010. So wurden mit 39.200 Tonnen
rund 5 % weniger Butter produziert. Die Herstellung von Mager- (- 8 %)
und Vollmilchpulver (- 11 %) wurde jedoch noch deutlicher reduziert.
Dafür ist mehr Milch in die Produktion von Sahne (+ 8 %) und Käse (+ 2
%) geflossen. Auch im Export ist Finnland überraschend stark. So wurden
nicht nur 13.300 Tonnen Butter in Drittländer verkauft sondern auch 31.500 Tonnen
Käse und 8.300 Tonnen Magermilchpulver.
Dänemark: Mehr Butter produziert und exportiert
Dänemark ist der größte Milcherzeuger unter den skandinavischen Ländern
und produziert etwa so viel Milch wie Schweden und Finnland zusammen.
Die Milchanlieferung lag von Januar bis September bei 3,67 Mio. t und
damit rund 1,4 % unter dem Vorjahreswert. Anders als ihre nordischen
Nachbarn haben die Dänen ihre Butterproduktion um rund 6 % auf 25.300 t
gesteigert. Ganz besonders kräftig haben die exportorientierten
dänischen Molkereien (Arla) in diesem Jahr mit 42 % jedoch die
Herstellung von Magermilchpulver (23.600 Tonnen) ausgebaut und auch die
Produktion von Sahne hat um 7 % zugenommen. Dieses Wachstum ging in
Dänemark zu Lasten der Käseherstellung die um rund 8 % auf 187.000 Tonnen
regelrecht eingebrochen ist. Mit 74.000 Tonnen ist Dänemark der zweitgrößte
Exporteur von Vollmilchpulver und auch bei der Drittlandsausfuhr von
Butter (10.200 Tonnen) und Käse (39.900 Tonnen), sind die Dänen im europäischen
Vergleich sehr gut positioniert.
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
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