Dienstag, 22.05.2012
Streit um Allgäuland: Bauern im Lieferstreik
Wangen/Fischen - An die 100 Landwirte der "Allgäuer Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau" befinden sich derzeit im Lieferstreik. Bereits gestern erhielt Allgäuland 30.000 Liter Milch weniger.
Im Vergleich zum Vorjahr wird in diesem Jahr innerhalb Europas rund ein Prozent mehr Milch produziert. Davon geht die FAO in ihrer aktuellen Prognose aus.
© icnivad/fotolia.de
Wie die Augsburger Allgemeine und der Radiosender RSA heute übereinstimmend berichten, befinden sich derzeit 100 Landwirte im Milchlieferstreik. Hintergrund ist die Ankündigung der Allgäuland-Käsereien, ab 10. September kein Milchgeld mehr auszahlen zu können.
Die Bergbauern wollen mit ihrem Lieferstreik den Ausschluss aus ihrer Genossenschaft erzwingen. Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, überlassen sie die Milch anderen Molkereien.
Die Bergbauern-Genossenschaft sieht den Lieferstopp als Verstoß gegen die Satzung und Gesetze. Man sei weiter an einer einvernehmlichen Lösung interessiert, habe aber rechtliche Schritte eingeleitet. Eine Anwaltskanzlei, die die Landwirte berät, berichtet, dass bereits einige Landwirte einen Rückzieher gemacht hätten. Ob der Milchlieferstreik auch vor Gericht bestand hätte, kann der Anwalt nicht sagen.
In einem Rundschreiben appellieren Martin Kirchmann, Vorstandschef, und Vizevorstand Hubert Rupp an die Landwirte, sich nicht auseinanderdividieren zu lassen. Kirchmann: "Ich hoffe auf die Vernunft der Bergbauern - sonst droht ein Bauernkrieg."
Hintergrund: Arla-Übernahmeangebot und verschuldete Allgäuland-Käsereien
Die Allgäuland-Käsereien sind hoch verschuldet und
drohen, Insolvent zu gehen. Die skandinavische Großmolkerei
Arla Foods
machte ein Übernahmeangebot, worüber die sechs Genossenschaften der
Käsereien bis gestern abstimmen sollten. Doch bei der Generalversammlung
der Allgäuer Bergbauern-Milch
Sonthofen-Schönau eG in Fischen haben sich vergangene Woche nur 69,6
Prozent für
den Verkauf der Anteile ausgesprochen. Die notwendige Mehrheit von 75
Prozent wurde somit nicht erreicht. Daraufhin kündigte
Allgäuland-Geschäftsführer Paul Ritter an, aus
insolvenzrechtlichen Gründen bis 12.
September kein Milchgeld auszahlen zu können.
Die
Mitglieder der Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau eG können in einer
außerordentlichen Generalversammlung erneut über den
Verkauf der
Anteile abstimmen.
Butterwerk Langenau eG stimmen mit 'Ja'
Im Gegensatz zu den Mitglieder der Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau eG haben die Mitglieder der Butterwerk
Langenau eG auf ihrer Generalversammlung am
Montagabend in Ulm dem Verkauf der Anteile an der Allgäuland-Käsereien
GmbH (94,7 Prozent) und an der AL Dienstleistungs-GmbH (94,9 Prozent)
zugestimmt. Die Butterwerk Langenau eG befindet sich bereits in Abwicklung.
Aufgrund dieser überzeugenden Serie
blicken Aufsichtsrat und Management der Allgäuland-Käsereien
zuversichtlich der außerordentlichen Generalversammlung der Allgäuer
Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau eG entgegen. Am 12. September
stimmen die Milcherzeuger zum zweiten Mal über den Verkauf der
GmbH-Anteile ab und entscheiden damit über die Existenz der
Allgäuland-Käsereien.
pd/ez
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