Auf die Getreide- und Ölsaatenmärkten wirken viele Faktoren. In den letzten Monaten haben sowohl Wetterextreme als auch Veränderungen in Angebot und Nachfrage die Märkte beeinflusst.
Im Schnitt erhalten Landwirte 300 Euro Flächenprämie.
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Hinzu kamen politische Faktoren sowie der Einfluss der Finanzmärkte. Im Rahmen eines Pressegesprächs hat der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft gestern eine Einschätzung zu den Märkten gegeben.
Der Präsident des BVA, Bruno Fehse, analysierte die Situation an den
Getreidemärkten. Dabei kam er unter anderem zu dem Schluss, dass derzeit
vor allem die Nachfrage nach Futtergetreide das Preisniveau in
Deutschland bestimmt. Insgesamt schätzte der BVA-Präsident die
Marktversorgung in Deutschland als relativ eng ein. Das zeigte sich auch
darin, dass in manchen Regionen landwirtschaftliche Betriebe
Futtergetreide zukaufen müssen, die sich bislang ohne Probleme selbst
versorgen konnten.
Europaweit gesehen ist die Versorgunglage jedoch
besser. Der Export läuft nach Einschätzung des BVA-Präsidenten bislang
schwach. Ursache ist zum einen das relativ knappe Angebot, dass auch für
ein attraktives Preisniveau am Binnenmarkt sorgt. Zum anderen lagen die
Exportpreise der Schwarzmeerländer bislang deutlich unter den Preisen
der Europäer. Für die kommenden Monate geht der BVA-Präsident wegen des
sehr knappen Angebotes von keinen größeren Preisrückgängen aus.
Bioenergie verändert die Anbaustrukturen
Verursacht wird die enge Versorgung in Deutschland nach Einschätzung der
BVA-Experten zum einen durch die vergleichsweise schwache Ernte. Zum
anderen verringert sich jedoch durch den zunehmenden Anbau von
Energiepflanzen, insbesondere von Silomais, die Möglichkeit ausreichend
Futter- und Nahrungsgetreide zu erzeugen. In Folge dieser Situation
steigen nicht nur die Pachtpreise sondern letztlich auch die Preise für
die Futter und Agrarrohstoffe. Setzt sich diese Entwicklung fort,
müsste Deutschland zunehmend Futtermittel und Nahrungsgetreide
importieren. Gleichzeitig dürften die Probleme der deutschen Verarbeiter
bei der Beschaffung ihrer Rohstoffe zunehmen.
Importe von Biodiesel und Pflanzenöl
Auch bei Raps dürfte die Versorgung im weiteren Jahresverlauf immer
enger werden. Zu dieser Einschätzung kam Bernd Kleeschulte, der
Vorsitzende des BVA-Ölsaatenausschusses. In Deutschland ist die
Rapsernte immerhin 1,8 Millionen Tonnen kleiner ausgefallen als im letzten Jahr.
Trotz dieses engen Angebotes lief der Markt bis vor kurzem eher
seitwärts. Beträchtliche Biodiesel- und Pflanzenölimporte begrenzten -
neben anderen Faktoren - das Potential nach oben. Gleichzeitig sind die
vorhandenen Verarbeitungskapazitäten in Deutschland nicht ausgelastet.
Durch die ungünstiger werdenden politischen und ökonomischen
Rahmenbedingungen, besteht nach Einschätzung von Kleeschulte sogar die
Gefahr, dass der Rapsanbau in Deutschland künftig an Bedeutung verliert.
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv