Für den Präsidenten von Same Deutz-Fahr, Vittorio Carozza, sind in der Retrospektive drei Faktoren für anhaltenden Erfolg entscheidend: Leidenschaft für das Getane, Vorsicht und Besonnenheit, gepaart mit Ausdauer und Beharrlichkeit.
Vittorio Carozza entspannt gerne auf seinem Weingut in der Nähe von Lugano.
Und über all die Jahre seines Wirkens
habe er diese Eigenschaften
immer wieder in die Waagschale
werfen müssen. Er könne sich beispielsweise
noch gut an den Einstieg bei Same
erinnern, also das Unternehmen des
Schwiegervaters Francesco Cassani. "Das seinerzeitige Management hat
mich damals nicht unbedingt freudestrahlend
willkommen geheißen. Ein
noch nicht einmal dreißigjähriger studierter
Betriebswirt, der keine Ahnung
von Maschinenbau hatte und der
Schwiegersohn des charismatischen
Chefs - der ein oder andere kann sich
vielleicht vorstellen, mit welchen Ressentiments
mir die Mitarbeiter zunächst
begegneten."
Dass er sich letztlich durchgebissen hat,
lässt sich mit dem heutigen Resultat
ganz einfach und anschaulich belegen:
Mittlerweile gehört das Familienunternehmen
als weltweit agierende Same
Deutz-Fahr Gruppe zu den wenigen -
bislang sind es nur fünf - Umsatz-Milliardären
der Landtechnikbranche. Und
diese elitäre Position will er mit den
beiden Söhnen Aldo und Francesco
noch konsequent weiter ausbauen.
Wenn man einen italienischen Cavaliere,
also einen italienischen Edelmann,
beschreiben müsste, Vittorio
Carozza könnte sicherlich als Paradebeispiel
dafür gelten. Der großgewachsene
Mann mit streng nach hinten gekämmten
ergrauten Haaren wirkt mit oder ohne Brille, locker entspannt im
Lederstuhl plaudernd oder konzentriert
hinter dem großen Schreibtisch arbeitend,
immer wie ein Patriarch, wie ein
Souverän.
Als einzigen sichtbaren Schmuck ziert
neben der Uhr die linke Hand auch
noch ein Ring - der unschwer als
schlichter Ehering zu identifizieren ist.
Und wenn Vittorio Carozza über seine
Frau Luisella und die beiden Söhne
spricht, dann spürt man als Gegenüber,
dass die Familie ihm sehr viel bedeutet.
Es gibt sicherlich nicht ganz so viele erfolgreiche
Persönlichkeiten, die auf die
Frage, auf was sie denn besonders stolz
sind in ihrem Leben und was sie bewundern,
spontan antworten: "Meine
Frau Luisella in ihrer ganzen Persönlichkeit,
und meine beiden Söhne, die
einen fantastischen Lebensweg gehen.
Ein ganz besonderer Mensch war auch
mein leider viel zu früh verstorbener
Schwiegervater. Traktoren waren
Francesco Cassani´s absolute Leidenschaft
und für die Mitarbeiter war er irgendwie
wie ein Heiliger. Mich selbst
machen im Übrigen neue Produkte aus
unserem Hause, die der Markt gut annimmt,
wie jüngst unser eigenes CVT Getriebe,
stolzer als die getätigten Firmen-
Übernahmen."
Interessant ist, wie die Besitzanteile im
Hause Carozza geregelt sind. Seine Frau
und er halten jeweils 37,5 und die beiden
Söhne jeweils 12,5 Prozent. Egal ob
Vater und Sohn oder Mutter und Sohn,
es ergibt sich keine absolute Mehrheit.
Nur beide Eltern zusammen oder die
beiden Söhne gemeinsam mit einem
Elternteil können den Unternehmenskurs
vorgeben.
Da der Schwiegervater 1973 gestorben
ist, musste Vittorio Carozza ohne große
Einarbeitungszeit bereits als 31-Jähriger
die gesamte Verantwortung für das Unternehmen
schultern. Und dies in einer
Zeit, die gekennzeichnet war von
einem dramatischen Einbruch der Traktorverkaufszahlen.
Auf die aktuelle Situation in der Finanzwelt
und der italienischen Regierung
angesprochen, fällt die Reaktion
recht heftig aus: "Für die italienische
Politik gibt es nur ein Wort, desaströs.
Und bei nicht wenigen Bankern sprechen
wir doch von Räubern, die Investmentbanker
sind einem Krebsgeschwür
ähnlich. Ich verdiene auch gerne Geld,
aber wenn ich die ganze Menschheit
dafür betrügen muss, lasse ich es lieber."
Geistigen Freiraum schaffen
Da ihn sein Unternehmen permanent
gedanklich beschäftige, versucht Carozza
ganz bewusst Kontrapunkte in
seinem Leben zu setzen. Generell suche er lieber Entspannung
auf seinem Weingut in der Nähe von
Lugano. Er habe es halb verfallen 1980
erworben und sukzessive wieder aufgebaut.
Heute umfasse die Betriebsfläche
rund 17 Hektar, etwa auf der Hälfte davon
stehen Weinstöcke. "Unsere Hauptsorte ist mit 90 Prozent
Merlot, den Rest teilen sich Cabernet
Sauvignon und Chardonnay zu gleichen
Teilen. Sich mit Wein beschäftigen
zu können, ist für mich ein Gottesgeschenk.
Ich könnte zwar nicht die
ganze Zeit auf dem Land verbringen,
aber drei Tage die Woche dürfen es
schon sein. Wichtig ist mir jedoch eine
große Stadt in der Nähe wie Mailand.
Vom Werk in Treviglio bis zum Weingut
fahren wir im Normalfall so um die
eineinhalb Stunden, das lässt sich gut
bewältigen."
Auf die abschließende Frage nach den
berühmten drei Wünschen, grübelt Carozza
ein bisschen und antwortet dann
doch recht philosophisch: "Ich habe
auf jeden Fall keine materiellen Ziele,
eher die wirklich wichtigen Dinge wie
Gesundheit oder dass es der Familie gut
geht. Das Größte wäre eigentlich Frieden
mit sich selbst zu finden, aber dieses
Ziel bleibt für einen Lebenden sicherlich
unerreichbar."
Den kompletten Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK.
Sie sind noch kein Abonennt? Das können Sie hier ändern. zu den Abos ...