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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Landtechnik » Traktoren » Carozza-Tischgespräch ]
Dienstag, 22.05.2012
Traktoren | 16.12.2011 Redaktion Agrartechnik

Zum Entspannen in die Weinberge

Für den Präsidenten von Same Deutz-Fahr, Vittorio Carozza, sind in der Retrospektive drei Faktoren für anhaltenden Erfolg entscheidend: Leidenschaft für das Getane, Vorsicht und Besonnenheit, gepaart mit Ausdauer und Beharrlichkeit.
Vittorio Carozza entspannt gerne auf seinem Weingut in der Nähe von Lugano.
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Vittorio Carozza entspannt gerne auf seinem Weingut in der Nähe von Lugano.
Und über all die Jahre seines Wirkens habe er diese Eigenschaften immer wieder in die Waagschale werfen müssen. Er könne sich beispielsweise noch gut an den Einstieg bei Same erinnern, also das Unternehmen des Schwiegervaters Francesco Cassani. "Das seinerzeitige Management hat mich damals nicht unbedingt freudestrahlend willkommen geheißen. Ein noch nicht einmal dreißigjähriger studierter Betriebswirt, der keine Ahnung von Maschinenbau hatte und der Schwiegersohn des charismatischen Chefs - der ein oder andere kann sich vielleicht vorstellen, mit welchen Ressentiments mir die Mitarbeiter zunächst begegneten."

Zügel fest in der Hand

Dass er sich letztlich durchgebissen hat, lässt sich mit dem heutigen Resultat ganz einfach und anschaulich belegen: Mittlerweile gehört das Familienunternehmen als weltweit agierende Same Deutz-Fahr Gruppe zu den wenigen - bislang sind es nur fünf - Umsatz-Milliardären der Landtechnikbranche. Und diese elitäre Position will er mit den beiden Söhnen Aldo und Francesco noch konsequent weiter ausbauen.
 
Wenn man einen italienischen Cavaliere, also einen italienischen Edelmann, beschreiben müsste, Vittorio Carozza könnte sicherlich als Paradebeispiel dafür gelten. Der großgewachsene Mann mit streng nach hinten gekämmten ergrauten Haaren wirkt mit oder ohne Brille, locker entspannt im Lederstuhl plaudernd oder konzentriert hinter dem großen Schreibtisch arbeitend, immer wie ein Patriarch, wie ein Souverän. Als einzigen sichtbaren Schmuck ziert neben der Uhr die linke Hand auch noch ein Ring - der unschwer als schlichter Ehering zu identifizieren ist. Und wenn Vittorio Carozza über seine Frau Luisella und die beiden Söhne spricht, dann spürt man als Gegenüber, dass die Familie ihm sehr viel bedeutet.
 
Es gibt sicherlich nicht ganz so viele erfolgreiche Persönlichkeiten, die auf die Frage, auf was sie denn besonders stolz sind in ihrem Leben und was sie bewundern, spontan antworten: "Meine Frau Luisella in ihrer ganzen Persönlichkeit, und meine beiden Söhne, die einen fantastischen Lebensweg gehen. Ein ganz besonderer Mensch war auch mein leider viel zu früh verstorbener Schwiegervater. Traktoren waren Francesco Cassani´s absolute Leidenschaft und für die Mitarbeiter war er irgendwie wie ein Heiliger. Mich selbst machen im Übrigen neue Produkte aus unserem Hause, die der Markt gut annimmt, wie jüngst unser eigenes CVT Getriebe, stolzer als die getätigten Firmen- Übernahmen."
 
Interessant ist, wie die Besitzanteile im Hause Carozza geregelt sind. Seine Frau und er halten jeweils 37,5 und die beiden Söhne jeweils 12,5 Prozent. Egal ob Vater und Sohn oder Mutter und Sohn, es ergibt sich keine absolute Mehrheit. Nur beide Eltern zusammen oder die beiden Söhne gemeinsam mit einem Elternteil können den Unternehmenskurs vorgeben. Da der Schwiegervater 1973 gestorben ist, musste Vittorio Carozza ohne große Einarbeitungszeit bereits als 31-Jähriger die gesamte Verantwortung für das Unternehmen schultern. Und dies in einer Zeit, die gekennzeichnet war von einem dramatischen Einbruch der Traktorverkaufszahlen.
 
Auf die aktuelle Situation in der Finanzwelt und der italienischen Regierung angesprochen, fällt die Reaktion recht heftig aus: "Für die italienische Politik gibt es nur ein Wort, desaströs. Und bei nicht wenigen Bankern sprechen wir doch von Räubern, die Investmentbanker sind einem Krebsgeschwür ähnlich. Ich verdiene auch gerne Geld, aber wenn ich die ganze Menschheit dafür betrügen muss, lasse ich es lieber."
 
Geistigen Freiraum schaffen
 
Da ihn sein Unternehmen permanent gedanklich beschäftige, versucht Carozza ganz bewusst Kontrapunkte in seinem Leben zu setzen. Generell suche er lieber Entspannung auf seinem Weingut in der Nähe von Lugano. Er habe es halb verfallen 1980 erworben und sukzessive wieder aufgebaut. Heute umfasse die Betriebsfläche rund 17 Hektar, etwa auf der Hälfte davon stehen Weinstöcke. "Unsere Hauptsorte ist mit 90 Prozent Merlot, den Rest teilen sich Cabernet Sauvignon und Chardonnay zu gleichen Teilen. Sich mit Wein beschäftigen zu können, ist für mich ein Gottesgeschenk. Ich könnte zwar nicht die ganze Zeit auf dem Land verbringen, aber drei Tage die Woche dürfen es schon sein. Wichtig ist mir jedoch eine große Stadt in der Nähe wie Mailand. Vom Werk in Treviglio bis zum Weingut fahren wir im Normalfall so um die eineinhalb Stunden, das lässt sich gut bewältigen."
 
Auf die abschließende Frage nach den berühmten drei Wünschen, grübelt Carozza ein bisschen und antwortet dann doch recht philosophisch: "Ich habe auf jeden Fall keine materiellen Ziele, eher die wirklich wichtigen Dinge wie Gesundheit oder dass es der Familie gut geht. Das Größte wäre eigentlich Frieden mit sich selbst zu finden, aber dieses Ziel bleibt für einen Lebenden sicherlich unerreichbar."
 
Den kompletten Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK.
 
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Keywords Agrartechnik | Getriebe | Interview | Landtechnik | Portrait | Same Deutz-Fahr | Tischgespräch | Traktoren | Vittorio Carozza | Weingut
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