Mittwoch, 23.05.2012
Dänemark übernimmt den EU-Ratsvorsitz
Brüssel - Mit dem Jahreswechsel übernimmt Dänemark für sechs Monate den Ratsvorsitz der Europäischen Union. Die zu erwartenden Schwerpunkte in der Agrarpolitik zeichnen sich schon ab.
Ab 1. Januar 2012 übernimmt Dänemark die EU-Ratspräsidentschaft.
© hb1111/aboutpixel
Die erst seit Anfang Oktober bestehende Mitte-Links-Regierung
unter Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt dürfte insgesamt und gerade auch in der
Agrarpolitik deutlich umweltbetontere Akzente setzen als
Polen, das im zweiten Halbjahr 2011 den Vorsitz führte.
Wie der dänische Europaminister Nicolai Wammen
Mitte Dezember in Brüssel darlegte, will Kopenhagen unter
anderem die europäische Wirtschaft nachhaltiger machen
und ein "grünes Wachstum" fördern. Wammen
warnte vor einer Abwanderung von Hochtechnologiebereichen,
sollte es Europa nicht gelingen, gemeinsam Investitionen
in "grüne" Techniken, erneuerbare Energien und
Energieeffizienz voranzubringen. Damit trage man auch
zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei.
Landwirtschaftsministerin
Mette Gjerskov, wie Thorning-Schmidt
und Wammen Sozialdemokratin, unterstützt vor diesem
Hintergrund ausdrücklich die weitere Ökologisierung der
Gemeinsamen Agrarpolitik in der Ersten Säule, auch
wenn sie im Einklang mit vielen ihrer EU-Kollegen zusätzliche
Bürokratie ablehnt. Gleichzeitig tritt die 45-Jährige
für eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher
Betriebe ein und hat sich in der
Vergangenheit gegen eine Kappung der Direktzahlungen
ausgesprochen.
Schneller Erfolg bei der Agrarreform hängt von den Dänen ab
Eine der Hauptaufgaben der Ministerin dürfte die Fokussierung
der Diskussion um die EU-Agrarreform auf die problematischen
Punkte werden. Das mehr als 600 Seiten starke
Paket, das EU-Agrarkommissar Dr. Dacian Cioloş im
Oktober vorgelegt hat, besteht natürlich nicht nur aus Sprengstoff
wie Greening, Kappung oder auch der Neuabgrenzung
benachteiligter Gebiete. Vielmehr befinden sich darin zahlreiche
Punkte, die unstrittig oder rein technischer Natur sind.
Genau diese Details gilt es zu finden und auszublenden.
Nach
Einschätzung von Beobachtern wird es maßgeblich von der
Vorarbeit der Dänen abhängen, wie schnell in den Monaten,
die ihrem Vorsitz folgen, ein Kompromiss geschnürt werden
kann - auch wenn davon ausgegangen wird, dass dies nicht
mehr unter der anschließenden Präsidentschaft Zyperns, sondern
frühestens den Iren in der ersten Hälfte von 2013 gelingen
wird. Gjerskov will im Juni einen Fortschrittsbericht zu
den Schlüsselthemen vorlegen.
Reform steht jeden Monat auf der Tagesordnung des Rates
Bis dahin steht die Agrarreform
regelmäßig auf der vorläufigen Tagesordnung der monatlichen Ratssitzungen. Den Auftakt macht das Treffen im
Januar mit einer Aussprache über die Vorschläge zur einheitlichen
Gemeinsamen Marktordnung. Bekanntlich will Cioloş
insbesondere die Kriseninstrumente überarbeiten und schlagkräftiger
machen. Im Februar soll einmal mehr das Thema
Vereinfachung zur Sprache kommen. Im April dürfte ein Bericht
der Europäischen Kommission über die Umsetzung der
EU-Ökoverordnung zur Debatte stehen. Zum traditionellen
informellen Austausch der Minister lädt Gjerskov vom 3. bis
5. Juni nach Horsens in Jütland ein, eine Hafenstadt südlich
von Aarhus.
Kosten bei den Fleischkontrollen verringern
Im Veterinärbereich will die Ministerin unter anderem die Effizienz
der Fleischkontrollen voranbringen, beispielsweise im
Schlachthaus. Ein Hauptziel ist die Verringerung der Kosten
für Erzeuger. Schweinefleisch ist ein Exportschlager Dänemarks
und ein wichtiges Standbein der dortigen Landwirtschaft.
Nach Branchenangaben entfällt fast die Hälfte des
Werts der dänischen Agrarausfuhren auf Schweinefleisch.
Gjerskov will effiziente Kontrollen zum Gegenstand einer
Konferenz machen.
Eine weitere Tagung im März soll sich
ganz dem aktuellen Thema Antibiotikaresistenz widmen. Auch
der Tierschutz steht hoch oben auf der Liste der Ministerin.
Deshalb kommt es ihr gelegen, dass die Europäische Kommission
unter ihrem Vorsitz einen Aktionsplan zu diesem Thema
für den Zeitraum 2011 bis 2015 herausgeben will.
Teileinigung bei LIFE angestrebt
Umweltministerin Ika Auken wird einen Schwerpunkt ihrer
Arbeit darauf legen, die unlängst vorgestellten Kommissionsvorschläge
zum EU-Programm LIFE voranzubringen. Erklärtes Ziel
der erst 33-jährigen Ministerin ist es, eine politische Teileinigung
zu erreichen. Daneben will sie die Vorschläge zur Reform der
Anbauregeln für gentechnisch veränderte Organismen (GVO)
wieder aufgreifen. Bekanntlich will die Kommission den Mitgliedstaaten
politische Gründe für einen Verzicht auf den GVOAnbau
einräumen. Von dem seit Sommer 2010 diskutierten Dossier
war zuletzt allerdings wenig zu hören. Die Kommission
konnte die vielen rechtlichen Fragen bislang nicht zerstreuen.
Langfristige Ziele festlegen
Darüber hinaus wird Dänemark versuchen, dem 7. EU-Umweltaktionsprogramm
seinen Stempel aufzudrücken. Das aktuelle
6. Programm läuft im kommenden Juli aus und soll durch eine
neue zehnjährige Rahmenregelung ersetzt werden. Darin werden
die grundlegenden Ziele und langfristigen Strategien für die EU-Umweltpolitik
festgelegt. Im eigenen Teilbereich Klimaschutz,
für den Dänemark bekanntlich die zuständige EU-Kommissarin
Connie Hedegaard stellt, geht es um die Fortführung der
internationalen Verhandlungen für ein Nachfolgeabkommen zum
Kyoto-Protokoll sowie um die Wiederaufnahme der Gespräche
über die EU-eigenen Ziele bis 2050. Der Umweltrat konnte sich
2011 nicht auf eine gemeinsame Position zum entsprechenden
Kommissionsfahrplan einigen.
GAP nach 2013: Ciolos "New Green Deal"
AgE
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