Mittwoch, 23.05.2012
Agrarmärkte: Rückblick auf 2011 und Ausblick auf 2012
Berlin - Wie der DBV in seiner Agrarmarkt-Analyse feststellte, waren die Agrarmärkte 2011 bei vielen Produkten recht freundlich und sicherten den Bauern teils durchschnittliche, teils auch höhere Preise.
Die Ertragssituation war in den verschieden Agrarsparten 2011 höchst unterschiedlich. In der Summe konnten sich die Landwirte jedoch freuen.
© Rainer Sturm/aboutpixel.de
Höhere Preise führten jedoch nicht automatisch zu besseren Einnahmen, denn vielerorts war die Ernte bei Getreide und Raps unterdurchschnittlich. Die gestiegenen
Getreidepreise führten auch zu höheren Futterkosten. Für viele Tierhalter war dies eine bittere Pille. Wie vom Blitz wurde die Agrarbranche von den Dioxin- und EHEC-Fällen getroffen. Beide Krisen zeigten mehr als deutlich, wie sensibel die Märkte reagieren können. Gleich zweimal innerhalb eines Jahres mussten Erzeuger für eine gewisse Zeit den Totalausfall ihrer Erlöse verkraften, obwohl sie hierfür keinerlei Verantwortung trugen. Eine deutlichere Verbesserung bringen die Märkte vor allem den Milchbauern. Die Nachfrage nach Milchprodukten und auch nach Rindfleisch hat sich europaweit stabil entwickelt.
Milchmarkt
Beim Blick auf das zurückliegende Jahr 2011 können die
Milcherzeuger ein weitgehend positives Resümee ziehen. Die recht
stabile Lage am Milchmarkt bewirkte eine Zunahme bei der Milcherzeugung
auf rund 29,8 Millionen Tonnen Anliefermenge. Für das
Milchwirtschaftsjahr 2011/2012 ist eine Steigerung der Milchmenge
möglich. Für die Milchbauern gab es ein leichtes Plus bei den
Erzeugerpreisen. Der Jahrespreis liegt bundesweit voraussichtlich bei
rund 35 Cent je Kilogramm Milch. Parallel zu steigenden Milchpreisen
wächst auch der Kostenaufwand für die Milchproduktion. Vor diesem
Hintergrund ist die nachhaltige Erholung der Milchpreise umso
wichtiger. Für 2012 ist zu erwarten, dass der Aufwärtstrend bei der
Milchproduktion anhält und der Milchmarkt im In- und Ausland relativ
stabil bleiben wird, auch wenn zu Beginn des Jahres mit einer leichten
Delle der Milchauszahlungspreise zu rechnen ist.
Schweinemarkt
Im Jahr 2011 werden die Schweineschlachtungen in Deutschland
mit voraussichtlich 59,3 Mio. Stück einen weiteren Rekordwert
erreichen. Anders als in den Vorjahren wurden jedoch deutlich weniger
schlachtreife Schweine nach Deutschland geliefert, dafür aber deutlich
mehr Ferkel. Dieser Trend wird sich 2012 weiter fortsetzen. Der
Durchschnittspreis für Schlachtschweine, bezogen auf die Handelsklasse
E, wird für 2011 mit rund 1,53 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht etwa
11 Cent über dem Vorjahr erwartet. Letztlich sind die hohen
Futterkosten dafür verantwortlich, dass trotz des guten Preisniveaus
außerordentlich bescheidene Ergebnisse in der Schweinemast und geradezu
katastrophale Wirtschaftsergebnisse in der Ferkelerzeugung zu
verzeichnen sind. Im Jahr 2012 brauchen die Schweinehalter dringend
höhere Erzeugerpreise, damit die Anpassung an die gestiegenen
Futterpreise nachhaltig gelingt. Auf EU-Ebene ist ein deutlicher
Rückgang der Sauenbestände zu verzeichnen. Hält diese Entwicklung an,
könnten die Betriebsaufgaben der Sauenhalter eine Größenordnung
erreichen, die 2012 erheblichen Einfluss auf die gesamte
EU-Schweineproduktion haben kann. 2012 wird zudem geprägt sein von der
Umstellung auf die Gruppenhaltung, die vielen Betrieben noch einiges an
Investitionen abverlangen wird.
Rindermarkt
Bei Schlachtrindern haben sich 2011 die Erzeugerpreise gut
entwickelt. Die Preise bewegten sich bei Jungbullen mehr als 30 Cent
und bei Schlachtkühen mehr als 40 Cent über dem Vorjahr. Die gute
Preisentwicklung übertrug sich zum Teil auch auf die Kälberpreise. Die
Exportmöglichkeiten in die Türkei trugen zur festen Marktlage bei.
Sogar die Weltmarktpreise von Rindfleisch nähern sich inzwischen den
EU-Preisen an. Auf den Anstieg der Endverbraucherpreise bei Rindfleisch
von rund 10 Prozent reagierten die Verbraucher mit einer moderaten
Kaufzurückhaltung. Der Preiseinbruch zum Jahresende 2011 deutet aber
darauf hin, dass jetzt eine gewisse Akzeptanzgrenze erreicht ist. Für
2012 sind die Aussichten dennoch positiv.
Geflügelmarkt
Erstmals seit 2006 wird von den Marktexperten auf dem deutschen
Geflügelmarkt kein weiterer Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs gesehen.
Bei den Puten ist sowohl in Deutschland wie auch in der EU ein leichter
Rückgang zu verzeichnen. In Deutschland stieg der Verbrauch von
Hähnchenfleisch leicht an, allerdings deutlich schwächer als in den
Vorjahren. In der EU beschleunigt sich der Verbrauch dagegen wieder.
Analog zu diesen Zahlen wird auch die Entwicklung der Erzeugung bei
Hähnchen und Puten für Deutschland gesehen. Da der
Selbstversorgungsgrad für Geflügelfleisch mittlerweile 104 Prozent
erreicht hat, wird sich der Sektor im neuen Jahr verstärkt auf den
Export konzentrieren müssen.
Eiermarkt
Durch das vorzeitige Verbot der Käfighaltung in Deutschland
ist der Selbstversorgungsgrad 2010 bei Eiern auf knapp 55 Prozent
zurückgegangen. Da das Käfigverbot ab 2012 auch in der übrigen EU gilt
und viele Erzeuger in anderen Ländern noch nicht umgestellt haben,
richtet sich die Hoffnung der deutschen Erzeuger auf einen besseren
Markt. Entscheidend hierfür aber ist, dass das Käfighaltungsverbot auch
in den anderen EU-Mitgliedstaaten konsequent umgesetzt wird. Die
Einstallungsstatistiken aus mehreren EU-Staaten weisen bereits auf
deutliche Rückgänge hin.
Getreide- und Ölsaatenmarkt
Das zu Ende gehende Jahr 2011 war für die deutschen
Ackerbaubetriebe erneut ein kompliziertes Jahr aufgrund anhaltender
Frühjahrstrockenheit und einer Regenzeit zur Getreideernte. In
Deutschland wurden 41,4 Millionen Tonnen Getreide geerntet. Damit wurde
der mehrjährige Durchschnitt um mehr als 9 Prozent unterschritten. Auch
die Ernte von Winterraps verzeichnete in 2011 massive Einbrüche. Zuerst
verringerte sich die Rapsanbaufläche, hinzu kamen deutliche
Ertragsverluste, so dass nur etwa 3,86 Millionen Tonnen Winterraps
geerntet wurden. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einer
Minderernte von gut 32 Prozent. Mit Blick auf das Jahr 2012 hoffen die
Erzeuger auf eine Wiederbelebung des Handels, zumal nicht von einer
ausreichenden Rohstoffdeckung der Mühlen bis zur Ernte 2012 ausgegangen
werden kann. Langfristig könnte ein Aufwärtstrend der Notierungen auch
aufgrund der weltweit steigenden Nachfrage erhalten bleiben. Nach den
jüngsten Veröffentlichungen der weltweiten Fundamentaldaten erscheint
allerdings ein kurzfristiger Anstieg der Notierungen weniger
wahrscheinlich.
Kartoffeln
Das Jahr 2011 war auch für die Kartoffelanbauer ein Jahr
voller Höhen und Tiefen. Den guten Pflanzbedingungen im Frühjahr
folgten Trockenheit im Frühsommer und Nässe während der Ernte. Mit
einer Gesamternte von 11,9 Millionen Tonnen liegt die Erntemenge um 18
Prozent höher als im Vergleich zum Vorjahr. Durch den geringen
Knollenansatz brachten die gerodeten Kartoffeln insgesamt große Kaliber
hervor, deren Absatz nicht ganz reibungslos verläuft. Mit Blick auf die
Vermarktung bleibt festzuhalten, dass der Absatz der Frühkartoffeln
sehr spät begann, da Ware aus Südeuropa lange vom
Lebensmitteleinzelhandel bevorzugt angeboten wurde. Die Entwicklung der
Erzeugerpreise im Verlauf des Jahres verlief für die Anbauer nicht
zufriedenstellend. Für 2012 ist von einer verhaltenen Anbauplanung
auszugehen.
Obst- und Gemüsemärkte
Mitte 2011 traf die EHEC-Krise die Obst- und Gemüsebauern so
hart wie zuletzt die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Bis zum
Jahresende hatten sich die Gemüsemärkte von dem Schock nicht wirklich
erholt. Inzwischen stehen zumindest die Zeichen beim Lagergemüse wie
Kohl, Möhren, Sellerie, Wirsing, Weiß- und Rotkohl recht freundlich.
Durch die Witterung konnten vergleichsweise gute Ernten eingefahren
werden und die Abverkäufe erfolgten mit durchschnittlichen Preisen.
Lediglich bei Zwiebeln können die Preiserwartungen wegen der großen
Erntemengen nicht befriedigen. Auch bei Lagermöhren könnte sich zum
Ende der Saison noch ein Überhang ergeben.
Bei Äpfeln ist die Vermarktungssaison
zögerlich angelaufen, die Preise sind leicht niedriger als im Vorjahr.
Für das neue Jahr wird bei Kernobst ein stärkerer Abverkauf
erforderlich sein, wobei die Preiserwartungen leicht optimistisch
eingeschätzt werden können. Gegenüber dem Vorjahr lagern zwar rund 20
Prozent mehr Äpfel in den Lagern, gegenüber 2007 und 2008 bedeutet das
allerdings immer noch eine geringere Menge. Zudem ist zu bedenken, dass
seit 2007 deutlich mehr moderne Lagerkapazitäten mit kontrollierter
Atmosphäre geschaffen wurden, so dass die Qualität der eingelagerten
Äpfel deutlich besser geworden ist.
Ökomarkt
2011 war für den Ökomarkt wieder ein Boomjahr mit fast 10
Prozent Umsatzzuwachs, nach zwei Jahren mit sehr geringem Wachstum.
Damit wächst der Bio-Markt in einem ansonsten stagnierenden
Lebensmittelmarkt weiter. Langfristig haben Öko-Landwirte aus
Deutschland jedoch Marktanteile verloren. Während sich der deutsche
Ökomarkt von etwa 2 Mrd. Euro Umsatz auf über 6 Mrd. Euro Umsatz
verdreifachte, hat sich die Anbaufläche hierzulande nur verdoppelt.
Eher schleppend verläuft die Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung
insbesondere bei guten Ackerstandorten. Da die Preisabstände von Öko zu
konventioneller Rohware, außer bei Milch und Rindfleisch, seit 2011
wieder zunehmen, ist für 2012 aber wieder mit einer zunehmenden
Umstellung zu Öko-Bewirtschaftung auszugehen. Dafür müssen aber auch
die Umstellungsbedingungen stimmen. In einigen Bundesländern wird
derzeit keine Ökoprämie für neu umstellende Landwirte gewährt.
pd
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