Ernte: Stillstand im Osten, im Westen und Süden geht's weiter
Berlin - Regen, Regen, Regen - er hat Landwirte quer durch Deutschland zur Ernteunterbrechung gezwungen. In vielen Regionen können die Mähdrescher ihre Arbeit jetzt aber wieder fortsetzen.
Schonender Umgang mit Energiereserven in der Landwirtschaft: Auch energiesparende Landmaschinen tragen dazu bei.
© Mühlhausen/landpixel.de
Die teils ergiebige Regenphase der vergangenen Tage und Wochen hat die Landwirte in vielen Regionen Deutschlands zu einer Unterbrechung der Erntearbeiten gezwungen. Im Osten Deutschlands und insbesondere im Nordosten herrschen derart nasse Bodenverhältnisse vor, dass die Flächen nicht befahrbar sind. Die Landwirte brauchen jetzt einige Tage trockenes Sonnenwetter, um das reife Getreide auf den Feldern ernten zu können.
Im Westen und Süden Deutschlands fahren dagegen seit gestern die Mähdrescher. Dies geht aus dem 2. Erntebericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor, der auf einer Umfrage bei den Landesbauernverbänden über die tatsächlichen Erntemengen basiert.
Der 2. Erntebericht zeigt, wie die diesjährige Ernte in den einzelnen
Regionen Deutschlands sehr differenziert voranschreitet und wie regional
unterschiedlich die Erträge ausfallen.
Wintergerste: Ernte großteils abgeschlossen
Die Ernte der Wintergerste ist bis auf Restflächen abgeschlossen. Die
erwarteten großen regionalen Unterschiede bei den erzielten Erträgen
haben sich bestätigt. So liegen in den östlichen Bundesländern sowie im
Südwesten die erzielten Erträge bis zu 50 Prozent unterhalb des
Vorjahresergebnisses.
Im Süden sowie in der Mitte Deutschlands sind die
Ertragsminderungen zwar weniger deutlich, bewegen sich aber immer noch
in einer Größenordnung von zehn bis 15 Prozent.
Für die deutsche
Wintergerstenernte ergibt sich ein Minderertrag von etwa 20 Prozent.
Hinzu kommt, dass die Anbaufläche zur Ernte 2011 nach den Ergebnissen
der Bodennutzungshaupterhebung des Statistischen Bundesamtes nur noch
1,19 Millionen Hektar beträgt. Gegenüber der Anbaufläche des Vorjahres
entspricht dies einem Rückgang von gut acht Prozent.
Auch die Qualität der
geernteten Wintergerste ist sehr heterogen. Die Hektolitergewichte
schwanken aufgrund eines teilweise hohen Schmachtkornanteils von weniger
als 60 Kilogramm bis zu erfreulich hohen Eigengewichten von 70
Kilogramm. Die aktuellen Erzeugerpreise bewegen sich im Bereich von 170
bis 190 Euro pro Tonne.
Sommergerste: Teils deutliche Ertragseinbußen
Die Ernte der Sommergerste, die vor allem im Süden und Südosten
Deutschlands angebaut wird, hat dagegen erst begonnen. Erste
Druschergebnisse deuten auf teils deutliche Ertragseinbußen von bis zu
20 Prozent und erhöhte Eiweißgehalte hin. Die Eiweißgehalte sind unter
anderem für die Verwendung als
Braugerste von Bedeutung. Denn nur wenn
die Proteingehalte mindestens 9,5 Prozent über maximal 11,5 Prozent
betragen, wird Sommergerste als
Braugerste akzeptiert.
Roggen: Mindererträge bis zu 50 Prozent
Auch die
Roggenernte steht derzeit noch ziemlich am Anfang. In Brandenburg, dem
Bundesland mit der größten Roggenanbaufläche, wurde bisher lediglich
etwa ein Viertel der Flächen geerntet.
Aufgrund der lang anhaltenden
Trockenheit wird auch beim Roggen mit Mindererträgen zu rechnen sein;
stellenweise, an leichten Standorten Ostdeutschlands, können diese über
50 Prozent liegen.
Winterweizen: Ernte hat gerade begonnen
Die Winterweizenernte ist in weiten Teilen Deutschlands angelaufen. Im
Süden Deutschlands konnten bisher etwa 20 Prozent der Flächen gedroschen
werden. In Sachsen und Sachsen-Anhalt ist die Ernte zu einem Drittel,
regional bis zu zwei Dritteln, etwas weiter fortgeschritten. Im Norden
Deutschlands hat die Ernte des Winterweizens erst begonnen, eine
Ausnahme bildet hier Schleswig-Holstein. Naturgemäß reifen in den
nördlichen Regionen die Bestände später ab, die intensiven Niederschläge
in der zweiten Julihälfte haben dies weiter verzögert.
Eine fundierte
Einschätzung der Erträge und Qualitäten anhand der wenigen
Druschergebnisse ist noch nicht möglich. Im Schnitt können die Landwirte
derzeit 180 bis 200 Euro pro Tonne Weizen erzielen.
Getreide: Probleme mit hohen Feuchtegehalten
Auffallend sind die hohen Feuchtegehalte der geernteten Getreidepartien,
in denen sich die ungünstigen Witterungsverhältnisse für die
Getreideernte niederschlagen. Sowohl Wintergerste als auch Winterweizen
werden gebietsweise bereits mit einer Feuchte von 18 Prozent gedroschen.
Zum Verkauf beziehungsweise zur Einlagerung ist jedoch eine Feuchte von
14,5 Prozent gefordert. Trotz der erhöhten Feuchte nutzen die Landwirte
jedes mögliche Zeitfenster zum Drusch, um insbesondere bei den
Brotgetreidearten die Qualität zu erhalten. Dadurch entstehen den
Landwirten erhebliche Trocknungskosten.
Raps: Ertragsrückgänge und geringere Anbaufläche
Die derzeit unter schwierigen Bedingungen laufende
Rapsernte ist im
Gange. Die zu feuchten Witterungsverhältnisse im Juni und Juli haben zu
Zwiewuchs sowie zu einem Nachblühen geführt, weswegen die Bestände nun
ungleichmäßig abreifen. Zudem sind die Bestände vielfach stark
verunkrautet. Diese Faktoren führen dazu, dass neben der erhöhten
Feuchte des Erntegutes nur ein langsames Fortkommen bei der Ernte
möglich ist. Dennoch konnten im Süden, im äußersten Westen sowie im
Osten Deutschlands bereits erhebliche Flächenanteile gedroschen werden.
Im Norden Deutschlands ist die Ernte abgesehen von Niedersachsen dagegen
weniger weit vorangeschritten. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, wo
der Anbau von Raps eine hohe Bedeutung hat, ist ein Fortgang der Ernte
aufgrund der nassen Bodenverhältnisse nicht möglich.
Wie zu erwarten
war, zeichnen sich die Erträge durch erhebliche Einbußen von bestenfalls
15 Prozent in Nordrhein-Westfalen bis zu 30 Prozent im Osten
Deutschlands aus. Neben den Ertragsrückgängen ist auch ein deutlicher
Rückgang der Anbaufläche zu beobachten. Aufgrund der schlechten
Aussaatbedingungen und des langen und harten Winters sind große
Flächenanteile wegen einer mangelhaften Bestandsentwicklung umgebrochen
worden. Aktuelle Erhebungen gehen von einer Anbaufläche von 1,31
Millionen Hektar aus. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem
Flächenrückgang von knapp zehn Prozent.
Das Erzeugerpreisniveau konnte
trotz der reduzierten Ernteerwartungen den Höchststand vom Januar dieses
Jahres nicht wieder erreichen und bewegt sich derzeit im Bereich von
420 bis 440 Euro pro Tonne.
Mais: Witterung wirkt sich günstig aus
Die Maisbestände profitieren in ihrer Entwicklung von der Witterung der
letzten Wochen. Eine ausreichende Wasserversorgung in Kombination mit
den erwarteten höheren Temperaturen der nächsten Tage bilden gute
Entwicklungsbedingungen für Mais, aber auch für Zuckerrüben.
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Video: Ernteausblick in Ribbeck (4. Juli 2011)
pd
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