Dorsten - Tierschutz, Tierhaltung und die öffentliche Wahrnehmung waren ein großes Thema auf dem DBV-Veredlungstag. Doch auch die prekäre Preissituation in der Schweinehaltung stand zur Debatte.
Vertreter aus der gesamten Wertschöpfungskette, aus Politik, Kirche und Verwaltung kamen ebenso zum Veredlungstag wie Schweinemäster und Ferkelerzeuger.
© Agravis
"Tierschutz in der Landwirtschaft ist mit modernster Tierhaltung zu realisieren. Mit dem Bau vieler neuer Ställe können wir mit Stolz zeigen, dass wir in den vergangenen Jahren viel für die Lebensqualität unserer Tiere getan haben. Wir wissen, dass wir auf diesem Weg entsprechend des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts weitergehen müssen." Zu dieser Feststellung kam der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Franz-Josef Möllers, vor rund 400 Teilnehmern auf dem DBV-Veredlungstag. Zur Tagung auf dem Gelände des AGRAVIS Kraftfutterwerkes in Dorsten, Westfalen, kamen Schweinemäster und Ferkelerzeuger, aber auch Vertreter aus der gesamten Wertschöpfungskette sowie aus Politik, Kirche und Verwaltung.
Dem Veredlungstag 2011 komme eine besondere Aufgabe zu, betonte Möllers
zum Auftakt. Ob im Bundestag, im Bundesrat, in den Ministerien, in den
Vertretungen der Gemeinden und anderen Einrichtungen: Noch nie seien
Stallbauten, aber auch die Tierhaltung insgesamt, so intensiv in der
Gesellschaft diskutiert worden. "Wir Bauern suchen die Diskussion
und führen sie offen, verlangen aber auch Fairness in der öffentlichen
Darstellung und Diskussion, was machbar ist und was derzeit
wirtschaftlich noch nicht umsetzbar ist", betonte Möllers. "Entgegen der teilweise überzogenen Kritik einiger Tierschutzverbände
ist die Entwicklung der Tierhaltung in Deutschland eine Erfolgsstory.
Unsere Produkte finden hohe Anerkennung auf dem Weltmarkt, auch wenn uns
das harte Preisregime so mancher Abnehmer mitunter schmerzt", führte
Möllers weiter aus.
Erzeugung in Deutschland vergleichsweise stabil
"Dennoch, wenn wir auf die Bestandsentwicklungen in
der Europäischen Union schauen, erkennen wir eine vergleichsweise
stabile Entwicklung in der deutschen Erzeugung, in anderen europäischen
Ländern gehen die Bestände zurück", sagte Möllers zur aktuellen
Entwicklung in Europa. Den zunehmend schärferen Wettbewerb bekämen nun
aber auch die Erzeuger in Deutschland zu spüren. "Die Preissituation ist
katastrophal, insbesondere für die Sauenhalter", so Möllers. Maßgeblich
hätte dazu ein großes Angebot aber auch der Dioxinskandal beigetragen.
Der Markteinbruch im Januar 2011 sei zwar mit Hilfe der Privaten
Lagerhaltung abgefedert worden. Das Fleisch sei in diesen Wochen
zusätzlich zur normalen Erzeugung wieder am Markt und wirke als
Preisdämpfer, erklärte Möllers.
Landwirtschaftsministerium lehnt Härtefallregelung ab
Neben dem Dioxinskandal bereiten die
schlechte Ernte und hohe Futterkosten den Schweinehaltern große Sorgen.
Der
DBV hatte angesichts der schwierigen finanziellen Situation in der
Sauenhaltung eine Härtefallregelung für ältere Betriebsleiter und
besondere Liquiditätshilfen für Schweinemäster gefordert, stellte
Möllers heraus. Die Enttäuschung über die Ablehnung durch das
Bundeslandwirtschaftsministerium sei immer noch groß. "In der
Sauenhaltung droht bis zum Jahr 2013 ein Strukturschock, wie wir es
bisher noch nicht erlebt haben", fasste Möllers die aktuelle Lage
zusammen.
Umso wichtiger sei für die Schweinehalter, dass die
Bundesregierung endlich das Instrument einer Risikorücklage schaffe, mit
dessen Hilfe die heftigen Einkommensschwankungen abgemildert würden.
Hier gehe es nicht um Steuergeschenke, stellte Möllers klar.