Biogas Mit Gärrest Wasser schützen

<i></i> Weil das Grundwasser zu viel Nitrat enthielt, hat ein Wasserversorger in Nordrhein-Westfalen eine Biogasanlage gebaut und den Landwirten ein attraktives Kooperationsangebot gemacht. Wer mitmacht spart Geld, hat mehr Zeit für die Hofarbeit und verbessert die Trinkwasserqualität. Die dlz war für Sie vor Ort.

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Mit moderner Technik bringt ein Lohnunternehmen den Gärrest der Biogasanlage Marsberg im Wasserschutzgebiet aus.
Was da hinein fließt, ist erstmal verschwunden.", sagt Michael Kemper, ein hoch gewachsener, hellhäutiger Mann mit blauen Augen und graumelierter Schiebermütze auf dem Kopf. Er arbeitet für die Landwirtschaftskammer (LWK) Nordrhein-Westfalen (NRW). Kemper steht am Rand eines sogenannten Schwalgloches, ein fünf Meter tiefer und 20 Meter breiter Erdkrater, der sich vor ihm in der hügeligen Landschaft bei Marsberg (NRW) auftut. Büsche umsäumen die Grube, sie ist als solche nur zu erkennen, wenn man näher herantritt. Dann ist auch der Bach zu sehen, der im Erdloch verschwindet. Dessen Wasser fließt unterirdisch durch zerklüftetes Gestein und gelangt so ins Grundwasser oder in einen Fluss. "Das ist typisch in einem Karstgebiet, und auch, dass wir hier eine spezielle Wassersituation haben. Die Landwirtschaft beeinflusst die Grundwassergüte hier stärker als anderswo.", weiß der Pflanzenbauberater. "Vielerorts ist der Boden über dem Gestein so dünn, dass er das Regenwasser zu wenig filtert. Nährstoffe aus der Düngung gelangen so schnell ins Grundwasser, das oft nur drei bis 36 Monate jung und mit Nitrat belastet ist."

Gärrest zu bestimmten Zeiten

Um das Grundwasser zu schützen, haben die Stadtwerke Marsberg vor sechs Jahren eine Biogasanlage ins Wasserschutzgebiet (WSG) gebaut und mit 100 Landwirten, die dort ihre Betriebe haben, Kooperationsverträge geschlossen. Über die Hälfte der Bauern bewirtschaften Flächen in einer Zone, in der sie seit 2009 nur noch hygienisierten, also erhitzen, Wirtschaftsdünger verwenden dürfen. Das geht kostengünstig mit dem Biogassprojekt der Stadtwerke Marsberg. Diese haben ein externes Lohnunternehmen damit beauftragt, Gülle- und den größten Teil des Festmistes von den Landwirten kostenlos abzuholen und zur Biogasanlage zu bringen. Dort wird er zentral gelagert, vergärt und mit der Abwärme des Blockheizkraftwerkes (BHKW) bei 70°C eine Stunde lang hygienisiert. Die Landwirte bekommen anteilig Gärrest zurück. Wie viel auf ihre Flächen kommt, rechnet Kooperationsberater Kemper jährlich mit den Landwirten aus. Besonders von Ende Februar bis Ende Mai müssen 25.000 Kubikmeter Gärsubstrat verteilt werden, was einige Kooperationslandwirte im Rahmen einer Gülleausbringgemeinschaft mit schlagkräftiger Technik erledigen. Die Kosten dafür teilen sich alle Kooperationslandwirte und die Stadtwerke. Weil Kemper die Bauern berät und sich so um das Stickstoffmanagement im WSG kümmert, bezahlt der Wasserversorger seine Stelle bei der LWK. Außerdem kauft die Biogasanlage von den Landwirten Energiepflanzen zu Marktpreisen und organisiert die Ernte. Mit der Kooperation gewinnen alle Parteien.
 
Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin Mai 2012 erschienen.
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