Mittwoch, 23.05.2012
Dorfleben: 'Für mich ist es wie im Paradies'
München - Wir sind das Dorf - damit titelt die aktuelle Ausgabe des dlz agrarmagazins. Ein interessantes Thema, fanden wir bei agrarheute.com - und haben uns bei landlive-Usern nach ihrem Dorfleben erkundigt.
In ländlichen Regionen gibt es wesentlich mehr Verständnis für die Landwirtschaft, berichten landlive-User.
© Peter Smola/aboutpixel
Für den einen ein Traum, für den anderen die reinste Tristesse- Dorfleben polarisiert. Ob und wie gut das Zusammenleben funktioniert, hängt häufig am Engagement und Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner. Wer, wenn nicht sie sollte Dorffeste oder Fahrgemeinschaften organisieren, mit dem Einkaufsverhalten die Zukunft des Tante Emma Ladens garantieren oder mit Toleranz ein harmonisches Zusammenleben mit dem Nachbarn ermöglichen?
Wir wollten deshalb von unseren agrarheute.com-Usern wissen, wie sie ihre Dorfgemeinschaft erleben. Bei unserer Umfrage ergab sich ein relativ einheitliches Bild: Obwohl 34,3 Prozent mit ihrer Dorfgemeinschaft zufrieden sind, finden 43,9 Prozent der Teilnehmer, dass das Zusammenleben früher besser funktioniert hat. Unzufrieden zeigten sich 18,9 Prozent. Ein verschwindend kleiner Teil der User - nämlich 2,9 Prozent - beurteilten ihr Zusammenleben "heute besser als je zuvor".
Pro und Contra Dorfleben
Auch auf landlive haben wir uns nach dem Dorfleben erkundigt. Kampfdackel1 kommt zwar nicht selbst aus einem Dorf, stellt aber fest, dass es immer weniger Tante Emma Läden gibt und die Jugend wegzieht. "Alles in allem eine traurige Bilanz, die sich noch verschärfen wird", schreibt er. Das bestätigt auch gammi70: "Die Jugend zieht es eher weg aus den Dörfern in die Städte."
Ganz anders sieht es bei BanditHex aus. Zwar gibt und gab es bei ihr zu Hause noch nie Bäcker, Metzger oder ähnliches. Das alles gibt es allerdings im Nachbarort, inklusive FFW, Schützenverein, Burschenverein, Kirche und Wirtshaus. Bei ihr wird Zusammenhalt groß geschrieben: "Da die nächste S-Bahn rund 8 km entfernt ist, und nur morgends und
Abends ein Bus fährt (Schulbus ausgenommen) haben sich viele Bürger
zusammengetan, und es geschafft, das ein sogenannter Bürgerbus seinen
Dienst aufnehmen kann. Der fährt fast den
ganzen Tag, und die Fahrer sind alles ehrenamtliche Mitglieder, die aus
Hausfrauen, Rentnern oder eben jungen Leuten bestehen, denen das wichtig
ist." Mit ihrer Dorfgemeinschaft ist BanditHex sehr glücklich: "Es ist auch schön, wenn man am Abend Spazieren geht, und dann nur drei
Häuser weit kommt, weil man dann gleich beim Nachbarn zum Grillen
eingeladen wird.
Für Senioren werden Seniorennachmittage veranstaltet, und mit dem
Bürgerbus bleiben sie Mobil."
Das Kreuz mit der Mobilität
Mobilität kristallisierte sich in der landlive-Community als entscheidendes Thema heraus. Kampfdackel1 meint, das Dorfleben sei in Bezug darauf gewöhnungsbedürftig: "Autos müssen beide haben da man sonst nicht wegkommt." Die Vorteile durch das im Vergleich zur Stadt billigere Landleben seien damit schnell aufgebraucht. "Und wenn die Kidis flügge werden, biste ununterbrochen am hin und her fahren."
Im Dorf von gammi70 müssen viele Anwohner vier Kilometer in die Stadt zurücklegen, um in die Arbeit zu kommen. "Dafür hält bei uns im Dorf der Schulbus an zwei Haltestellen. Die Freunde
von unseren Kindern, die in der Stadt (ohne Straßenbahn usw.) in den
Wohngebieten wohnen, haben oft zwei Kilometer, die sie entweder zu Fuß oder mit Mamas
Auto zurücklegen. Also brauchen die 'Städter' auch zwei Autos."
BanditHex - in deren Dorf es inzwischen auch den Bürgerbus gibt - kann auf gute Erfahrungen zurückblicken: "Da wir, und auch die heutigen
Jungen immer zusammen unterwegs sind und waren, haben sich unsere Eltern
immer mit dem Fahren abgewechselt. Hatten alle ganz brave Eltern. Dafür
darf ich heute schon mal meinen Papa von irgendeiner Festivität abholen
mitten in der Nacht..."
Städter im Dorf - Erfahrungen höchst unterschiedlich
Der Zuzug von "Städtern" sorgt bei der angestammten Dorfbevölkerung für Unmut, wie einige landlive-User berichten. Kuchi94 beschwert sich über mangelndes Verständnis für die Landwirtschaft: "Ich finde es ganz und gar nicht so toll, dass so mancher
Städter im Neubaugebiet meckert, wenn man mal in der Ernte Sonntags arbeitet oder auch mal die Gülle ausfährt. Trotzdem eiern die mit
ihren Kindern auf dem Hof oder bei den Feldern rum, damit die Kinder die
Maschinen begaffen können. Dann ist es natürlich schön, wenn die Trecker und
Landmaschinen laufen ..."
Selbst schuld, findet landlive-User Antonius: "Wie es ums Baugrund verkaufen ging, hattet ihr die Euro-Zeichen auf den Augen!
Und das hat euch den Geit vernebelt." Auch BanditHex berichtet, dass die, "die den Baugrund verkaufen, zum Schluss am meisten jammern." Sie hat aber auch einen Lösungsvorschlag für "Zugezogene" parat: "Bei uns im Haus wird es so gehandhabt, das sie mehrmals drauf
hingewiesen werden, dass hier noch aktive Landwirtschaft betrieben wird, und sie es
sich voher überlegen müssen, ob sie damit zurecht kommen."
Dass es auch anders geht, beweist dikay1, ehemaliger Städter und glücklicher Dorfbewohner: "Für mich als Einzelkind aus der Stadt ist es wie im Paradies... Jeder
hilft jedem. Ich miste die Kühe vom Kollegen aus unserem Dorf. Dafür kümmert der Nachbar sich um meine Viecher wenn ich auf Geschäftsreise bin. Und wenn ich wieder im Odenwald bin, winken mir alle zu ... Dann fühl ich
mich dahoam."
Wollen auch Sie von ihren Erfahrungen mit dem Dorfleben berichten? Dann diskutieren Sich doch einfach bei der landlive-Community mit. zum Thread ...
ez
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