Mittwoch, 23.05.2012
DRV-Präsidium kritisiert GAP-Vorschläge
Berlin - Warenterminbörsen seien ein wichtiges Instrument zur Preisfindung an den Agrarmärkten, betonte Manfred Nüssel, der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes.
Der Raiffeisenverband nahm in seiner jüngsten Präsidiumssitzung ausführlich Stellung zur geplanten GAP.
© Martin Kolb/pixelio
"Der Anstieg der Agrarrohstoffpreise ist die Folge von Knappheiten am Markt und nicht von Spekulationen. Warenterminbörsen sind ein wichtiges Instrument zur Beherrschung der Preisvolatilitäten", erklärte Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), auf der gestrigen Präsidiumssitzung des Verbandes. Die Preisentwicklung werde nach Ansicht des DRV vorrangig von Angebot und Nachfrage bestimmt, teilt dieser in einer Pressemitteilung mit.
Agrarmärkte neigten jedoch aufgrund ihrer naturabhängigen Produktion weltweit zu Instabilitäten, die durch den Klimawandel noch verstärkt würden.
Terminmarktgeschäfte: Spekulationsplattform oder Garant stabiler Preise?
Warenterminbörsen seien nach dem Rückzug des Staates aus den
Agrarmärkten das maßgebliche Instrument zur Preisfindung und zur
Absicherung von Risiken.
"Sie leisten einen Beitrag zu
stabilen Verbraucherpreisen", betonte der DRV-Präsident.
Nüssel kritisierte, dass in der öffentlichen Diskussion die Nutzung von
Instrumenten des Risikomanagements negativ besetzt wird. "Ich bedauere
dies und fordere alle Beteiligten zu einer sachlichen Diskussion auf".
Ökologische Vorrangflächen könnten zu Preissteigerungen führen
Der DRV teile die Ansicht der G 20-Staaten, dass eine
ausreichende Nahrungsmittelversorgung nur durch eine nachhaltige
Steigerung der weltweiten Agrarproduktion erreicht werden kann.
Das DRV-Präsidium hat sich in einer Stellungnahme zu den
GAP-Vorschlägen ausdrücklich dagegen ausgesprochen, dass Landwirte
verpflichtet werden sollen, sieben Prozent ihrer Ackerflächen als
ökologische Vorrangflächen zur Verfügung zu stellen. "Durch eine solche
Auflage würde die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland auf
fast 800.000 ha stark eingeschränkt, eventuell sogar ganz eingestellt.
Der damit verbundene Ertragsausfall wird das Angebot auf den Märkten
deutlich reduzieren und weitere Preissteigerungen nach sich ziehen",
befürchtet Nüssel.
Kappung der Direktzahlungen in der Kritik
Zudem zeigt das DRV-Präsidium seine ablehnende Haltung
gegenüber einer Degression und Kappung der Direktzahlungen. Der DRV
kritisierte den Kommissions-Vorschlag, dass Beschlüsse von
Branchenorganisationen, auch für nicht angeschlossene
Einzelunternehmen, als verbindlich vorgeschrieben werden könnten. "Es
sollte den Mitgliedstaaten überlassen bleiben, ob sie solche Regelungen
anwenden. In Deutschland stoßen derartige Überlegungen jedenfalls auf
erhebliche verfassungs- und wettbewerbsrechtliche Einwände", so der
Raiffeisen-Präsident.
pd
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