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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Pflanze » Getreide » Dt. Getreideernte ]
Mittwoch, 23.05.2012
Getreide | 19.07.2011 Redaktion agrarheute.com

Kühl-feuchtes Wetter bremst Mähdrescher aus

Berlin/Hamburg - Angesichts der kühlen und feuchten Witterung ist die Getreide- und Rapsernte in Deutschland zuletzt ins Stocken geraten.
Das nasskalte Wetter hat die Getreideernte fast überall in Deutschland ins Stocken gebracht.© Mühlhausen/landpixel
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Das nasskalte Wetter hat die Getreideernte fast überall in Deutschland ins Stocken gebracht.
© Mühlhausen/landpixel
Wie der Deutsche Bauernverband (DBV) am vergangenen Donnerstag berichtete, kommen die Landwirte mit den Druscharbeiten nur langsam voran. Die derzeitige Witterung mit leichten Regenschauern bis hin zu unwetterartigen Niederschlägen mit Hagel sorge für eine schwierige Ernte der reifen Getreidefelder, stellte der Bauernverband fest. Auch Sturm und Starkregen, die zu Lagergetreide führen könnten, seien regional, vor allem im Südwesten Deutschlands, aufgetreten. Eine zügige Fortsetzung der angelaufenen Ernte sei aufgrund der Feuchtigkeit derzeit nicht möglich. Der DBV geht davon aus, dass bundesweit gut 40 Mio t Getreide eingebracht werden; das wären rund 4 Mio t weniger als im Vorjahr, als die Ackerbauern insgesamt 44,3 Mio t eingefahren hatten. In den Jahren 2008 und 2009 hatte das Aufkommen dagegen jeweils rund 50 Mio t erreicht.
 
Etwas optimistischer bezüglich der diesjährigen Erntemenge als der Bauernverband ist die Handelsfirma Toepfer International. Das Hamburger Unternehmen rechnet aktuell mit einem Getreideaufkommen von 41,4 Mio t bis 42,3 Mio t, wovon 23,0 Mio t bis 23,5 Mio t auf Weizen, 8,0 Mio t bis 8,5 Mio t auf Gerste und 4,0 Mio t bis 4,5 Mio t auf Körnermais entfallen sollen. Die heimische Rapsproduktion wird von Toepfer International auf 4,2 Mio t bis 4,7 Mio t geschätzt, verglichen mit 5,7 Mio t im vorigen Jahr.

Maispflanzen mit enormem Wachstumsschub

Der Bauernverband wies darauf hin, dass durch die Frühjahrstrockenheit bei hohen Temperaturen die Entwicklung des Getreides, insbesondere der Wintergerste, vielerorts schon zeitlich weit vorangeschritten gewesen sei. Die Ernte der Wintergerste habe daher früher als in den Vorjahren begonnen. Doch seit einigen Tagen sei die Ernte regenbedingt ins Stocken geraten. "Wir hoffen für den weiteren Verlauf der Ernte auf beständigere und vor allem trockene Witterungsverhältnisse", betonte DBV-Generalsekretär Dr. Helmut Born. Bessere Witterungsbedingungen seien für einen zügigen und reibungslosen Fortgang der Ernte und ebenso für die gleichmäßige Abreife des noch nicht erntereifen Winterweizens und der Rapsbestände nötig. Der Mais als wärmeliebende Pflanze profitiere hingegen von der derzeitigen feucht-warmen Witterung. So hätten die Maispflanzen nach schwierigen Startbedingungen jetzt einen enormen Wachstumsschub erfahren. 

Qualitätsparameter der Gerste größtenteils gut

Toepfer International wies in seinem Juli-Marktbericht darauf hin, dass die Gerstenerträge im südlichen Niedersachsen, in Sachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen die Prognosen für eine unterdurchschnittliche Ernte bestätigten. Die eingefahrenen Erträge lägen zwischen 10 % und 50 % unter dem mittleren Ertragsniveau der vergangenen Jahre. Gründe für die niedrigen Mengen sei der Niederschlagsmangel während der Bestockung, Ährenanlage und Kornfüllung. Die Qualitätsparameter Hektolitergewicht und Proteingehalt seien größtenteils gut, berichtete Toepfer International.
 
Anders sei die Situation beim Weizen. In manchen Regionen fehlten zwar ebenfalls aufgrund der Trockenheit im April bis zu 100 ährentragende Halme pro Quadratmeter, und die Ährenanlagen seien teilweise reduziert; durch ausgiebige Regenfälle seit Mitte Mai habe jedoch genügend Feuchtigkeit für die Kornfüllung zur Verfügung gestanden. Außerdem habe durch den Regen Stickstoffdünger besser von den Pflanzen aufgenommen werden können, so dass hohe Tausendkorngewichte zu erwarten seien. Die drei heißen Tage mit Temperaturen über 25° C zu Beginn der letzten Juniwoche hätten dazu geführt, dass der Weizen abreife.
 
Beim Raps bleibt dem Handelshaus zufolge abzuwarten, inwieweit die späten Regenfälle die Tausendkorngewichte steigerten. Eine um etwa 120 000 ha - Umbruch nach Auswinterung - reduzierte Anbaufläche gegenüber 2010, eine schlechte Verzweigung und starke Verunkrautung ließen nur deutlich unterdurchschnittliche Rapserträge erwarten.

Bayerns Halmgetreideernte etwa auf Vorjahresniveau

In Bayern wird eine Halmgetreideerzeugung nahe dem Vorjahresniveau von 6,35 Mio t erwartet. Wie Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei der Erntepressefahrt im Landkreis Freising mitteilte, zeichnet sich bei den Erträgen allerdings ein extremes Süd-Nord-Gefälle ab. "Wegen der starken Witterungsunterschiede reichen die Erwartungen von sehr schlecht bis hin zu rekordverdächtig", so der Minister. Während in Südbayern vielerorts mit einer ausgesprochen guten Getreideernte gerechnet werde, seien die Aussichten in Nordbayern schlecht. Brunner zufolge hat vor allem die Trockenheit im Frühjahr die Getreide- und Rapsbestände in weiten Teilen Frankens und der Oberpfalz stark in Mitleidenschaft gezogen. Teilweise hätten sie sogar umgebrochen werden müssen. Im Einzelnen sind nach Schätzung des Münchener Agrarressorts in Nordbayern bei Wintergerste, Winterweizen, Triticale und Sommergerste Einbußen von einem Drittel im Vergleich zum langjährigen Schnitt zu erwarten. Bei Winterraps könne voraussichtlich sogar nur die Hälfte geerntet werden, erklärte Brunner. Hier werde wohl selbst in Südbayern das Ergebnis deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegen.

Extremwetterlagen immer häufiger

Die markanten Spätfröste Anfang Mai haben Brunner zufolge vor allem bei Obst und Wein in Franken große Schäden angerichtet. Lokale Unwetter mit Starkregen und Hagel hätten zudem für Ernteausfälle auf Feldern und in Hopfenanlagen gesorgt. Damit bestätigten sich erneut die Prognosen der Klimaforscher: "Extremwetterlagen werden in unseren Breiten immer häufiger das Wachstum der Pflanzen und die Arbeit der Landwirte beeinflussen", so der Minister. Beim Grünland wurde nach seinen Angaben wegen der extremen Frühjahrstrockenheit beim ersten Schnitt nur ein geringer Ertrag eingebracht. Auch hier sei ein deutliches Gefälle von Süden nach Norden festzustellen. Der Mais stehe dagegen landesweit sehr gut und habe einen Wachstumsvorsprung von rund zehn Tagen. Bei Silo- und Körnermais sei deshalb mit sehr guten Erträgen zu rechnen. Laut Brunner könnten die guten Silomaisbestände dieses Jahr den Ausfall beim Grünland in Nordbayern ausgleichen und die Futterversorgung insgesamt sicherstellen. Die Kartoffel- und Zuckerrübenbestände hätten sich in ganz Bayern ebenfalls sehr gut entwickelt. Die Frühkartoffelernte habe bereits begonnen; die Zuckerrüben hätten einen Vorsprung von zwei Wochen. Die Qualitäts- und Ertragserwartungen seien bei Kartoffeln gut, bei Zuckerrüben sogar sehr gut.

Ausweitung der Sojafläche von Brunner begrüßt

Gemäß den amtlichen Zahlen haben die Landwirte in Bayern zur Ernte 2011 den Anbau von Getreide um 0,8 % auf 1,07 Mio ha ausgedehnt. Winterweizen wurde auf etwa 513 000 ha angebaut, geringfügig mehr als 2010. Die Sommergerstenfläche hat nach dem Tiefstand im vergangenen Jahr um gut 16 000 ha auf mehr als 119 000 ha zugenommen. Einen starken Einbruch gab es dagegen bei der Winterrapsfläche: sie ging um 23 000 ha auf 125 000 ha zurück. Das ist unter anderem auf Verschiebungen zugunsten des Maises zurückzuführen, der weiter an Bedeutung gewonnen hat und auf insgesamt 519 000 ha ausgesät wurde. Einen Anstieg um rund ein Viertel auf mehr als 3 000 ha gab es bei den Sojabohnen - eine Entwicklung, die Brunner ausdrücklich begrüßte. "Wir müssen uns langfristig unabhängiger von Futtermittelimporten machen", betonte der Minister und verwies auf das im Frühjahr aufgelegte Aktionsprogramm, das den Anbau von Eiweißpflanzen wie Luzerne und Sojabohnen im Freistaat voranbringen soll.

Kleinste Getreidefläche in Niedersachsen seit 1950

Mit relativ niedrigen Erträgen rechnen Niedersachsens Getreidebauern nach dem Start der Ernte. Bei der Getreiderundfahrt des Landvolkes Niedersachsen in der Region Hannover wurde als erste Prognose eine Gesamtmenge von 5,4 Mio t genannt; das wären 10 % weniger als das unterdurchschnittliche Vorjahrergebnis. In guten Jahren wurden dem Landvolkverband zufolge um die 7 Mio t eingebracht. Mit etwa 800 000 ha falle auch die Getreidefläche so niedrig aus wie zuletzt 1950, erklärte Jürgen Hirschfeld, Vorsitzender des Landvolk-Ausschusses Pflanzliche Erzeugnisse. Besonders starke Einbußen bestätigten die ersten Ergebnisse bei der Wintergerste. Hirschfeld bezifferte den Minderertrag gegenüber 2010 hier auf bis zu 30 %. Nach den Niederschlägen der vergangenen Woche würden viele Schläge zudem eher wieder grüner als heller. Auch der Winterraps sehe nicht gut aus; oftmals fungiere er nur noch als "Stützpflanze für Kamille". Der Weizen dagegen habe die verspäteten Niederschläge noch nutzen können; die Ertragsdepression falle mit bis zu 20 % geringer aus. Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben dagegen profitierten von der warmen Frühjahrswitterung, so Hirschfeld.

Unkalkulierbare Risiken gewachsen

Landvolkpräsident Werner Hilse wies darauf hin, dass weltweit aufgrund des Wachstums der Weltbevölkerung jährlich 40 Mio t Getreide zusätzlich benötigt werde, was der in Deutschland erzeugten Menge entspreche. Hilse äußerte die Erwartung, dass "wir die hohen Preise mit in die neue Ernte nehmen" bei deutlich höheren Einstandspreisen als 2010. Allerdings laufe sehr viel über Vorverträge, schränkte der Verbandspräsident ein. Der Landesbauernverband stellte außerdem fest, dass trotz günstiger Marktaussichten das Auf und Ab der Preise allen Marktteilnehmern zu schaffen mache. Ursache seien weniger witterungsbedingte Einflüsse als vielmehr politische und finanzwirtschaftliche Reaktionen. Dazu zählten die Angst vor einer Wirtschaftskrise in den USA, die Schwankungen der Wechselkurse oder auch die direkten Eingriffe in den Markt, die der russische Staat im vergangenen Jahr über Handelsbeschränkungen ausgelöst habe. Nachdem die EU im Gemeinschaftsmarkt die Weichen Richtung Liberalisierung gestellt habe, würden derartige unkalkulierbare Risiken zunehmen, erklärte der Landvolkverband. Über Verträge und das Preisabsicherungsinstrument der Warenterminbörse versuchten die Getreideerzeuger wie auch Handel und Verarbeitungsunternehmen das Preisrisiko zu minimieren.

Deutlich weniger Raps in Hessen

Von deutlichen Ertragseinbußen beim Winterraps berichtete der Präsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Friedhelm Schneider, am vergangenen Mittwoch in Friedrichsdorf. Erste Erntemeldungen aus Südhessen zeigten einen Minderertrag von 20 % bis 50 % auf. Grund für die Mindererträge seien vor allem die lang anhaltende Trockenheit von März bis Anfang Juni, aber auch die schlechten Aussaatbedingungen im Spätsommer 2010 gewesen. In Nordhessen werde die Ernte, die derzeit durch den Regen unterbrochen werde, erfahrungsgemäß zwei Wochen später starten, erklärte Schneider. Die hessischen Landwirte hätten zur Ernte 2011 Winterraps auf insgesamt rund 66 800 ha angebaut. Damit liege die Ölfrucht an dritter Stelle, was die Anbaufläche betreffe, und zwar hinter Winterweizen mit 164 600 ha und Wintergerste mit 71 300 ha. Zwei Drittel des Rapsöls gingen in die Biokraftstoffproduktion, hob der HBV-Präsident außerdem hervor. Im Jahre 2009 seien in Deutschland 2,3 Mio t Biodiesel als Beimischung und 0,24 Mio t Biodiesel als Reinkraftstoff verbraucht worden. "Damit leistet der Rapsanbau einen großen Beitrag zu einer klima- und ressourcenschonenden Energieversorgung in unserem Land", betonte Schneider.

Blick zum Himmel

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau (BWV) sprach von einem "glücklosen" Witterungsverlauf für die Landwirtschaft in diesem Jahr. Der häufigste Blick der Landwirte dürfte 2011 der Blick zum Himmel gewesen sein. Die Frühjahrstrockenheit sowie Spätfröste hätten den Landwirten, Winzern und Obstbauern stark zugesetzt. Derzeit gehe die Ernte in Rheinland-Pfalz nur langsam voran, da Regenschauer und unbeständiges Wetter für schwierige Erntesituationen sorgten, berichtete der BWV am vergangenen Freitag in Koblenz. Der Mähdrusch werde kontinuierlich unterbrochen. Sowohl die Erntemengen als auch die Erntequalitäten würden regional sehr unterschiedlich ausfallen, da die Bodenstrukturen bei starker Trockenheit sehr viel stärker zur Geltung kommen würden. Lediglich der Mais profitiere von der zurzeit feuchtwarmen Witterung. Die Maispflanzen stünden insgesamt sehr gut.
AgE
Fachbeitrag zum Thema:
Redaktion Joule Biogaskonzepte
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