Mittwoch, 23.05.2012
Mehr Transparenz am Düngermarkt
Bonn - Die weltweit größte Terminbörse in Chicago, beginnt am 11. Juli den Handel mit Mineraldünger. Dieser Schritt könnte die Transparenz an den globalen Mineraldüngermärkten deutlich verbessern.
Mehr Transparenz am Düngermarkt
Für Ackerbauern gehört Mineraldünger zu den wichtigsten und auch teuersten Betriebsmitteln. Erträge und "Qualität" der Ackerkulturen hängen entscheidend vom Mineraldüngereinsatz ab. Aus Sicht der meisten Landwirte ist der Markt jedoch unübersichtlich und nicht sehr transparent. Es gibt bislang kaum aktuelle Preise und wenig verlässliche Informationen über die Marktentwicklung. Dies trifft sowohl auf Deutschland und die EU als auch auf den globalen Handel zu.
Dies könnte sich jetzt jedoch ändern. Die größte Terminbörse der Welt, die CME in Chicago, beginnt am 11. Juli 2011 den elektronischen Handel mit 4 Kontrakten für Mineraldünger. Gehandelt werden Futures sowie Optionen auf Futures, für Harnstoff (Urea), Harnstoff-Ammoniumnitrat (UAN) und zwei verschiedene Kontrakte für Diammonium-Phosphat (DAP). Es gelten die Handelsregeln der New Yorker Börse Nymex. Die Kassapreise, die für die Festlegung der Settlementpreise durch die Börse gebraucht werden, liefern das Energie- und Mineraldüngerunternehmen ICIS sowie mit Profercy eines der wichtigsten Analystenhäuser für Mineraldünger.
Preisrisiken verringern
Mehr Transparenz am Düngermarkt
Eine entscheidende Ursache für die Einführung des Terminhandels für
Mineraldünger ist nach Angaben der CME die sehr hohe Preisvolatilität an
den Energie- und Düngemittelmärkten. Wichtigster Energieträger für die
Herstellung von Mineraldünger ist nämlich Erdgas. Der starke
Preisanstieg der letzten Jahre und die zunehmende Volatilität der
Energie- und Erdgaspreise hat in den USA zur Schließung zahlreicher
Mineraldüngerunternehmen geführt. Die Folge war eine zunehmende
Abhängigkeit der US-Farmer von Importen sowie steigende
Mineraldüngerpreise am Binnenmarkt. Die USA sind nach China und Indien
nicht nur der weltweit drittgrößte Verbraucher von Mineraldünger sondern
gleichzeitig der weltweit größte Importeur. Die Einführung des
Terminhandels soll nun Herstellern, Verarbeiten, Großhändlern sowie
landwirtschaftlichen Genossenschaften die Möglichkeit geben,
Preisrisiken in einem sehr volatilen Markt besser zu managen. Sämtliche
Handelsstufen waren deshalb auch an der Entwicklung der Futures und
Optionen beteiligt. Der Handelswert der drei gehandelten Mineraldünger
lag in den USA, in den letzten Jahren, zwischen fünf Milliarden und sieben Milliarden US-Dollar.
Vor diesem Hintergrund und angesichts der anhaltend volatilen Agrar- und
Düngemittelmärkte, sind Erwartungen an die Akzeptanz der entwickelten
Futures riesig.
Physische Lieferung möglich
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Für die Kontrakte der drei gehandelten Mineraldünger ist eine physische
Lieferung möglich. Der Transport erfolgt dann mit der Bahn. Geliefert
wird von den Produktionsstandorten bzw. Importhäfen an der Golfküste
(New Orleans, Florida). Als Lieferziele sind die wichtigsten
landwirtschaftlichen Verbrauchsorte im Mittelwesten festgelegt. Dabei
wird der Transport über weite Strecken als wesentlicher Bestandteil des
Marktes und der Preisbildung angesehen. Die Transportkosten übernimmt
bei Lieferung, wie auch am physischen Markt, der Käufer. Harnstoff und
DAP werden als Trockenprodukte gehandelt, während UAN flüssig abgegeben
wird. Gehandelt wird in Einheiten von jeweils 100 Tonnen und in US-Dollar je Tonne.
Als Liefermonate für die Kontrakte wurden die Monate März, Mai, Juli,
September und Dezember bestimmt. Hier besteht eine sehr enge
Orientierung an dem für den Mineraldüngerabsatz maßgeblichen Mais und
Weizenmarkt.
Mehr zu den internationalen Mineraldüngermärkten lesen Sie morgen in unserem Teil 2.
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Dr. Olaf Zinke Marktanalyst
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