Mittwoch, 23.05.2012
Mineraldünger bleibt teuer
Bonn - Mineraldünger haben sich in weltweit deutlich verteuert. Glaubt man den Prognosen, ist in der zweiten Hälfte dieses Jahres ein weiterer Preisanstieg zu erwarten.
Mineraldünger bleibt teuer
Allerdings sind die Einflussfaktoren auf den Markt vielfältig, so dass es durchaus zu unerwarteten Veränderungen der Marktlage kommen kann. Das betrifft sowohl das am Markt verfügbare Angebot als auch die Nachfrage nach Mineraldünger. Solche Veränderungen hätten dann auch Auswirkungen auf die Preise. Derzeit sieht es jedoch trotz der gefallenen
Getreidepreise nicht nach rückläufigen Düngerpreisen aus. Am Weltmarkt waren die wichtigsten Düngemittel im Mai 2011 durchschnittlich 55 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Im laufenden Jahr betrug der Preisanstieg bis Mai immerhin noch zwölf Prozent. Von den wichtigsten Düngemitteln verteuerte sich an den globalen Handelsplätzten Harnstoff am stärksten. Im Vorjahresvergleich betrug der Preisanstieg über 70 Prozent. Die Preise für DAP und TSP bewegten sich im Mai etwa 32 Prozent beziehungsweise 55 Prozent über dem Vorjahreswert und Phosphat war 46 Prozent teurer als vor einem Jahr. (Grafiken Kaliumchlorid und Grafik TSP-Preise)
Hohe Agrarpreise treiben die Nachfrage
Mineraldünger bleibt teuer
Die Ursachen für den kräftigen Preisanstieg sind auf eine ganze Reihe
von Faktoren zurückzuführen. Zu den wichtigsten Einflussgrößen gehören
natürlich die Getreide- und Ölsaatenpreise. Das hohe Preisniveau bei
Ackerbauprodukten hat weltweit zu steigenden Investitionen in den
Betrieben und zu einem erhöhten Einsatz an Düngemitteln geführt. Im Mai
2011 kostete Weizen an den globalen Handelsplätzen beinahe doppelt so
viel wie vor einem Jahr, Mais war um 90 teurer, Soja um 50 Prozent, Zucker um
40 Prozent und Baumwolle um 85 Prozent. Diese Entwicklung hat die Nachfrage nach
Düngemitteln deutlich angetrieben. Ganz besonders kräftig nahm der
Mineraldüngereinsatz in Südamerika, Indien und Ozeanien zu. Analysten
rechnen allein für Brasilien mit einem Anstieg der Importe für das
Gesamtjahr von fast sechs Prozent. In jüngster Zeit wurden wegen der
gleichzeitigen Verschiffung von wichtigen Exportgütern wie Zucker, Soja
oder Mais über erhebliche Verzögerungen bei der Entladung des
Mineraldüngers an den wichtigsten Häfen (Paranagua) berichtet.
China drosselt Exporte
Mineraldünger bleibt teuer
Von der Produktionsseite werden die
Düngerpreise zudem maßgeblich durch
die Entwicklung der Energiepreise, insbesondere durch die Preise für
Erdgas beeinflusst. Auch von dieser Seite hat es im Jahresverlauf einen
Kostenschub gegeben. In Europa lagen die Erdgaspreise im Mai gut 40 Prozent
über dem Vorjahreswert und Rohöl hatte sich um die gleiche Größenordnung
verteuert. Hinzu kommen jedoch auch Angebotsverknappungen durch
veränderte politische Rahmenbedingungen (Nordafrika) oder auch
Handelsbeschränkungen. So hat China seine Harnstoffexporte, nach sehr
expansivem Start zum Jahresbeginn, in den letzten Monaten spürbar
gedrosselt. Offenbar wird im Reich der Mitte wegen der boomenden
Wirtschaft die Energie knapp und immer teurer. In der Folge hat man der
Einsatz von Energie für die Düngerproduktion gedrosselt und damit die
Produktion beschränkt. Außerdem benötigt das Land selbst mehr Harnstoff
als zunächst erwartet. Analysten gehen deshalb von einem deutlichen
Rückgang der chinesischen Harnstoffexporte, um etwa die die Hälfte, auf
nur noch 3 bis 3,5 Millionen Tonnen aus.
USA sind größter Importeur
Mineraldünger bleibt teuer
Ermöglich wurden die chinesischen Exporte durch den rasanten Ausbau der
eigenen Produktionskapazitäten. Nach den Daten der Internationalen
Düngemittel-Organisation (IFA), baut China bei Stickstoff- und
Phosphordüngemitteln bis 2015 weltweit die meisten neuen
Produktionsstätten. Damit bleibt das Reich der Mitte künftig nicht nur
der weltgrößte Verbraucher von Mineraldünger sondern auch der größte
Produzent sowie bei Stickstoff und Phosphor der zweitgrößte Exporteur.
Importbedarf haben die Chinesen hingegen bei Kalium. Bei diesem Dünger
ist China noch vor den USA und Brasilien der weltweit größte Importeur.
Bezogen auf die Gesamteinfuhr von Düngemitteln sind die USA der
bedeutendste Importeur, noch vor Brasilien und Indien. Eine Ausnahme
macht lediglich Phosphordünger, hier liegen die Amerikaner an der Spitze
der großen Exportländer. Ansonsten sind Russland, Kanada und China die
Top der Mineraldüngerexporteure. Beim Kaliumexport spielt zudem
Weißrussland eine herausragende Rolle und bei der Ausfuhr von
Stickstoff/Harnstoff die Ukraine.
Nachfrage schwächte sich ab
Mineraldünger bleibt teuer
Im Mai hat die Internationale Organisation der Düngemittelhersteller
(IFA) die Verbrauchs- bzw. Nachfrageentwicklung für das Wirtschaftsjahr
2011/12 geschätzt. Dabei ging man im Vergleich zu den beiden Vorjahren
von einer Verlangsamung des Verbrauchwachstums bei den drei wichtigsten
Nährstoffen Stickstoff, Phosphor und Kalium auf durchschnittlich 2,5 Prozent
aus. In den beiden vorangegangenen Wirtschaftsjahren hatte der globale
Mineraldüngerverbrauch mit rund fünf Prozent immerhin doppelt so stark zugenommen
Allerdings war die globale Nachfrage im Krisenjahr 2008/09 weltweit
auch um fast acht Prozent eingebrochen. Insbesondere beim Einsatz von Kalium und
Phosphor hatten die Landwirte gespart. Bei diesen beiden Nährstoffen
nahm der weltweite Verbrauch in den beiden letzten Jahren teilweise
zweitstellig zu. In diesem Jahr rechnen die Experten der IFA
insbesondere bei Kalium nochmal mit einem hohen Verbrauchzuwachs von 5,5 Prozent. Offenbar ist dieser Verbrauchrückgang jedoch nicht das Ergebnis
einer akuten physischen Verknappung. Nach den Daten der IFO nehmen die
Produktionskapazitäten zu und können den steigenden Bedarf gut decken.
Lediglich bei Phosphordünger verbessert sich die enge Relation von
Angebot und Nachfrage nur wenig.
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Dr. Olaf Zinke Marktanalyst
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