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Lange Zeit sah es so aus, als stünden die Bauern und ihre Verbände mit ihrer Klage über die ruinöse Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels ganz allein auf weiter Flur. Doch das scheint seit letztem Mittwoch offenbar Vergangenheit. Kurz vor Beginn der Grünen Woche in Berlin äußerten Sie sich dazu erstmals als Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE).
Rabattschlachten nicht länger hinnehmen
Man wolle die Rabattschlachten in Billig-Supermärkten nicht länger hinnehmen, erklärten Sie der Presse. Das Verramschen von Lebensmitteln müsse aufhören! Sie forderten im Namen der Lebensmittelindustrie von der Bundesregierung ein Einschreiten gegen den Preisverfall in der Branche und gegen die Nachfragemacht der Lebensmitteldiscounter. Der Wettbewerb werde teilweise mit fragwürdigen Praktiken geführt. Solche Missstände müsse die Politik beheben, erklärten Sie weiter. Das habe schließlich genügend Mittel zur Verfügung habe, um Monopole und Oligopole zu bekämpfen.
Der LEH prägt das Preisniveau
Das ist ein mutiger Schritt! Ist Ihre Industrie doch auf den Handel angewiesen. Rund 22 Prozent der Gesamtproduktion von Fleisch wird beispielsweise über den Lebensmitteleinzelhandel vertrieben. Die Discounter vertreiben in der Bundesrepublik 44 Prozent der gesamten Lebensmittel. Zwar sind Gastronomie, Direktabsatz, Großhandel, Online-Handel und Export weitere und wichtiger werdende Absatzmärkte für Erzeuger und Industrie. Doch der LEH prägt das Preisniveau und damit die Akzeptanzschwellen der Verbraucher.
Die Lebensmittel-Industrie habe ihre Preise senken müssen
Der Anlass für die jetzige Forderung liegt in der Entwicklung Ihrer Branche. Nach Berechnungen der BVE erzielte die Ernährungsindustrie 2009 einen Umsatz von 150 Milliarden Euro. Das sind 4,2 Prozent weniger als im Vorjahr - der stärkste Umsatzeinbruch seit Bestehen der Bundesrepublik. Lebensmittel- und Getränkehersteller haben 2009 ihre Preise insgesamt gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent senken müssen, erkärten Sie. Treibende Kraft dabei sei der Kampf der Discounter um Marktanteile. Das können wir uns vorstellen.
Billig-Lebensmittel verschieben nur die Marktanteile der Discounter
Einen weiteren Grund sehen Sie darin, dass trotz zwölf Preissenkungsrunden in den letzten zwölf Monaten die Verbraucher nicht mehr einkaufen. Billig-Lebensmittel verschieben nur die Marktanteile der Discounter untereinander.
Machtgefälle zulasten der Erzeuger
Das sehen die Landwirte übrigens genauso. Bauernverbandschef Gerd Sonnleitner forderte etwa, eine Änderung des Kartellrechts zu prüfen, da man gegen den Preisverfall neue Instrumente brauche. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will einmal mehr mit Wirtschaft und Handel sprechen, "wie faire Preise in der Lebensmittelkette erreicht werden können." Auch ein Sprecher des Bundeskartellamts räumte ein, dass es zwar kein wettbewerbswidriges Verhalten des Einzelhandels gäbe, allerdings existiere ein Machtgefälle zulasten der Erzeuger.
Sehr geehrter Herr Abraham, ich hoffe, Sie und Ihre Industrie bleiben bei Ihrem Standpunkt.
Beste Grüße von der Grünen Woche
Olaf Deininger
Redaktionsleitung agrarheute.com
dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag
Lothstraße 29
80797 München
Telefon + 49/89/12705-327
E-Mail: olaf.deininger@dlv.de
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